Schon wieder ein neues Tunnel-Projekt fürs Baselbiet: Die Wirtschaftskammer Baselland will Frenkendorf und Arlesheim unterirdisch miteinander verbinden. Dienen soll der Strassentunnel der Entlastung des Nadelöhrs Schweizerhalle-Hagnau der Autobahn A2.

Erst Anfang Juli hatte der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi den "Denkanstoss" für einen Tunnel von Giebenach bis Weil am Rhein aufs Tapet gebracht. Auch mit diesem Projekt hätte das Strassennetz des Kantons Baselland vom Transitverkehr entlastet werden sollen.

Fünf-Punkte-Plan für die Region

Am Freitag präsentierte die Wirtschaftskammer Baselland in Liestal einen Fünf-Punkte-Plan, mit dem die Verkehrsachse Augst-Basel entlastet werden soll. Der Transit-Tunnel Jacobis spielte dabei keine Rolle. Stattdessen präsentierte der Verband fünf andere Projekte. Dazu gehören:

  • Die "offizielle" Anerkennung der deutschen Autobahn A98 zwischen Badisch Rheinfelden und Weil am Rhein als "echte" Umfahrungsachse des Knotens Basel.
  • Die Forderung an Basel-Stadt, dass dieser den Engpass auf der A2-Osttangente möglichst rasch löst.
  • Die Forderung an das Bundesamt für Strassen (Astra), den A2-Abschnitt Hagnau-Augst auf vier Spuren zu erweitern, inklusive ein vierter Fahrstreifen für die Gallerie Schweizerhalle.
  • Die Forderung an den Baselbieter Regierungsrat, dass beim Bahnhof Pratteln-Längi eine Park & Ride-Anlage eingerichtet wird.
  • Die Forderung an Basel-Landschaft und Basel-Stadt, dass das Herzstück der Regio-S-Bahn als Ypsilon realisiert wird.

Baselland soll Zügel in die Hand nehmen

Wirtschaftskammer-Direktor und FDP-Landrat Christoph Buser betonte, dass das Vorgehen der Wirtschaftskammer breit abgestützt sei. Angesichts der prekären Situation auf den Baselbieter Strassen müsse der Kanton Baselland umgehend eine eigene Position entwickeln und diese gegenüber dem Bund, Basel-Stadt und Deutschland "mit Nachdruck vertreten". Als nächsten Schritt wird Buser entsprechende parlamentarische Vorstösse einreichen.

Christof Hiltmann, FDP-Landratskollege von Buser und Gemeindepräsident von Birsfelden, sagte, dass die Situation für seine Gemeinde "unhaltbar" geworden sei. Sobald es auf der A2 um Schweizerhalle zu einem Stau komme, würden die Autofahrer versuchen, diesen über die Birsfelder Hauptstrasse zu umfahren. "Die Pflästerli-Politik muss aufhören, wir müssen jetzt eine andere Flughöhe einnehmen", sagte Hiltmann.

Südumfahrung von Allschwil bis Frenkendorf

Weiter schlugen Buser und Hiltmann vor, die Südumfahrung als zweiten Ring zur Umfahrung der Kernstadt Basel zu realisieren, der sich von Allschwil bis Arlesheim erstrecken würde. Der Tunnel von Arlesheim bis Frenkendorf würde die Südumfahrung in einem späteren Schritt komplettieren.

Architekt Martin Geiger, ehemaliger Privatdozent für Raumplanung an der ETH Zürich, bezeichnete die Ausrichtung der Transportwege in der Region Basel als "mittelalterlich". Dies, weil alle Wege den Tälern entlang sternförmig zur Kernstadt führen würden. In "echten" Metropolitanregionen wie Zürich oder Genf hingegen würden die Transportwege die Form eines Gitters oder eines Netzes aufweisen.

Herzstück Basel mit "Ypsilon"

Der Liestaler Architekt Raoul Rosenmund betonte, dass es nicht darum gehe, die Zersiedelung zu fördern, sondern darum, Subzentren zu schaffen, welche die Kernstadt entlasten könnten. Neben Strassenprojekten kam das Quartett auch auf den öV zu sprechen. So favorisieren sie beim so genannten S-Bahn-Herzstück-Projekt, der unterirdischen Eisenbahn-Verbindung zwischen dem Basler Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof, die "Ypsilon-Variante". Sie sieht einen zweiten Tunnel in Richtung Frankreich vor.