Simon Schweizer ist am Anschlag: «Alleine kann ich den Ansturm nicht mehr bewältigen», sagt der Präsident des neuen Vereins «Mir Baselbieter». Er müsse nun endlich jemanden anstellen, der ihm beim Bearbeiten der Anmeldungen helfe. Erst vor wenigen Wochen ging Schweizer an die Öffentlichkeit. Nun zählt der gegen die Kantonsfusion mit Basel-Stadt kämpfende Verein, der sich explizit als parteipolitisch und konfessionell neutral definiert, bereits rund 100 Mitglieder. Dies zumindest inoffiziell, da Schweizer wegen technischer Probleme erst jetzt die Einzahlungsscheine für den Mitgliederbeitrag verschicken konnte. «Die Resonanz ist überwältigend», freut sich der Sissacher Jurist. Und die Vereins-Maschinerie läuft erst gerade warm: Neu bietet Schweizer auch Aufkleber,
T-Shirts und Mützen mit dem «Mir Baselbieter»-Schriftzug an. 200 Autokleber seien schon verkauft.

SD-Keller sieht sich nicht rechts

Doch Schweizer, der seit über 20 Jahren parteilos ist, aber in den Achtzigern für die SP im Landrat politisierte, hat zumindest ein Ziel noch nicht erreicht: Auch linke Politiker, aktive wie ehemalige, mit ins Boot zu holen, um eine echte Alternative zum rechtsbürgerlich dominierten Komitee für ein selbstständiges Baselbiet zu schaffen. «Noch konnte ich keine SP-Politiker gewinnen. Die scheinen sich einfach nicht zu getrauen.» Stattdessen zeichnet sich das Gegenteil ab: Von den aktiven Landräten ist erst Daniela Gaugler von der SVP dabei. Und ein FDP-Vertreter wolle nicht offiziell für den Verein eintreten, sondern bloss anonym im Hintergrund wirken. Mit an Bord ist dafür mit alt National- und Landrat Rudolf Keller ein Schweizer Demokrat. «Er muss ja nicht gleich Vizepräsident werden», meint Schweizer vorsichtig.

Der Angesprochene wehrt sich gegenüber der bz, sofort in die rechte Ecke gestellt zu werden: «Ich würde mich nicht einmal als Bürgerlichen bezeichnen. Oft habe ich früher mit Links gestimmt, gerade bei sozialen und ökologischen Fragen.» Keller sieht sich nicht als Bürgerschreck und glaubt nicht, dass sein Engagement im Verein andere fernhalten könnte. Die Idee von «Mir Baselbieter» hält er für gut. Schweizers Anliegen teilt Keller voll und ganz. Er sei selbst kurz davor gewesen, einen Verein gegen die Fusion zu gründen. «Mis Baselbiet» hätte dieser geheissen. «Ich lasse mir meinen Kanton und meine Wurzeln nicht nehmen und werde mit aller Kraft in die Hosen steigen», wird Keller deutlich.

Hannes Schweizer überlegt es sich

Unter den SP-Landräten hoffte Schweizer eigentlich auf Ratspräsident Jürg Degen, da dieser wie er in Itingen lebt. Doch Degen winkt ab: «Ich bin zwar kein Fusionsturbo, aber auch nicht das Gegenteil.» Er werde sich weder in einer Pro- noch in einer Kontra-Gruppierung engagieren.

Wenn überhaupt scheint Hannes Schweizer der einzige SP-Landrat zu sein, dem ein Beitritt zuzutrauen ist. Der Bauer setzt sich für Hans Rudolf Gysins Zusammenarbeits-Initiative ein und gilt als Fusions-Skeptiker. «Es ist nicht undenkbar, dass ich dem Verein beitrete», sagt dieser denn auch. Allerdings schränkt er sogleich ein: «Erst schaue ich mir die bisherigen Mitglieder genau an. Ich würde mich nie einem Verein anschliessen, der im Stile der SVP die Fusion bekämpft.» Immerhin: Für Hannes Schweizer ist das Engagement von Rudolf Keller nicht per se ein Hinderungsgrund: «Keller ist kein Scharfmacher.» Simon Schweizer gibt die Hoffnung derweil nicht auf. Als Nächstes werde er Richter und ehemalige Regierungsräte anschreiben.