Der Gemeindeverbund Flugverkehr (GVF) verliert per Ende Jahr ein weiteres Mitglied: Die Gemeinde Aesch hat vergangenen Freitag ihren Austritt bekannt gegeben. Als Grund wird der Widerstand gegen einen direkten Bahnanschluss des Euro-Airports angegeben. Das sei «nicht im Sinn der Agglomeration», schreibt der Gemeinderat in einer Medienmitteilung. Ausserdem schätzt er den Nutzen des Verbunds für die Aescher Bevölkerung als «gering» ein.

Für den GVF kam der Austritt der Agglomerationsgemeinde völlig überraschend, sagt Hans-Ulrich Zumbühl, Vorsitzender der GVF-Steuergruppe und Reinacher FDP-Gemeinderat: «Wir erfuhren Anfang Dezember vom Austritt. Es gab zuvor keinerlei Signale, dass Aesch mit unserer Arbeit nicht zufrieden sein könnte.» Zumbühl bezeichnet es als bedauerlich, dass der Gemeinderat den Verbund vor vollendete Tatsachen gestellt habe, statt zuvor das Gespräch zu suchen. «Uns ist klar, dass wir nicht zu 100 Prozent die Meinung aller Gemeinden vertreten können. Das wäre gar nicht realistisch. Aber wenn es Unstimmigkeiten gibt, so sollten diese angesprochen werden.»

Gemeindeverbund ist «zu extrem»

Die zuständige Aescher Gemeinderätin Sabrina Häring (FDP) entgegnet, der Ausstieg sei keine Kurzschlusshandlung gewesen, sondern wiederspiegle eine generelle Unzufriedenheit mit der Tätigkeit des Verbunds: «Wir haben schon länger daran gezweifelt, ob die Mitgliedschaft noch sinnvoll ist.»

Allgemein sei die Haltung des GVF «zu extrem», bekräftigt Häring: «Wir müssen doch auch die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens beachten. Unsere Gesellschaft will die Vorteile des Flugverkehrs nutzen, aber die Nachteile will niemand tragen. Diese Logik greift zu kurz.» Auch Reigoldswil brachte für den Austritt – neben der ablehnenden Haltung des GVF zum Bahnanschluss – wirtschaftliche Argumente vor. Die Oberbaselbieter Gemeinde gab Anfang Oktober ihren sofortigen Austritt bekannt, kurz darauf folgte die Nachbargemeinde Lauwil.

Zumbühl wiederum lässt die wirtschaftlichen Argumente der abtrünnigen Mitglieder nicht gelten: «Der GVF anerkennt die Bedeutung des Flughafens. Insofern ist die Begründung von Aesch für den Austritt nicht gerechtfertigt». Es sei auch nicht so, dass der Widerstand gegen den Fluglärm in der Bevölkerung abgenommen habe. Anders tönt es von Gemeinderätin Häring. So seien aus Aesch immer weniger Lärmklagen eingegangen. «Wir haben selber Statistik geführt. Im laufenden Jahr hat sich keine einzige Person aus unserer Gemeinde über den Fluglärm beschwert.»

«Verkraftbare» Austritte

Nach dem Austritt Aeschs, Reigoldswils und Lauwils zählt der GVF noch acht Mitglieder: Allschwil, Binningen, Arlesheim, Bottmingen, Hochwald, Oberwil, Reinach und Schönenbuch. Die Kommunen bezahlen einen von der Einwohnerzahl abhängigen Beitrag an den Verbund, auch die Nähe zum Euro-Airport spielt eine Rolle. Laut Häring betrug der Mitgliederbeitrag von Aesch wenige tausend Franken. Für Zumbühl ist der jüngste Weggang für den 2009 gegründeten Verbund «verkraftbar».

Der Gemeindeverbund Flugverkehr hatte im Mai seine kritische Haltung gegenüber einem direkten Bahnanschluss des Flughafens bekannt gegeben. Anlass dafür war eine Informationsveranstaltung des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) über die mittel- und langfristige Planung für den Flughafen. An dieser präsentierte das Bazl auch den «Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt» (SIL), in dem der Flughafen-Bahnhof vorkommt.