Die Affäre rund um das Reinacher Asylwohnheim ist bald um ein Kapitel reicher: Eine frühere Mitarbeiterin des Asylheims, Farideh Eghbali, hat Strafanzeige gegen drei Mitglieder des Reinacher Gemeinderats und diverse leitende Angestellte der Gemeinde Reinach eingereicht.

Der Anwalt Erwin Frei, der Eghbali im Rechtsstreit mit der Gemeinde vertritt, sagt auf Anfrage der bz, es handle sich um mehrere Anklagepunkte: Amtsgeheimnisverletzung, Verleumdung beziehungsweise üble Nachrede sowie Verstösse gegen das Arbeitsgesetz.

Auch Genugtuung gefordert

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft bestätigt den Eingang einer Strafanzeige. Sie umfasst gemäss Frei auch eine Privatklage auf Genugtuung an die Adresse von einzelnen Beschuldigten.

Der Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung rührt wohl von der Medienmitteilung vom 3. Mai 2017 her, die noch immer auf der Webseite der Gemeinde aufgeschaltet ist. In dieser wurde die Freistellung und die Absicht zur Kündigung von Frau Eghbali bekannt gegeben, wegen eines «zerrütteten Vertrauensverhältnisses». Im mehrseitigen Communiqué sind auch zahlreiche private und somit rechtlich geschützte Daten enthalten.

Diese Details aus Eghbalis Arbeitsdossier wurden an der Medienkonferenz, die gleichentags stattfand, auch mündlich wiedergegeben. An dieser nahmen unter anderem Gemeindepräsident Urs Hintermann, Gemeindevizepräsidentin Béatrix von Sury und Gemeinderätin Bianca Maag teil.

Sexuelle Beziehung gemeldet

Der Arbeitskonflikt nahm seinen Anfang im Juni 2016. Damals meldete Eghbali ihren Vorgesetzten ein unprofessionelles Verhalten einer Kollegin. Daraufhin wurde Eghbali verwarnt und im Mai freigestellt. Trotz der in Aussicht gestellten Kündigung ist diese bis heute nicht erfolgt. 

Im Juni stellte sich heraus, dass die belastete Betreuerin, die nicht mehr für die Gemeinde tätig ist, tatsächlich eine sexuelle Beziehung mit einem damals 17-jährigen Heimbewohner geführt hatte. Zu diesem Ergebnis kamen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Da es sich jedoch um eine einvernehmliche Beziehung handelte, wurde das Verfahren wieder eingestellt. 

Im Verlauf des Frühjahrs kamen jedoch weitere Missstände im Reinacher Asylheim ans Tageslicht. So berichteten Bewohner von Fehlverhalten von Nachtwächtern