Er erspähte sein Opfer im 6er-Tram nach Allschwil: Wie die Videoaufzeichnungen hinterher ergaben, wechselte der heute 40-jährige Mann im Februar vor einem Jahr mehrmals den Sitzplatz und folgte an der Endstation in Allschwil Dorf der Frau. An der Neuweilerstrasse griff er sie von hinten an, wollte sie küssen, griff ihr zwischen die Beine und drohte ihr mit einem Rüstmesser. Danach haute er ab. 

Einen Tag später griff er gegen 15 Uhr an der Baslerstrasse erneut eine Passantin auf dieselbe Art an. Er drückte ihr den Mund zu, hielt ihr ein Rüstmesser an den Hals und verlangte Sex. Sie lehnte ab, woraufhin die beiden stritten, schliesslich zog er ab. Am selben Abend belästigte er nur wenige Meter entfernt auf der Treppe der römisch-katholischen Kirche auf eine ähnliche Weise eine dritte Frau. Auch hier flüchtete er rasch, als die Frau zu weinen anfing.

Die Täterbeschreibungen der Frauen waren nicht immer ganz eindeutig, doch die Polizei verhaftete den heute 40-jährigen Mann noch am selben Tag. Er sass wegen Fortsetzungsgefahr knapp 79 Tage in Untersuchungshaft. Danach wechselte er nahtlos in eine stationäre Entzugstherapie, dort lebt er noch immer.

Will sich an nichts erinnern

Nebst den Übergriffen auf die drei ihm unbekannten Frauen ging es  am Donnerstag im Baselbieter Strafgericht in Muttenz auch um Streit mit seiner Ex-Freundin: Mal brach er in ihre Wohnung ein, mal beschimpfte und bedrohte er sie mit dem Tod. Der Auslöser war dafür jeweils der Alkohol.

Seit seinem 19. Lebensjahr ist er offenbar davon abhängig. Er hat auch mehrere stationäre Entzüge hinter sich. «Er hat vor allem Hochprozentiges konsumiert, auch mal problemlos eine Flasche Whisky alleine ausgetrunken. Die Vorwürfe haben ihm endgültig klargemacht, dass er so nicht weitermachen kann», sagte Verteidiger Simon Berger an der Verhandlung. «Ich habe kein Erinnerungsvermögen mehr an diese ganze Zeit.

Ich möchte die Taten aber nicht abtun und mich hinter dem Alkoholkonsum verstecken», sagte der 40-Jährige. Er ist bereits wegen Strassenverkehrsdelikten vorbestraft, auch hier war immer Alkohol im Spiel. Ein Gutachter betonte, der Mann sei wegen der starken Alkoholabhängigkeit zur Tatzeit stark vermindert schuldfähig gewesen.

Das Dreiergericht fällte am Donnerstag Schuldsprüche wegen sexueller Nötigung, versuchter schwerer Vergewaltigung und diverser anderer Anklagepunkte. Rein formell hätte das Strafmass knapp vier Jahre betragen, wegen der stark verminderten Schuldfähigkeit des Mannes reduzierten die Richter die Freiheitsstrafe aber auf 17 Monate unbedingt.

Faktisch bleibt ihm die Freiheit aber länger verwehrt: Das Gericht ordnete eine Suchtmassnahme an. Diese kann je nach Notwendigkeit und unabhängig von der tatsächlichen Strafe bis zu maximal sechs Jahre verlängert werden. Weil das Heim kein eigentliches Gefängnis ist, wird auch der Aufenthalt lediglich zu 75 Prozent an die Strafe angerechnet.

Der Mann verfügt derzeit über kein Einkommen und ist verschuldet, dazu muss er Verfahrenskosten von über 30'000 Franken übernehmen. Eine der Frauen hatte eine Genugtuung von 5000 Franken gefordert, der Mann hatte sich zur Zahlung von 500 Franken bereit erklärt, das Gericht erhöhte den Betrag auf 1500 Franken.