Die Kantonsstrasse in Arisdorf zu sanieren ist eine Knacknuss. Denn die Ortsdurchfahrt ist eng und kurvig. Möchte man die Fahrbahn auf die normgerechten 6 Meter 50 ausweiten und ein Trottoir erstellen, müssten einige für Arisdorf typische Vorplätze und Bauerngärten weichen. Das Ortsbild würde massiv leiden – wo es doch unter nationalem Denkmalschutz steht.

Trotzdem möchte der Kanton die Strasse dringend sanieren. Denn sie ist in schlechtem Zustand. Das Tiefbauamt präsentierte deshalb 2016 einen Kompromiss. Die maximale Strassenbreite beträgt nur 6 Meter, oft weniger. Ein Trottoir ist lediglich auf der einen Seite vorgesehen, stellenweise 1 Meter 20 schmal. Es ist zwar manchenorts nötig, Privatland zu erwerben. Doch das Projekt kam im Dorf mehrheitlich gut an, auch beim Gemeinderat. Nur zwei betroffene Landeigentümer reichten Einsprache gegen die Sanierung ein, einer davon gab nach einer Aussprache auf.

Eine Anwohnerin blieb hartnäckig. Sie müsste für die breitere Strasse und das Trottoir ein spitzes Dreieck ihres Bauerngartens abgeben, rund 9 Quadratmeter. Und auf einem gepflästerten Vorplatz müsste sie den Fussgängern ein Gehrecht gewähren, sodass private Parkplätze wegfallen und die Fahrbahn leicht breiter würde. Hier geht es um rund 20 Quadratmeter. Insgesamt würde die Parzelle der Anwohnerin um rund ein Prozent verkleinert.

Mehr Gas in geraderen Kurven

Nach einem für sie negativen Regierungsratsbeschluss zog sie ihre Einsprache ans Kantonsgericht weiter. An der gestrigen Verhandlung waren sich die Vertreter der Anwohnerin und des Tiefbauamts einig: Es braucht ein öffentliches Interesse, um ein geschütztes Ortsbild beeinträchtigen zu dürfen. Dasselbe gilt für die Enteignung von Anwohnern. Das Tiefbauamt sah das öffentliche Interesse mit der verbesserten Sicherheit als gegeben an, insbesondere mit dem Bau von Gehwegen.

Doch laut dem Anwalt der Anwohnerin dürfe man nicht voraussetzen, dass Trottoirs prinzipiell immer Fussgänger schützen. Die breitere Fahrbahn werde die Kurve glätten, weshalb schneller gefahren werde. Unter dem Strich werde die Sanierung die Situation für Fussgänger verschlechtern. «Lieber tiefe Geschwindigkeiten ohne Trottoir als hohe Geschwindigkeiten mit Trottoir», meinte er. Deshalb sei das Beschneiden von Privatareal unzulässig. Der Bauerngarten sei zudem integraler Bestandteil eines geschützten Ortsbildes, man dürfe daran sowieso nichts ändern.

Letzteres relativierte der Jurist der kantonalen Bau- und Umweltschutzdirektion, Markus Stöcklin. Er stützte sich dabei auf Aussagen der kantonalen Denkmalschützerin Brigitte Frei, die an einem Augenschein vor Ort erklärt hatte: Schützenswert sei in Strassendörfern wie Arisdorf die «Proportionierung» des Strassenraums. «Über die konkrete Gestaltung der Vorräume kann man reden.» Durch den Wegfall des Dreiecks sei der Bauerngarten nicht «in seiner Substanz» gefährdet.

Gartenmauer ist nicht geschützt

Das war das Hauptargument, das die fünf Richter unter der Präsidentschaft von Franziska Preiswerk übernahmen. Gemäss Denkmalschutz seien zwar die Freiräume zu schützen – aber es gebe Spielraum, wie dies zu geschehen habe. Damit sei der exakte Verlauf der Gartenmauer zur Strasse hin nicht geschützt. Zudem bleibe die Parzelle der Anwohner gross genug. Auch bezüglich Sicherheit übernahm das Gericht vollumfänglich den Standpunkt des Kantons, wonach das Trottoir die Fussgänger grundsätzlich schütze, wie das auch das Bundesgericht festgehalten habe.

Einstimmig wiesen die fünf Richter die Beschwerde zurück. Wird der Fall nicht weitergezogen, sind die Pläne des Tiefbauamts rechtsgültig.