Drei Monate ist es her, dass am 23. September FCZ-Fans in ihrem Extrazug in Pratteln die Notbremse zogen. Beim Bahnhof kam es zu Schlägereien – und einer Viertelmillion Franken Sachschaden. Es war bereits das dritte Mal, dass es in Pratteln rund um ein Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich zu Radau kam.

Vorgestern im Prattler Einwohnerrat entlud sich die Wut, die sich offensichtlich angestaut hatte. Und die Wut richtet sich klar gegen die Fussballvereine, allen voran den FC Basel – es fiel sogar der Ausdruck «Scheiss-FCB». Der Verein (und sein Umfeld) solle sich nicht mehr länger aus der Verantwortung ziehen und die Wahrung der Sicherheit auf die Polizei abschieben, lautet der Tenor im politischen Pratteln. «Sobald Sachschaden entstanden ist und Menschen gefährdet sind, ist eine Grenze überschritten», sagte Marc Bürgi (BDP). «Dann braucht es mehr als reguläre Polizeieinsätze. Dann haben die Vereine gegenüber der Öffentlichkeit die finanzielle Verantwortung zu tragen.»

Den Fanclubs nahmen zahlreiche Einwohnerräte nicht ab, dass sie gegen die wenigen Krawallmacher nichts tun könnten. «Die wissen genau, wer die Chaoten sind», sagte Urs Schneider (SVP). Für Stephan Bregy (FDP) ist das für die Vereine nur eine Frage des Willens.

«Die Fussballclubs sind in der Pflicht. Sie können die randalierenden Fans nämlich identifizieren, wenn sie wollen.» Auch Patrick Weisskopf (Unabhängige/Grüne) erhöhte den Druck auf die Clubleitung, als er meinte: «Der Fisch stinkt vom Kopf her. Der Fussballverband soll durchgreifen, und die Fanclubs sollen ihren Mitgliedern klar machen, was geht und was nicht.»

Der Prattler Gemeinderat hatte sich bereits kurz nach dem 23. September zu den Ausschreitungen geäussert. Damals hatte er nur vom Kanton «ein gezielteres Vorgehen gegen mutwillige Vandalenakte» gefordert. Jetzt schreibt er in seiner Antwort auf ein Postulat der FDP zusätzlich: «Es muss ein Umdenken und ein klares Bekenntnis gegen randalierende Personen von den Verantwortlichen des FC Basel, aber auch vom schweizerischen Fussballverband, vorhanden sein.» Man werde beim FC Basel mit konkreten Forderungen vorstellig werden. Wie diese aussehen könnten, skizzierte Gemeinderat Urs Hess (SVP) vor dem Einwohnerrat: «Chaoten soll man dort festnehmen, wo man sie einfach packen kann, nämlich im Stadion. Ansonsten können sie ausserhalb ungestört auf die Leute losgehen.»

Randale könnten sich wiederholen

Die finanzielle Hauptlast der Randale müssen die Gewerbetreibenden rund um den Bahnhof tragen. KMU-Pratteln-Präsident Roman Schneider weiss zum Beispiel von einem Coiffeurgeschäft, das wegen eines beschädigten Schaufensters mehrere Tage geschlossen bleiben musste. Oft sei unklar, ob die Versicherungen den Schaden übernehmen würden. Im September wurden zudem am Helvetia-Tower Scheiben eingeschlagen, der Schaden ist im tiefen fünfstelligen Bereich. Schneider sagt, die Polizei, der Kanton und die Fussballvereine sollten sich zusammensetzen: «Sie haben ein gemeinsames Interesse, die Randalierer in den Griff zu kriegen». Das Frustrierendste sei, dass sich die Krawalle bei jedem heiklen Spiel zu wiederholen drohen. «Ich wüsste derzeit nicht, warum das nicht der Fall sein sollte.»

Der FC Basel äussert sich zu den Forderungen aus Pratteln zurückhaltend. «Wenn die Gemeinde mit Vorschlägen auf uns zukommt, werden wir sie ernst nehmen», sagt der stellvertretende Pressesprecher Simon Walter. Darauf angesprochen, dass man in Pratteln derzeit nicht gut auf den FCB anzusprechen sei, meint er: «Falls dem so ist, werden wir es zusammen mit der Gemeinde anschauen.»