Exakt 17 Medienvertreter zwängten sich gestern in den Raum 108 des Richteramts Dorneck-Thierstein in Dornach. Der Zivilgerichtssaal, kleiner als ein Klassenzimmer, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Vorne rechts sass an einem Zweiertisch Raúl Bobadilla, geboren am 18. Juni 1987 in Buenos Aires, wohnhaft in 86154 Augsburg, ehemaliger Stürmer des FC Basel, heute beim FC Augsburg angestellt, angeklagt wegen eines Raserdelikts. Er war sofort erkennbar - dank seines «R»-Tattoos am Hals, das für seinen Grossvater steht, der ebenfalls «Raul» hiess.

Sogar ein Reporter aus Augsburg war vor Ort, um live zu berichten, wie dem Bundesliga-Spieler der Prozess gemacht wird. «Er ist ein armer Tropf», sagte der Deutsche, als er in der Pause seinen Kollegen in der Redaktion anrief. Dem «Boba» drohe Knast, sagte er. Denn mit dem Schweizer Gesetz sei nicht zu spassen.

Kein Gefängnis

Da wusste der Reporter noch nicht, dass die Staatsanwältin von der Forderung nach einer unbedingten Freiheitsstrafe absehen würde. In ihrem Plädoyer verlangte sie 16 Monate bedingt, dazu eine Probezeit von 4 Jahren plus Geldstrafen. «Herr Bobadilla missachte die signalisierte Höchstgeschwindigkeit krass», sagte die Staatsanwältin. «Er ging bewusst das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder gar Toten ein.»

Raul Bobadilla steht in Dornach vor Gericht

Raul Bobadilla steht in Dornach vor Gericht

Und Bobadilla war in der Tat sehr schnell unterwegs an jenem 24. Juli um 16.17 Uhr: Mit 111 Stundenkilometern wurde er am Ortsausgang von Seewen, Fahrtrichtung Grellingen, beim Gebiet «Im Bödeli» in der Nähe eines Ponyhofs geblitzt. Er sei knapp dran gewesen zum Spiel seines Clubs an jenem Abend, wird er später als Grund nennen. Und er sei abgelenkt gewesen, wegen eines Streits mit der Freundin. Sein Verteidiger sprach gestern von einem «emotionalen Take-over».

Nach Abzug des Toleranzwerts bleibt immer noch eine Überschreitung von 55 Stundenkilometer übrig. Deshalb gilt Bobadilla nach dem neuen Anti-Rasergesetz «Via Sicura» als Raser. Das Fahrzeug, ein geleaster Maserati Granturismo S, wurde beschlagnahmt. Belastend kommt hinzu, dass Bobadilla bereits viermal wegen Verkehrsdelikten aktenkundig war. Ein Vorfall ereignete sich in der Schweiz.

«Sie wussten, was sie tun.»

Dass der Fehlbare sein Vergehen vom Juli schon kurz nach der Tat gestand, stets bedauerte und sich immer kooperativ verhalten hatte, kam ihm gestern zu Gute. Gerichtspräsident Markus Christ wollte im Argentinier nicht den typischen Wiederholungstäter sehen. Er habe zwar ein schweres Delikt begangen, das nicht zu entschuldigen sei. Aber er sei seit dem Vorfall auch nicht mehr straffällig geworden. «Sie wussten, was sie tun. Sie sind zu schnell gefahren», sagte Christ. «Ich kaufe es Ihnen jedoch ab, dass Sie kein notorischer Raser sind.» Aus diesem Grund sei ein unbedingter Freiheitsentzug nicht angemessen.

Bobadilla kommt mit den von der Staatsanwaltschaft geforderten 16 Monaten bedingt davon; die Verteidigung hatte 12 Monate verlangt. Vier Jahre lang darf er sich auf der Strasse nichts zuschulden kommen lassen.

Hohe Busse

Ihn erwartet eine gesalzene Rechnung: 15'800 Franken Geldstrafe brummte ihm das Gericht auf, hinzu kommen bereits gesprochene, bedingte Strafen aus den bereits erwähnten Delikten in der Höhe von fast 20'000, die nun einkassiert werden. Mit den Gerichtskosten addieren sich die Ausstände des 26-Jährige auf rund 45'000 Franken.

Staatsanwaltschaft wie auch Verteidigung gaben nach dem Prozess zu verstehen, dass sie das Urteil akzeptieren werden.

Weltmeister sitzt im Saal

Bobadilla sagte zum Schluss in gebrochenem Deutsch, es tue ihm Leid, er habe einen Fehler begangen - jetzt wolle er aber einfach nur noch Fussball spielen. Bei diesen Worten erhellte sich das Gesicht eines Herren im Anzug, der in der hintersten Reihe des Saals 108 Platz genommen hatte. Es war Stefan Reuter, ehemaliger Profifussballer, Weltmeister mit der deutschen Auswahl 1990 und heutiger Manager des FC Augsburg. Er hatte Bobadilla in die Schweiz begleitet.

Kurz nach dem Prozessende nutzte der Journalist aus Augsburg die Gelegenheit, mit ihm noch rasch ein Selfie zu knipsen. Da war Bobadilla schon längst wieder auf der Flucht vor den Kameras.

Bobadilla der Raser muss mit Konsequenzen rechnen.

Aus dem Archiv: Bobadilla der Raser muss mit Konsequenzen rechnen.