Das geschichtsträchtige Bad Meltingen, 1450 erstmals urkundlich erwähnt, ist verkauft. Ins einstige Kurhaus ziehen im August psychisch kranke Personen. Die jetzige Besitzerin, Jeanne Jeger-Wymann, hat es an eine Dugginger Immobilienfirma verkauft, die das stattliche Gebäude an den Verein Behinderten-Wohngruppe Bad Meltingen vermietet.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge trete sie das frühere Kurhaus ab, erzählt Jeanne Jeger. Mit dem lachenden Auge meint sie die Last, die wegfällt: Gebäude unterhalten, Umschwung pflegen. Das weinende Auge gilt dem «selten schönen, historischen Objekt», das sich in einem gesunden Zustand befindet. Weit und breit gebe es nichts Vergleichbares, ist die rüstige Rentnerin überzeugt.

«Das ist im Interesse des Dorfes»

Das Gasthaus erlebte seine Blütezeit von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre. Es hatte einen Saal für 250 Personen, in welchem während dieser Zeitspanne unzählige Versammlungen sowie fast jedes Wochenende Hochzeiten stattfanden. Legendär sind auch die grossen Fasnachtsanlässe.

Jeanne Jeger, eine bescheidene Person, schwelgt in Erinnerungen. Das wird auch den älteren Meltingern so gehen, wenn sie an die Vergangenheit denken. Sie freut sich aber, dass dem Bad Meltingen wieder Leben eingehaucht wird. «Das ist im Interesse des Dorfes und wird unsere 630-Seelen-Gemeinde beleben. Zudem werden Arbeitsplätze geschaffen.» Glücklich ist Jeanne Jeger, dass bald eine Behindertengruppe einzieht. Das sei ganz im Sinne ihres Mannes, der vor vier Jahren gestorben sei.

Unter Denkmalschutz

Die Jegers haben 1989 das Bad Meltingen von der damaligen Sibra Holding SA, einer Bierbrauerei aus Fribourg, erworben. «Mein Mann war gebürtiger Meltinger und ein Liebhaber solcher Gebäude», erzählt Jeanne Jeger. Ihr Gatte war bis zu seiner Pensionierung Geschäftsführer der Mineral- und Heilquellen AG Meltingen, die drei der fünf Quellen in der Thiersteiner Gemeinde betrieb. Jeanne Jeger, die im Elsass aufgewachsen ist, führte während 38 Jahren den Tante-Emma-Laden im Dorf. Sie hat drei erwachsene Kinder, die jedoch kein Interesse an einer Übernahme des Bad Meltingen gehabt haben.

Das Restaurant des Gasthofs war 2010 aufgegeben worden. Noch bis letztes Jahr vermietete Jeanne Jeger eine 6-Zimmer-Wohnung, einen Teil der elf Zimmer sowie Gewerberäume. Die Parzelle mit dem Bad Meltingen ist fast 28 Aren gross. Das Kurhaus stammt aus dem 15. Jahrhundert (siehe Box), das Fabrikgebäude ist 1948 angebaut worden. Von dort aus gelangt man zu einer Mineralwasserquelle. Vor 50 Jahren wurde die Liegenschaft totalsaniert und steht seither unter Denkmalschutz. Über den Verkaufspreis will Jeanne Jeger keine Angaben machen.

Platz für 20 psychisch Behinderte

Der Verein Behinderten-Wohngruppe Bad Meltingen hat seit Anfang Jahr das Bad Meltingen umgebaut und schafft so Platz für 20 psychisch kranke Personen zwischen 40 und 75 Jahren, primär aus den Kantonen Solothurn, Baselland und Baselstadt. Gekauft hat die Gebäulichkeiten die ZM Immobilien AG aus Duggingen. Diese hat mit dem Verein einen langjährigen Mietvertrag abgeschlossen.

Die Behinderten-Wohngruppe «Sunnäschiin» plante, ihr Haus in Zwingen zu erweitern. Dies sei jedoch nicht zustande gekommen, begründet Heimleiterin Germaine Wyss Aebli den Umzug ins Schwarzbubenland und erklärt weiter: «Wir haben eine Firma gesucht, die für uns das Bad Meltingen kauft.» Wegen der Gewaltentrennung dürfe die Heimleitung nicht auch Hauseigentümerin sein.

Das ganze Haus wird genutzt

Sie hätten in den Umbau «viel Geld» investiert, sagt Germaine Wyss Aebli, die zusammen mit ihrem Mann, Donat Aebli, die neue Wohngruppe leitet. «Wir werden das ganze Haus nutzen. Im Fabrikgebäude richten wir die Aktivierung ein.» Auf die 20 zu betreuenden Personen fallen 15 Vollzeitstellen. Über die Zusammenarbeit mit Kanton und Gemeinde, welche die Bewilligungen erteilt haben, findet die Heimleiterin nur lobende Worte. «Sunnäschiin», ein IVSE-anerkannter Verein (Interkantonale Vereinbarung Sozialer Einrichtungen), wurde 2011 gegründet. Die Wohngruppe besteht seit 34 Jahren; sie wurde zuerst privat geführt. Auch der Verein Behinderten-Wohngruppe Bad Meltingen ist IVSE-anerkannt. «Sehr positiv», äussert sich Gérard Zufferey, Gemeindepräsident von Meltingen, zum neuen Projekt im Bad Meltingen. «Dass etwas Soziales entsteht, entspricht der Mentalität unseres Dorfes.»

In der Bevölkerung habe es zuvor wegen Fehlinformationen zwar Angst und viele Gerüchte gegeben. Von Drogenabhängigen sei die Rede gewesen, fährt Zufferey weiter. Er habe jene Einwohnerinnen und Einwohner, die danach gefragt hätten, direkt aufgeklärt. Danach seien sie sehr beruhigt gewesen. «In einem Dorf gibts mehr Gerüchte als in einer Stadt», scherzt Gemeindepräsident Zufferey.