Es ist nicht lang her, da zogen die Gegner der Fusion des Basler Universitätsspitals (USB) mit dem Kantonsspital Baselland (KSBL) einen wirklich schlechten Tag ein. Am Podium der Handelskammer beider Basel Mitte Dezember im Kino Küchlin klang das Fazit von Stephan Bachmann, Präsident der Basler Privatspitäler-Vereinigung, so: «Ein Ja zur Spitalfusion bringt durchaus Verbesserungen. Wenn die Regierungen nach einem Nein aber nochmals eine leicht überarbeitete Variante vorlegen, könnte es noch besser werden.»

Dass man so keine Abstimmung gewinnen kann, scheinen die Fusions-Gegner gemerkt zu haben. Heute Donnerstag lud das von den Privatspitälern beider Basel dominierte Komitee «Nein zu den Staatsverträgen BS/BL» zur Pressekonferenz – und liess kaum ein gutes Haar am geplanten Universitätsspital Nordwest. Der «Spitalkoloss» sei praktisch zum Scheitern verurteilt. Dies begründete Ökonom Bachmann vor allem finanziell: Der von USB und KSBL selbst ausgewiesene Investitionsbedarf von 3,2 Milliarden Franken sei für das USNW nicht finanzierbar, da es eine Verdoppelung der Gewinne auf 160 Millionen Franken im Jahr benötige.

KSBL ist das grosse Sorgenkind

Eine solche Gewinnsteigerung sei jedoch nur mit grossen Einsparungen möglich. «Wir sehen jedoch nicht, wo das USNW so viel einsparen könnte, da kein Personalabbau oder Standortschliessungen geplant sind», sagt Bachmann. Dass die Verwaltungsratspräsidenten und Direktoren von USB und KSBL bereits offen von einem Stellenabbau von rund 400 Stellen – ohne Kündigungen – gesprochen haben, erwähnten die Gegner nicht. Entscheidend scheint für das Nein-Komitee aber sowieso der zweite Punkt: Standortschliessungen.

Etwas wurde an der Pressekonferenz nämlich deutlicher denn je: Lehnen die Stimmbürger die Fusion am 10. Februar ab, so glauben die Privatspitäler tatsächlich eine Alternative präsentieren zu können. Allerdings basiert diese auf einer spezifischen Voraussetzung: «Das KSBL muss vor einer Fusion mit dem USB saniert und der Standort Bruderholz ersatzlos gestrichen werden», hält Beatriz Greuter, Direktorin der Hirslanden-Klinik Birshof und SP-Grossrätin, fest.

Das Sorgenkind ist aus Sicht des Komitees also klar das KSBL und dort in erster Linie das Bruderholzspital aber auch Laufen. «Auf den ersten Blick hilft Basel-Stadt Baselland mit der Spitalfusion als Retter in der Not, doch das KSBL hat die interne Fusion der drei Standorte 2012 noch immer nicht verdaut», sagt Tibor Somlo, Präsident der Baselbieter Privatkliniken und CEO der Ergolz-Klinik. Bei Fusionen dürften nicht alle Standorte erhalten bleiben, da sonst Doppelspurigkeiten bestehen blieben. Das Unikinderspital beider Basel habe erst funktioniert, als man sich auf einen einzigen Standort geeinigt hatte.

Nach Fusions-Nein steigt der Druck, zu handeln

Einen Widerspruch konnte das Komitee nicht gänzlich auflösen: Somlo kritisiert aus Sicht Basellands einen Angebotsabbau und längere Wege für die Patienten durch das Unispital Nordwest, gleichzeitig aber wird für die Schliessung des Bruderholzspitals und – würde Baselland ihn nicht mit gemeinwirtschaftlichen Leistungen von jährlich 1,5 Millionen Franken erhalten – auch des Standorts Laufen plädiert. Die Lösung, die am Donnerstag stark propagiert wurde: eine Vision der stärkeren Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Spitälern zu einem dezentralen Netzwerk.

Dass die Voraussetzung, erst das Bruderholz zu schliessen, im Landkanton bisher politisch nie mehrheitsfähig war, schreckt Bachmann nicht ab: «Ich glaube, dass die Bevölkerung mittlerweile vielleicht bereit dazu wäre.» Und Somlo ergänzt: «Das Bruderholzspital, wie wir es kennen, gibt es nach der Fusion sowieso nicht mehr, da dort mit der ambulanten Tagesklinik und dem Orthopädie-Zentrum etwas völlig Neues entsteht.» Aber dieser Umbau kommt beim Komitee schlecht weg, obwohl er Doppelspurigkeiten beseitigen soll. «Für ein Ambulatorium braucht es gar keine stationären Betten, und die Lage dürfte nicht so peripher sein», sagt Merian-Iselin-Chefarzt Jacques Moerlen. Und Greuter betont, auf dem Bruderholz schon heute ständig im Stau festzustecken.

Den Glauben an ihre Vision schöpfen die Fusions-Gegner am Ende vor allem aus dem Handlungsdruck, der durch ein Nein entstünde. Bachmann: «Der Verwaltungsrat des KSBL wird dann schnell handeln müssen, um das Spital zu retten.»