Der grösste wiederkehrende Sportanlass der Schweiz macht in drei Jahren im Baselbiet Halt: 2022 steigt das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln.

Das «Eidgenössische» wird den Namen Pratteln im ganzen Land bekannt machen. Vielleicht hat die dreitägige Veranstaltung für die Standortgemeinde auch einen angenehmen Nebeneffekt: Wegen des Mega-Events könnte der Bahnhof so ausgebaut werden, dass er für Schnellzughalte plötzlich wieder attraktiv ist. Das erhoffen sich jedenfalls viele Prattler, die sich an die Zeiten erinnern, als der sogenannte Flugzug in der Gemeinde hielt.

Fest steht: Der Ansturm während des Festwochenendes wird immens sein. Die Organisatoren rechnen an den drei Tagen mit dem Besuch von insgesamt über 220 000 Schwingbegeisterten. Mindestens zwei Drittel sollen den öV nutzen. Der Bahnhof Pratteln muss den Besuchermassen Stand halten – ein Ausbau der Infrastruktur ist kaum zu umgehen. Doch das Schwingfest-OK gibt klar zu verstehen, es plane «nur» für seine Bedürfnisse.

90 Minuten Grossansturm

Eine der grössten Herausforderungen ist der Samstag zwischen 5.45 und 7.15 Uhr. Laut Machbarkeitsstudie kommt es in jenen 90 Minuten zum grössten Besucheraufkommen. Gegen 35 000 Personen dürften dann aufs Mal eintreffen, der grösste Teil von ihnen per Bahn. Zum Vergleich: Normalerweise benutzen den Bahnhof Pratteln unter der Woche 9500 Passagiere – während eines ganzen Tages.

Grundsätzlich sei es so, dass der Verein ESAF 2022 seine Vorhaben nicht mit anderen Projekten vermischen wolle, sagt Matthias Hubeli, Geschäftsführer der ESAF-Geschäftsstelle. Als Festbahnhof komme, neben demjenigen in Pratteln, auch der Bahnhof Kaiseraugst infrage. Derzeit sei die Abteilung Verkehr des Organisationskomitees daran, gemeinsam mit den SBB zu prüfen, ob es bei einem oder beiden temporäre Ausbauten braucht. Allenfalls könnte sogar der gesamte Bahnverkehr fürs ESAF 2022 über den Bahnhof Pratteln abgewickelt werden.
Resultate werden für Frühherbst 2019 in Aussicht gestellt. «Wir wollen auch die Erfahrungen des ‹Eidgenössischen› in Zug in diesem Sommer in unsere Abklärungen einfliessen lassen», sagt Matthias Hubeli.

Perrons sind zu kurz

Pratteln war lange Jahre Schnellzughalt. Bis 2008 bediente der Interregio (IR) Basel-SBB – Rheinfelden – Flughafen Zürich die Gemeinde dreimal täglich. Doch mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2008 strichen die SBB die Destination Pratteln. Sogar Proteste des Regierungsrats brachten nichts. Für ihn besonders ärgerlich: Der Flugzug hielt nach dem Fahrplanwechsel 2008 neu in Rheinfelden.

Das Argument der SBB damals: Die Perrons in Pratteln seien zu kurz. Die 220 Meter reichten nicht aus für die langen Kompositionen mit einstöckigen Wagen.

Der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP) sagt, die Perron-Verlängerung sei eine von mehreren möglichen Varianten. Noch stehe auch nicht fest, ob es überhaupt provisorische zusätzliche Infrastruktur brauche. «Sollte sich jedoch im Rahmen der Vorstudie herausstellen, dass eine Perron-Verlängerung notwendig und machbar ist, würden wir die Idee unterstützen, wenigstens zu prüfen, ob die Infrastruktur auch gleich fix erstellt werden könnte. Für Pratteln wäre das selbstverständlich eine Attraktivitätssteigerung.»

Beim ESAF 2013 in Burgdorf wurde ein Perron des Bahnhofs um 50 Meter verlängert. Es handelte sich um eine provisorische Holzkonstruktion und kostete 30 000 Franken. Für den Betrag kam das Schwingfest-OK auf. In Zug wiederum ist der Bahnhof grösser als jener im Emmental. Ausbauten braucht es nach derzeitigem Kenntnisstand keine.

Eine andere Möglichkeit wäre es, für das Schwingfest 2022 gleich einen ganzen Bahnhof auf Zeit aufzubauen. Er käme gleich beim Festgelände im Gebiet Leimen-Hülften zwischen Pratteln und Frenkendorf zu stehen. In der Machbarkeitsstudie wird die Option erwähnt, sie sei laut SBB «gut machbar».

Matthias Hubeli jedoch winkt ab: die Möglichkeit des provisorischen Bahnhofs sei mittlerweile verworfen worden.