Drei Kilometer neue Schienen verbaut, 5000 Schwellen verlegt und das alles unfallfrei. Die gelben 11er-Trams der BLT können ab sofort wieder den Reinacher Ortskern passieren. Die sechswöchige Intensivbauphase bei der Sanierung der Hauptstrasse, in deren Verlauf die Tramschienen erneuert und die Haltestellen umgebaut wurden, hat am Montagabend mit einem öffentlichen Apéro vor dem Gemeindehaus ihren Abschluss gefunden. Rund 500 Reinacherinnen und Reinacher liessen sich die Gelegenheit nicht entgehen, das "kleine Dankeschön" von Gemeinde, Kanton und Transportbetrieb in Form eines öffentlichen Apéros anzunehmen. Vor den mit Silserlis, Partybroten, Speckgugelhopf und Snacks reich befrachteten Apéro-Tischen bildeten sich lange Schlangen; zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner nahmen die Möglichkeit wahr, die offiziellen Vertreter und Bauverantwortlichen mit eigenen Fragen zum Grossprojekt zu konfrontieren.


Schwierige Zeit für Reinach


Kein Zweifel, leicht hatten es die daheim gebliebenen Reinacher während der Sommerferien nicht. Totalsperrung der Hauptstrasse, kein Trambetrieb, Tag und Nacht Baulärm und viel Ausweichverkehr durch die Quartiere. Dazu die viel diskutierten Umsatzeinbussen beim Reinacher Gewerbe: "Wir wussten, dass dies eine schwierige Zeit wird", sagte der Reinacher Gemeinderat Stefan Brugger, "und dass sie von allen viel abverlangt. Darum haben wir von Anfang an nichts beschönigt." Brugger, wie auch später der verantwortliche Projektleiter vom Tiefbauamt, Axel Mühlemann, dankten der Bevölkerung für das Verständnis und die weitestgehend bewahrte Fassung angesichts der vielen Unannehmlichkeiten. Am Apéro selbst war die Stimmung gelöst, kritische Kommentare und Beschwerden bildeten die seltene Ausnahme. "Wir konnten gar nicht anders, als mit Schichten auch in der Nacht zu bauen", ergänzte Mühlemann, "sonst hätten wir den Zeitplan nicht einhalten können".

Andreas Büttiker im Gespräch mit Reinacher Bewohnern

Andreas Büttiker im Gespräch mit Reinacher Bewohnern


Neuer BLT-Wartesaal im Ortskern


Obschon mit der Intensivbauphase die Sanierung noch lange nicht zu Ende ist, kann die Bevölkerung der "Stadt vor der Stadt" die ersten Früchte bereits jetzt ernten. "Ab sofort fahren die Trams wegen der neuen Schienenbettung leiser durch den Ortskern", freute sich Gemeinderat Brugger. Ebenso ist die neue Strassenbeleuchtung bereits in Betrieb. BLT-Chef Andreas Büttiker verwies auf die erste behindertengerechte Haltestelle im Baselbiet mit einer Einstiegshöhe von 28 Zentimetern und stellte gleich zwei weitere Zückerchen in Aussicht: Eine eigene Wartehalle im Ortskern ("Danach haben wir uns schon lange gesehnt") sowie eine ab 2015 ausschliesslich durch die neuen Tango-Trams bediente 11er-Linie, sobald die zusätzlich vom Verwaltungsrat bewilligten neuen Fahrzeuge geliefert worden sind.


Nur als inoffizieller Gast mischte sich die höchste Bauherrin im Kanton, Regierungsrätin Sabine Pegoraro, unter die Bevölkerung. Sie wollte auf dem Heimweg nach Pfeffingen den "Puls der Reinacher" fühlen: "Entscheidend ist, den Leuten zu erklären, warum die Arbeiten notwendig sind. Dann ist in aller Regel das Verständnis da." Von Gegenteil konnte oder wollte sie am Montagabend in Reinach niemand überzeugen.