Es war zum Schluss keine Überraschung mehr, und doch macht es uns sehr traurig, dass unser ehemaliger Gemeinderatskollege und Gemeindevizepräsident Gregor Gschwind am 18. Januar 2017 gestorben ist.

Gregor hat über Jahrzehnte vielfältige Akzente in seinem «Därwil» gesetzt. Sei es als Familienmensch, als Landwirt, Jungwächtler, Fasnächtler, Musikant oder Politiker. Es gab bei Gregor immer nur 100 Prozent – vielleicht darf man sogar sagen: 150 Prozent.

Eine Herzensangelegenheit war sein Engagement für die Musik in der Musikgesellschaft Concordia, in der er über 40 Jahre als Aktiver mittat und von 1986 bis 2006 auch als Präsident amtete. Seither war er Ehrenpräsident. Daneben war er OK-Präsident von verschiedenen Anlässen, letztmals beim 100-Jahr-Jubiläum der Musikgesellschaft Concordia 2012. Auch als Fasnächtler war Gregor prädestiniert, mit seinem feinen Humor und einer gesunden Prise Schalk. Er war 30 Jahre bei den «Rüeblizupfern» aktiv und in den letzten Jahren als «TherMitteGritte» bzw. als «Flädermuus» als Bänggler unterwegs, letztmals notabene vor weniger als einem Jahr.

Beruflich übernahm Gregor nach der Ausbildung zum Landwirt den elterlichen Hof. Im Ebenrain lernte er auch Heidi, seine spätere Frau kennen. Gregor wäre nicht Gregor gewesen, wenn er sich nicht auch beruflich vielfältig engagiert hätte. So war er unter anderem 12 Jahre Präsident des Bauernverbandes beider Basel. Auf dem Hinterlindenhof gründete er mit Heidi zusammen eine Familie mit den drei Kindern Karin, Philipp und Martina. Seine Familie war ihm sehr wichtig, und man sah den Stolz in seinen Augen, wenn von seinen Kindern gesprochen wurde.

Politisches Schwergewicht

Auch politisch war Gregor Gschwind ein Schwergewicht. Er konnte viele Geschäfte begleiten und Projekte entwickeln, als Landrat (1991 bis 1999), als Parteipräsident der CVP Therwil/Biel-Benken und von 2008 bis 2015 als Gemeinderat. 2012 bis 2015 amtete er als Gemeindevizepräsident. Er war dabei immer konsequent, mit einem offenen Ohr, auch andere Meinungen wohlwollend zu prüfen. Seine Geschäfte und Dossiers hatte er immer fest im Griff, und mit seinem Engagement konnte er sie auch jeweils erfolgreich umsetzen.

Die Gemeinde wird noch lange von seiner Arbeit und seinen Visionen profitieren. Sein wichtigstes Dossier, die Erarbeitung des kommunalen Richtplans, ist nun in trockenen Tüchern. Eine Gemeindedelegation konnte noch vor wenigen Wochen mit Gregor zusammen die Genehmigung dieses wegweisenden Planwerks durch den Regierungsrat feiern. Es bleiben aber auch kulturelle und damit identitätsstiftende Elemente, die uns an Gregor erinnern werden. So war es etwa seiner Hartnäckigkeit zu verdanken, dass wir mit dem «99er Kreisel» etwas «Richtiges» gemacht haben. Es war eigentlich ein schönes Symbol, dass er vor zwei Jahren von der Gemeinde für sein vielfältiges Engagement über mehr als vier Jahrzehnte den «Därwiler Ehrenpreis» entgegennehmen durfte: Der Preis selber ist eine Nachbildung «seines» Kreisels.

Mehrere Schicksalsschläge

Nur zu gerne hätte er sich auch weiterhin für Therwil eingesetzt, für das «Dorf wo läbt». Vor fünfeinhalb Jahren erhielt er jedoch die niederschmetternde Diagnose, dass er an ALS erkrankt sei. Ein weiterer Schicksalsschlag traf ihn im Februar 2012 mit dem Brand des Ökonomiegebäudes beim Hinterlindenhof, das bis auf die Grundmauern niederbrannte. Gregor gab jedoch nicht auf und führte seine Arbeit konsequent weiter, mit der grossen Unterstützung seiner Familie und speziell seiner Frau Heidi. So konnte er, ab 2014 an den Rollstuhl gefesselt, noch bis im Juni 2015 weiterhin im Gemeinderat mitarbeiten und die Zukunft Therwils mitgestalten. Und auch das Ökonomiegebäude wurde in der Zwischenzeit
mit einer zukunftsgerichteten Nutzung wieder aufgebaut.

Wusste über alles Bescheid

In den letzten 18 Monaten wurden die Begegnungen mit ihm weniger, auch wenn Gregor immer mal wieder im Dorf anzutreffen war. Auf sein Netzwerk konnte er sich bis zum Schluss verlassen und war immer aus erster Hand über alles Wichtige informiert. Nun müssen wir uns von Gregor verabschieden, im Wissen darum, dass er nicht mehr leiden muss und doch fassungslos darüber, dass er nicht mehr da ist.

Der Gemeinderat Therwil