«Das System ist völlig unabhängig von meinem Mandanten gelaufen. Es handelt hier um den klassischen Fall eines Bauernopfers», sagte Verteidiger Yves Waldmann am Montag im Gerichtssaal. Beim «System» ging es um die Prattler Firma Petromove, im konkreten Fall namentlich um Lieferungen von Heizöl ohne interne Abrechnung. Angeklagt war der ehemalige Geschäftsführer der Petromove, ein 50-jähriger Deutscher.

Die Verhandlung wurde bereits mehrmals verschoben, und am Montag wurde der Fall vom Baselbieter Strafgericht in Muttenz in Abwesenheit des 50-Jährigen verhandelt: Er weilt in Deutschland. Für eine verpasste Verhandlung im April entschuldigte er sich nachträglich mit einer Herzerkrankung, am Montag konnte er wegen eines Todesfalls innerhalb der Familie nicht kommen.

Der Vorwurf: Er soll im Jahr 2012 während sechs Monaten die Beträge für Heizöllieferungen selber einkassiert haben. Dabei soll auch Öl von fremden Anhängern in solche der eigenen Firma umgepumpt worden sein.

Die Firma war meist im Auftrag der Migrol unterwegs, das Öl wurde der Petromove verrechnet. Damit sei ein Schaden entstanden, die Petromove hatte eine Zivilforderung von 130'000 Franken geltend gemacht. «Er hat seine Stellung als Geschäftsführer missbraucht. Der Schaden hat auch dazu geführt, dass die Petromove AG Konkurs gegangen ist», sagte Staatsanwalt Stephan Schmid und forderte eine Verurteilung wegen Veruntreuung.

Keine weisse Weste

Das Dreiergericht kam aber in diesem Hauptanklagepunkt zu einem Freispruch: «Der Stutz ist weg, und man sucht jemanden, der daran schuld sein könnte», brachte Gerichtspräsidentin Monika Roth das Problem auf den Punkt. Es sei zu Vieles unklar in diesem Fall. «Was den Betrieb ausgezeichnet hat waren null Kontrollen. Niemand hat sich darum gekümmert. Irgendwelche Leute waren Nutzniesser dieser Unordnung, wer das war, wissen wir aber nicht», so Roth.

Eine bedingte Geldstrafe gab es dennoch, weil der Mann trotz aberkanntem Führerausweis immer wieder mit dem Auto unterwegs war und einer Frau bei einem gefälschten Arbeitszeugnis half. Auch klaute er ein Mobiltelefon der Firma, seine Ehefrau vertelefonierte damit innerhalb eines Monats fast 1700 Franken. Durch die Freisprüche in den Hauptpunkten muss der Mann auch nur ein Fünftel der Verfahrenskosten von rund 20'000 Franken übernehmen. Man hatte bei ihm lediglich noch 1700 Franken sicherstellen können, der Mann verfügt bereits über massive Betreibungen, ihm wurde auch schon der Lohn gepfändet. Wovon er in Deutschland derzeit genau lebt blieb in der Verhandlung unklar. Er kann die Schuldsprüche noch weiterziehen.

Die Firma ist pleite

Über die Firma Petromove wurde im Jahr 2016 der Konkurs eröffnet, viele Anleger fühlen sich von hohen Renditeversprechen im Zusammenhang mit einer Tankstellenkette übers Ohr gehauen. Monika Roth betonte, für diverse Beteiligte gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Allerdings hätte primär der Verwaltungsrat für «Ordnung in der Bude» sorgen müssen, und davon könne hier keine Rede sein.

Die Untersuchungen dazu führt die Abteilung Wirtschaftskriminalität der Baselbieter Staatsanwaltschaft, es ist derzeit nicht absehbar, ob und wann hier eine Anklage erfolgen wird. Stawa-Mediensprecher Thomas Lyssy bestätigt auf Anfrage nur, dass die Untersuchungen noch immer im Gange sind. Das Verfahren ist offenbar auf weitere Personen ausgeweitet worden, die Untersuchungen würden noch mindestens bis Ende Jahr andauern.