Gut 200 Wohneinheiten könnten mitten in Allschwil entstehen. Könnten. Aber wegen des Fluglärms vom naheliegenden Euro-Airport (EAP) kann das Areal Chleifeld zwischen Neuweilerstrasse und Schönenbuchstrasse nicht eingezont werden. So will es die Lärmschutzverordnung des Bundes: Erreichen die Lärmemissionen eine gewisse Höhe, überschreiten sie den Planungswert. Das heisst, es dürfen dann keine Bauzonen für lärmempfindliche Nutzung wie Wohnbauten mehr ausgeschieden oder erschlossen werden.

In Allschwil werden diese Werte überschritten. Denn zwischen 22 und 23 Uhr, wenn die Planungswertgrenze bei einem Mittelwert von 50 Dezibel (dB) liegt, wurden in Allschwil 2015 gemäss Umweltbericht des EAP 53 dB gemessen. Zwischen 23 und 24 Uhr liegt der Grenzwert bei 47 dB. In Allschwil wurden 2015 47,8 dB erreicht. Einen Anstieg des Nachtlärms verzeichneten in den letzten Jahren zwar auch die Messstationen in Basel und Binningen. Die Werte liegen aber unterhalb der Planungsgrenze.

So hat sich der Nachtfluglärm zwischen 2011 und 2015 entwickelt.

In Binningen macht man sich derweil auch keine Gedanken darüber, ob der steigende Fluglärm zu einer Überschreitung des Planungswerts führen könnte – jedenfalls nicht wegen der damit einhergehenden Zonenvorschriften. «Binningen ist fertig gewachsen», begründet die für die Ortsplanung zuständige Gemeinderätin Eva-Maria Bonetti. Denn mit Ausnahme von ein paar Kleinstarrondierungen könne sich das Siedlungsgebiet aufgrund des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes sowieso nicht mehr vergrössern. «Bei der Fluglärmproblematik geht es also darum, die bestehenden Wohnzonen weitmöglichst zu schützen.»

Das einzige bebaubare Gebiet

Auch in Allschwil sind die Möglichkeiten zum Wachstum aufgrund des eidgenössischen Raumplanungsgesetztes begrenzt. Dieses schreibt eine kompakte Siedlungsentwicklung vor, um die Zersiedlung zu begrenzen. Damit ist das rund 91 000 Quadratmeter umfassende Areal Chleifeld das einzige noch bebaubare Gebiet innerhalb des Siedlungsperimeters. «Wohnraum ist in Allschwil sehr gefragt», sagt Gemeinderat Robert Vogt. «Darum hätten wir das Areal sehr gerne in unser räumliches Entwicklungskonzept einbezogen.» An diesem arbeitet die Gemeinde seit Mai mit dem Ziel, es bei der anstehenden Revision der Zonenvorschriften umzusetzen. Das Chleifeld wird wegen des Fluglärms aber auch bei dieser Revision keine Rolle spielen. «Deshalb bleibt uns nur die innere Verdichtung.»

Zum Glück habe Allschwil in diesem Aspekt viel Potenzial, so Vogt. Denn daran, dass das bisher keiner Nutzung zugewiesene Chleifeld in absehbarer Zeit doch noch zur Bauzone erklärt werden könnte, glaubt er nicht. «Es besteht keine Aussicht, dass die Lärmemissionen in der kommenden Zeit sinken werden», erläutert der Gemeinderat. «Im Gegenteil: Der EAP wächst stetig. Das heisst, die Sorge ist aktuell eher, dass bald auch die Immissionsgrenzwerte überschritten werden.»

Solange der Lärm unter diesem Grenzwert liegt, ist der EAP nicht zum Handeln gezwungen. Deshalb sieht auch die Fluglärmkommission beider Basel in ihrem neusten Bericht keinen Handlungsbedarf (bz berichtete). «Genau deshalb kritisiere ich den Bericht», erzählt Vogt, der Vorsitzender des Gemeindeverbunds Flugverkehr ist und seit Juli auch den beiden übrigen Schweizer EAP-Anrainerverbänden angehört. «Man sollte sich frühzeitig bemühen, dass es nicht zu einer Überschreitung dieses Grenzwerts kommt. Denn wenn es so weiter geht, kann das schon in zwei Jahren der Fall sein.»

Während die Debatte zum Fluglärmbericht im Basler Grossen Rat bereits stattgefunden hat, steht sie im Baselbieter Landrat noch aus. «Ich hoffe, dass es dort viele kritische Stimmen geben wird», sagt Vogt. Die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde Allschwil selbst, sich gegen die Überschreitung des Planungsgrenzwerts zu wehren, sind beschränkt. «Wir tun das, indem wir in allen drei Schweizer Anrainerverbänden Einsitz haben.»

Diese haben vergangenen Januar zum ersten Mal gemeinsame Forderungen formuliert. Und auch wenn die Kollegen aus dem Elsass damals kritisch reagierten, sind die Verhandlungen mit ihnen sowie dem deutschen Anrainerverband mittlerweile sehr weit fortgeschritten. Im Januar wolle man gemeinsame Forderungen aller fünf Schutzverbände präsentieren.

Darin setzt Vogt grosse Hoffnungen. Denn EAP-Direktor Matthias Suhr habe gemäss Vogt einst zugesichert, er sei der Erste, der sich für die Anliegen der Anrainer einsetzen würde, wenn diese gemeinsame Forderungen formulieren würden.