Für Christina Käch wird die Zeit langsam knapp. Wenn die Lehrerin aus Anwil ihre Vision einer Schule für freies Lernen wie angekündigt bis August 2017 realisieren will, muss noch einiges organisiert und erledigt werden: Noch fehlen die geeigneten Räumlichkeiten und Kindergarten-Personal und auch Schüler warten auf ihre Zusagen. «Es gibt bereits Interessenten, aber wenn ich nicht rechtzeitig einen Raum finde, müssen die Kinder vorerst an die staatliche Schule schicken und alles verzögert sich», sagt Käch.

Kein Raum für die freie Schule

«Die freie Schule Funke ist meine persönliche Vision, die mit der Geburt meiner ersten Tochter ins Leben gerufen wurde. Ich wünsche mir, dass Kinder mit einer Form des freien Lernens aufwachsen und sich entwickeln können», erzählt Käch. Dass auch Bekannte Interesse an einer solchen Schule im Oberbaselbiet anmeldeten, bestärkte sie darin, dieses Projekt in Angriff zu nehmen.

«Ich habe mit dem Baselbieter Amt für Volksschule (AVS) zusammengearbeitet und ein Konzept entwickelt, das den kantonalen Vorgaben entspricht», sagt Käch. Die Bewilligung vom AVS wurde im April ausgestellt. Doch dann der Dämpfer: Die Zusage für die Räumlichkeiten der Schule wurde zurückgezogen. Und ohne geklärte Raumsituation kann das AVS die Bewilligung für den Schulbetrieb nicht aushändigen.

«Jetzt müssen wir so schnell wie möglich neue Räumlichkeiten finden, denn unter Umständen muss beim Bauinspektorat noch ein Umnutzungsgesuch eingereicht werden und das dauert dann auch wieder», sagt Käch. «Wir suchen von Anwil bis Gelterkinden und hoffen noch auf ein weiteres Angebot.»

Ernst Möckli, Gemeindepräsident von Anwil kennt das Problem. Die vormals zugesagten Räume gehören nämlich der Gemeinde und befinden sich im alten Schulhaus, das von verschiedenen Vereinen und Gruppen rege genutzt wird. «Wir sind am Anfang davon ausgegangen, dass nur ein Raum benötigt wird.

Das wäre kein Problem gewesen», erklärt Möckli. «Doch dann war plötzlich auch die Rede vom Werkraum und dem Mittagstisch und so weiter. Das war mit den übrigen Nutzern nicht mehr vereinbar.» Ausserdem hätten auch Sicherheitsfragen eine Rolle gespielt und die Gemeinde habe für allfällige Baumassnahmen kein Budget. Möckli hält trotzdem fest: «Grundsätzlich sind wir immer für Neues und so ein Schulangebot scheint ja auch gefragt zu sein.»

Oberbaselbieter Bedürfnis

Christina Käch teilt diese Einschätzung und empfindet die Haltung der Gemeinde als offen gegenüber ihrer Schule. «Wir haben Interessenten aus dem Oberbaselbiet, dem Aargau und Basel. Die neue Schule wird die Gemeinde beleben.» Obwohl es auch in Liestal und Pratteln ähnliche Angebote gebe, sei für viele Oberbaselbieter dieser Weg zu weit, weshalb man sich eine nähere Schule für freies Lernen wünsche.

«Wir werden voraussichtlich mit sechs bis acht Schülern starten. Es gibt eine Stufeneinteilung, aber es wird nicht nach Altersklassen getrennt.» Der Unterrichtsstoff stehe allen Kindern offen. «Die Idee ist, dass man jedes Kind dort abholt, wo es steht und seinen inneren Lernwillen fördert.» Die Kinder können die Themen selber wählen und in verschiedenen «Ateliers» bearbeiten.

Die Lehrperson beobachte und unterstütze das Kind in seiner eigenen Laufbahn, gebe aber auch Impulse, um ein Gleichgewicht zwischen den Lerninhalten zu schaffen.
Trägerschaft der Schule ist der Verein freie Schule Funke, dem Christina Käch gemeinsam mit Teamkollegin Kathrin Morath vorsteht. Weitere Mitglieder, sowie Sponsoren werden noch gesucht. «Wir möchten keine Eliteschule aufbauen, sondern sie soll für alle zugänglich sein», sagt Käch.

«Aber es ist klar, dass wir zuerst einen Boden brauchen, bevor wir Entlastung für Eltern mit geringem Einkommen anbieten können. Wir sind auf Stiftungen und Spenden angewiesen.» Auch die Stelle der Kindergarten-Lehrperson könne noch nicht definitiv besetzt werden. «Es ist etwas schwierig, weil der Startzeitpunkt noch ungewiss ist. Die Leute müssen einfach ein wenig flexibel sein.