Wirklich zwingend ist eine Fusion von Bättwil und Witterswil nicht. Deutlich wurde das an der Präsentation des Schlussberichts der Arbeitsgruppen, die ein Fusionsszenario erarbeitet haben. Beiden Gemeinden geht es finanziell blendend, keine steht vor unüberwindbaren Problemen. Ob man jetzt zusammengeht oder getrennt bleibt: Die Zukunft ist sowieso rosig.

Warum sollten Bättwil und Witterswil noch fusionieren? Weil es ohne Probleme möglich wäre – so lautet das Fazit des Berichts, der Bürgern beider Gemeinden vorgestellt wurde. Tatsächlich gibt es zwischen Witterswil und Bättwil keine unüberwindbaren Unterschiede. So ist der Unterhaltsbedarf der Infrastruktur in beiden Gemeinden gleich klein und bei einer Fusion könnten beide Werkhöfe bestehen bleiben. Es bräuchte ein neues räumliches Leitbild, das aber neuen Spielraum eröffnen würde. Auch finanziell müsste sich niemand benachteiligt fühlen. Denn Einwohnerzahl, Steuerfüsse, Verschuldung, Eigenkapital und Steuerkraft entwickelten sich in den letzten Jahren auffallend parallel. Gut überlegt sein müssten Einbürgerungen, weil Witterswil eine Bürgergemeinde hat, Bättwil nicht – aber auch das wäre laut Arbeitsgruppe zu bewältigen.

«Es gibt keinen objektiven Sachverhalt, der einer Fusion grundsätzlich im Wege steht», sagte Bernhard Jöhr, der den Bericht zusammengetragen und vier Fusionen in Solothurn begleitet hat. Seine Erfahrung dabei: Finanzielle Einsparungen gebe es erst einige Jahre nach einer Fusion. Für Bättwil-Witterswil zeichnete er aber einige sofortige Synergie-Effekte auf. So könne man die Verwaltung von 570 auf 450 Stellenprozente reduzieren. Einsparungen gebe es bei Beschaffungen. Generell gebe es Effizienzsteigerungen in einer Zeit, in der von Gemeinden ein immer ausgeklügelterer Service public verlangt werde. «Es geht nicht um mehr, sondern um bessere Dienstleistungen», betonte er. Erleichtert werde das Rekrutieren von politischem Personal, weil es nur noch 90 anstatt 150 Amtsinhaber gebe.

Mit einem Zusammengehen reduziere sich zudem die Komplexität der bisherigen Zusammenarbeit der beiden Gemeinden. Verlockend für die rund 170 Bürger in der Witterswiler Mehrzweckhalle war der Steuerfuss von 112 Prozent, der laut Bericht bei gleich bleibenden Bedingungen ab 2018 gelten soll. Für Witterswil wäre das eine Reduktion von 10 Prozent, für Bättwil 18 Prozent. Allerdings würden die Steuern wohl auch ohne Fusion sinken, räumte Jöhr ein. Die durch die Fusion anfallenden Kosten beziffert der Bericht auf 370 000 Franken. Nicht berührt würde laut Arbeitsgruppen das kulturelle und soziale Leben. Auch die Strassennamen und Ortsschilder würden bleiben. Zwischen den Gemeinden gibt es sowieso keine Berührungsängste, das sah man am Infoanlass. Frischfröhlich duzte man sich über die Gemeindegrenze hinweg, ein möglicher Verlust an Identität war kaum ein Thema.

Nur ein Urnengang nötig

Kritische Stimmen gab es aber doch. Bemängelt wurde, dass alles, was der Bericht als Lösung anbiete, noch von einer gemeinsamen Gemeindeversammlung entschieden werden müsse, zum Beispiel 20 vereinheitlichte Reglemente. «Das wird lange dauern, und ich denke nicht, dass sich der Aufwand lohnt», sagte ein Bürger. Vergleichsweise rasch könnte der Grundsatzentscheid über eine Fusion fallen, nämlich an (noch getrennten) Gemeindeversammlungen im September. Das letzte Wort hat an einer Urnenabstimmung im November das Volk. Sagt dieses Ja, muss eine vereinigte Gemeindeversammlung die Gemeindeordnung, den Namen und das Wappen verabschieden. Gemäss kantonaler Regelung ist danach kein abschliessender Urnenentscheid nötig, sodass die Fusion am 1. Januar 2017 Tatsache sein könnte. Wie die neue Gemeinde heissen würde, ist noch unklar. Spontan fiel am Infoanlass – wenn auch mit einem Augenzwinkern – der Name «Bitterswil».