Es gibt in Reinach kaum eine freie Fläche, für die es nicht Pläne für Wohnbauten gäbe. Denn Wohnen in der zweitgrössten Gemeinde des Baselbieter ist äusserst beliebt, zudem steigt der Wohnraumbedarf pro Einwohner.

Doch ausgerechnet mitten im Reinacher Siedlungsgebiet, an bestens erschlossener Lage, klafft seit Jahrzehnten eine zwei Fussballfelder grosse Baulücke, das Schönenbach-Areal. Dort, wo einst das Gartencenter Schär war, streiten sich seit über eineinhalb Jahrzehnten die Landbesitzer und die Gemeinde, wie gebaut werden soll.

Die Eigentümer wollten ursprünglich Einfamilienhäuser bauen, wofür die Gemeinde aber in Reinach keinen Bedarf sah. Später sträubten sich die Eigentümer gegen einen von der Gemeinde gewünschten Architekturwettbewerb und präsentierten mehrere Projekte, die wiederum der Gemeinde nicht passten. 2010 lag der Entwurf eines Quartierplans vor, der aber von übergeordneten Entwicklungen überrollt wurde. Zeitweise stand die Planung ganz still, weil unklar war, welcher Landeigentümer überhaupt zuständig war. Und dann verstarb auch noch eine Investorin.

Doch jetzt scheinen sich Gemeinde und Landbesitzer geeinigt zu haben. Anfang Woche präsentierten sie der Bevölkerung einen neuen Quartierplan. Sieben fünf- bis neunstöckige Hochhäuser sollen Platz bieten für rund 150 «zeitgemässe Wohnungen», so der Gemeinderat. Entlang der Baselstrasse soll es Platz haben für gewerbliche Nutzungen, die möglichst wenig stören. In der Mitte des Areals sind «grosszügige, spannungsvolle Aussenräume unterschiedlicher Qualitäten» geplant. Die Überbauung soll ein Zentrum werden für ein Quartier, das heute keines hat. Mit unterschiedlich grossen Wohnungen soll die Bevölkerungsmischung gewährleistet sein.

Tram könnte blockiert werden

Die Gemeinde unterstützt das Projekt, weil es zur Verdichtung Reinachs beitrage und öffentlich zugänglicher Aussenraum entstehe. An der öffentlichen Präsentation kritisierten Anwohner die Platzierung der Einfahrt zur Autoeinstellhalle. Dort sollen über 180 Fahrzeuge Platz finden. Die Einfahrt an der Schönenbachstrasse sei zu nahe an der Baselstrasse gelegen, weshalb es in Stosszeiten zu einem Rückstau komme, der den Tramverkehr blockieren werde, so die Befürchtung. Oberirdisch bleibt das ganze Gelände autofrei.

Die Bevölkerung ist aufgerufen, im Rahmen des öffentlichen Mitwirkungsverfahrens bis zum 9. Dezember Bemerkungen, Einwände und Vorschläge einzureichen. Danach muss der Reinacher Einwohnerrat den Quartierplan absegnen. Bei einem allfälligen Referendum hat das Volk das letzte Wort.