Der Verein Regio Basiliensis feiert sein 50-jähriges Bestehen. Doch trotz Jubiläum verfallen die Fürsprecher der trinationalen Kooperation nicht in Jubelstimmung. Die EU ist in der Krise – das verleiht Kräften Auftrieb, die das Dreiland auseinanderdividieren, anstatt weiter zusammenzuführen. Und auch in der Schweiz sind Rückzugstendenzen spürbar, wie Kathrin Amacker, Präsidentin von Regio Basiliensis, im Interview betont. Sie fordert, solchen Tendenzen entschieden entgegenzutreten. Die Grenzregionen verfügten über eine besondere Innovationskraft, die es angesichts der Krise zu nutzen gelte. In diesem Feld könne Regio Basiliensis einiges beitragen.

Frau Amacker, welches ist der wichtigste Beitrag des Vereins Regio Basiliensis in seiner 50-jährigen Geschichte?

Kathrin Amacker: Die Regio Basiliensis hat einen entscheidenden Beitrag geleistet, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Dreiland wieder eine gemeinsame Identität entwickeln konnte. Es ging auch darum, diesen Raum wieder als einen gemeinsamen zu etablieren. Der Verein hatte in dieser Hinsicht zu Beginn der 1960er-Jahre eine absolute Pionierrolle inne. Heute erscheinen die Strukturen und Organisationen, die sich um die Zusammenarbeit kümmern, zwar als selbstverständlich. Aber aus damaliger Sicht war die Idee, die Region über die Landesgrenzen hinaus zusammenzubringen, absolut visionär.

Heute präsentiert sich die Situation anders: In der grenzüberschreitenden Kooperation läuft projektbezogen einiges. Letzte Woche wurden in Weil am Rhein die Schienen der Tramlinie 8 zusammengeschweisst. Auf der Ebene der gefühlten Zusammengehörigkeit sind hingegen trennende Kräfte spürbar.

Es ist tatsächlich keine einfache Zeit: Unsere deutschen und französischen Partner sind in ein Konstrukt eingebunden, das sich in einer veritablen Krise befindet. Wir dürfen uns nichts vormachen: Europa befindet sich wirtschaftlich im Sinkflug gegenüber Asien, Brasilien, Russland und Südafrika. Die Machtverhältnisse werden sich über die kommenden 30 Jahre grundlegend verändern. All das hat einen spürbaren Einfluss auf die trinationale Zusammenarbeit. Umso wichtiger ist es, nationalistischen Rückzügen entgegenzuwirken und die besondere Innovationskraft von Grenzregionen aktiv zu nutzen. Hier kann die Regio Basiliensis auch in Zukunft viel Positives beitragen.

Wie sieht die Stimmung auf Schweizer Seite aus?

Wir stellen diese Rückzugstendenzen auch auf Schweizer Seite fest. Sie äussern sich hier so, dass eine Fokussierung auf einen engen Dreilandperimeter erfolgt. Die Zusammenarbeit mit Saint-Louis, Weil und Lörrach wird nicht infrage gestellt. Der Perimeter der gesamten Oberrheinregion wird hingegen weniger gepflegt als auch schon. Wir kämpfen gegen diese Tendenz an, denn wir sind überzeugt, dass es zur Abschöpfung des Innovationspotenzials ein gutes Zusammenspiel in der ganzen Oberrheinregion mit ihren 6,4 Millionen Einwohnern braucht.

Das Problem liegt doch auch darin, dass die Region auf Schweizer Seite strukturell stark fragmentiert ist. Eine Kantonsfusion beider Basel würde vieles vereinfachen.

Die politischen Strukturen in der Nordwestschweiz tragen in der Tat vieles zur Komplexität der trinationalen Region bei. Eine Vereinfachung könnte hier tatsächlich neuen Schwung auch über die Schweizer Grenze hinaus bringen. Deshalb beschäftigt die Regio Basiliensis die aktuelle Diskussion um eine Fusion der beiden Basler Halbkantone. Wir nehmen aber nicht für oder gegen die Fusions-Initiative Stellung, sondern möchten Möglichkeiten zum öffentlichen Diskurs anbieten.

Wie kann der Verein dies tun?

Wir waren Mitorganisator einer der ersten öffentlichen Veranstaltungen zu diesem Thema. Es ist uns zudem aufgefallen, dass in öffentlichen Diskussionen immer wieder eine objektive Faktenlage nachgefragt wird. Hier besteht eine Lücke, insbesondere seit von den beiden Regierungen eine Simulation der Kantonsfusion vor der Abstimmung zur Einsetzung eines Verfassungsrats abgelehnt wurde. Wir haben deshalb die Idee einer Studie angestossen, die den Bürgern pragmatisch die Chancen und Risiken einer Fusion aufzeigen soll. Die Regio Basiliensis hat renommierte Experten zusammengeführt, um eine solche Studie zu entwerfen.

Ist das nicht Zwängerei, die Idee der Simulation erneut aufzugreifen?

Das denke ich nicht. Ich bin im Gegenteil davon überzeugt, dass die Bevölkerung in beiden Basel sich vor der Abstimmung eine solche Faktenlage wünscht. Die Regio Basiliensis will mit ihrem Impuls für eine Studie einen neutralen Beitrag an die öffentliche Meinungsbildung leisten.

Regio Basiliensis ist heute nur eine von vielen Organisationen, die sich um die Kooperation im Dreiland kümmern. Für viele Menschen ist unklar, welche Organisation wofür zuständig ist.

Grundsätzlich ist es ein positives Zeichen, dass sich so viele Organisationen um das Wohl der Region kümmern. Dies zeigt, wie gross das Interesse an einer funktionierenden trinationalen Zusammenarbeit ist. Das ergibt allerdings auch eine ungute Komplexität, da haben Sie völlig recht. Wir müssen der breiten Öffentlichkeit noch besser erklären, welchen Mehrwert wir liefern und wie wir zusammenarbeiten. In den letzten Jahren haben wir durch die Zusammenlegung von Sekretariaten einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die Regio Basiliensis verfolgt das Ziel, in einem «Haus der Region» alle relevanten Organisationen unter einem Dach zu vereinen. Wir haben bereits einige Immobilien angeschaut.