Voraussichtlich nächstes Jahr tritt das neue Prattler Parkierungsreglement in Kraft. Dann müssen im Grüssen-Areal neu angesiedelte Fachmärkte mindestens 50 Rappen für eine Stunde Parken verlangen. Bisherige Fachmärkte dürfen ihre Kunden weiterhin gratis parken lassen. Denn als der Einwohnerrat das Reglement 2011 verabschiedete, setzte die Mehrheit auf Freiwilligkeit.

Die Kunden würden ihre Autos auf den Gratisparkplätzen der bisherigen Fachmärkte abstellen, um bei den neuen einzukaufen, sagte man voraus. Deshalb würden bald alle Fachmärkte im Grüssen Parkgebühren verlangen, ob sie dazu gezwungen seien oder nicht. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich das Problem von allein löst», sagte zum Beispiel FDP-Einwohnerrat Patrick Freund damals.

Danach sieht es jetzt aber nicht aus. Denn keiner der ansässigen Fachmärkte denkt daran, fürs Parkieren Geld zu verlangen. Auch die Gefahr des «Parkplatztourismus» sieht man nicht aufkommen.

Bewirtschaftung ist ein No-go

«Die Bewirtschaftung von Parkplätzen widerspricht unserer Service-Philosophie», heisst es bei Möbel Pfister. «Wir sehen keinen Grund, diese einzuführen.» Das abschüssige Gelände erschwere zudem die Transportwege zu den Pfister-Parkplätzen. Und Ikea teilt mit: «Eine Bewirtschaftung der Parkplätze ist nicht geplant.» Die Grüssen-Parkhäuser würden jetzt schon gegenseitig benutzt.

Im Toptip-Parkhaus steht vorsorglich ein Parkgebührenautomat – allerdings steht «gratis» drauf. «Zurzeit schätzen wir die Situation nicht so ein, dass wir die Parkplätze bewirtschaften müssten», lässt Coop verlauten. Man werde aber die weitere Entwicklung genau beobachten.

Damit bestätigt sich, was Gemeinderat Ruedi Brassel (SP) bereits 2011 sagte: Niemand wird freiwillig Geld fürs Parkieren verlangen. Darum wollte der Gemeinderat alle Fachmärkte gleich behandeln. «Solange sie mit Gratis-Parkplätzen einen komparativen Vorteil haben, werden sie diese nicht so schnell hergeben», sagt Brassel heute. Eventuell könnten fremde Kunden auf ihren Gratisparkplätzen die Grossverteiler umstimmen – «aber ich bin skeptisch, ob das wirklich funktioniert».

Von der Unterscheidung zwischen alten und neuen Parkplatzanbietern betroffen sein wird die Migros, die östlich der bestehenden Fachmärkte eine Obi-Filiale plant. Der – noch nicht rechtskräftige – Quartierplan sieht eine Parkplatzbewirtschaftungspflicht vor. Migros-Basel-Sprecher Dieter Wullschleger findet, damit würde «die Wettbewerbssituation schwierig». Zudem fragt er sich, ob eine Ungleichbehandlung der Fachmärkte rechtlich haltbar sei.