Lörrach steht unter Schock. Am Sonntag hat eine 41-jährige Frau ihren seit Juni 2010 von ihr getrennt lebenden 44-jährigen Ehemann erschossen. Ebenfalls getötet wurde der gemeinsame 5-jährige Sohn. Dieser wies keine Schussverletzungen auf, jedoch Spuren anderer Gewaltanwendung. Die Todesursache steht noch nicht fest.

Anschliessend rannte die Frau ins nahe gelegene Elisabethen-Krankenhaus, schoss dabei zwei Passanten an und tötete im Flur des Krankenhauses einen Pfleger. Ein Polizist erlitt einen Kniedurchschuss. Im anschliessenden Feuergefecht im Spital wurde die Frau von Polizeikräften erschossen, nachdem sie auf Zurufe nicht reagiert hatte. Gestern morgen besuchte Innenminister Heribert Rech die Verletzten und den Tatort.

Gestern um 16 Uhr informierten die Staatsanwaltschaft und die Polizeidirektion im Rathaus Lörrach über den Stand der Ermittlungen. Dass der Tat eine Beziehungsproblematik zugrunde liege, sei anzunehmen, stehe aber nicht mit Sicherheit fest.

Tatort war die Anwaltskanzlei der Frau, die seit dem 10. Dezember 2009 über eine anwaltliche Zulassung verfügte und zuvor für ein Privatunternehmen tätig gewesen war. Seit 2005 war die Frau in Lörrach nicht mehr gemeldet, sondern wohnte in einem kleinen Dorf in der Umgebung.

In der Kanzlei übernachtet

Die Kanzlei in Lörrach verfügte aber über eine Übernachtungsmöglichkeit. Das Kind wohnte meist beim Vater, der offenbar in der Kanzlei zu Besuch war. Beim Verlassen der Kanzlei legte die Frau eine Spur mit einem explosiven Brandbeschleuniger. Es gab eine Explosion. Beim darauf folgen-den Brand erlitten 15 Personen Brandverletzungen.

Vieles am Tatablauf ist noch unklar. Die Lörracher Untersuchungsbehörden bitten deshalb Zeugen dringend, sich zu melden.

Fehlgeburt erlitten

Bekannt ist inzwischen, dass die Frau im Jahr 2004 eine Fehlgeburt erlitt und seinerzeit im Elisabethen-Krankenhaus behandelt wurde. Es sei möglich, dass der Gang ins Spital damit zusammenhänge. Ob der getötete Pfleger dabei eine Rolle spiele, sei noch offen. Tatwaffe war ein Longrifle mit Kaliber 22 mit einem 5-Schuss-Magazin.

Diese und drei weitere Schusswaffen hatte die Frau, die als Sportschützin aktiv gewesen war, legal in ihrem Besitz. Die Frau hatte insgesamt 300 Schuss Munition dabei.

Aus einer Nische im Flur, an dem mehrere Patientenzimmer liegen, schoss die Täterin rund zehnmal auf eine Zimmertüre, hinter der sich eine Patientin und sechs Gäste befanden. Einsatzleiter Michael Granzow lobte die involvierten Einsatzkräfte. Mit ihrem konsequenten Vorgehen hätten sie wahrscheinlich einer Vielzahl von Menschen das Leben gerettet und ein grösseres Blutbad verhindert.

Nach dem Stand der Ermittlung habe sich die Täterin nicht in psychiatrischer Behandlung befunden. Es gebe aber Aussagen von Bekannten, laut denen die Frau psychisch belastet oder angespannt gewirkt habe.

Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm zeigte sich schockiert. Aufgabe der Stadt sei es, die Lage der Betroffenen möglichst schnell zu verbessern. Bei der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden und der Volksbank Lörrach wurden Spendenkoten für die Angehörigen des Opfers eingerichtet.

In der St.-Bonifatius-Kirche liegt ein Kondolenzbuch auf, und auch im Internet wurde auf der Homepage der Stadt Lörrach ein Kondolenzbuch eingerichtet.