Die Fasnacht hat im Birsig- und Leimental einen hohen Stellenwert. Von der Grösse her sticht dabei das „Schnäggedorf“, wie Oberwil im Volksmund genannt wird, hervor.

Im Gegensatz zur Nachbargemeinde Therwil, wo sämtliche Formationen aus eigenen Reihen stammen, sind in Oberwil auch Gastcliquen und Guggemuusigs aus der Stadt Basel mit von der Partie. Insgesamt 50 Formationen nahmen den „Cortège“ vom Schwanenplatz (den einstigen Dorfplatz) zum Kreisel unter die Füsse respektive Räder.

Zumindest die Sujets der Ortscliquen widerspiegelten den Oberwiler Alltag. Und hier waren vor allem die Sparmassnahmen der Gemeinde – und ausgeprägter die Rückweisung der Gemeindeversammlung im Dezember bezüglich des Leistungsbudgets – ein beliebtes Sujet. Aber auch die gescheiterte „Kantonsfusion“ fand bei einigen Wagencliquen grossen Anklang. Und der Sommer, der keiner war, wurde ebenfalls thematisiert. Oberwil ist jener Umzug im Leimental, der mit Sicherheit am meisten Leute am Strassenrang lockt. Und heute Nachmittag findet die Kinder- und Schülerfasnacht statt, die ebenfalls, trotz Sportferien, auf grosse Resonanz stösst.

„Tout Därwil“ auf den Beinen

Therwil wird bekanntlich das 99er-Dorf genannt. Und steht in einem permanenten „Hänselstreit“ mit Ettingen, welche sich „Gugger“, von den Therwilern aber Schattenkindern (der Blauen verhindert anscheinend manche Sonneneinwirkung aufs Dorf…) genannt werden. Und „Därwil“ ist stolz, eine richtige Bauernfasnacht mit ausschliesslichem Lokalkolorit zu haben. 

Bereits um 14 Uhr begann der Strassenumzug, der vom Kreisel bis zum „Bahnhöfli“ führte. Und Aktive und Passive kennen sich. Es ist eine Dorffasnacht – und die Sujets sind vielseitig. Ob die vielbeachtete Reise des Kirchenchores St. Stephan vor zwei Wochen nach New York, wo die Leimentaler in der legendären Carnegie Hall einen grandiosen Auftritt hatten oder die 20-Jahr-Feier der Sportanlage Känelboden – an der Fasnacht wird das Therwiler Jahr mit Tiefgang und Witz Revue passiert. Aber auch die Tatsache, dass Therwil im Spätherbst – zumindest einwohnermässig – zu einer Stadt mutierte, war einigen Cliquen einige Verse wert. Und der erste Bike-Park im Leimental wurde von den 99er Cüplischlürfer herrlich thematisiert.

Und heute Montag wird es auf dem neugestalteten Dorfplatz ab 19 Uhr so richtig „fäge und schränze“. Dann nämlich findet das Guggenkonzert statt. Nebst den Lokalmatadoren 99er Durlips, 99er Samba Schnoogge werden auch die Ohrengrübler aus Nunningen und die Rhy Pirate aus Basel aufspielen. Und, man höre und staune, auch die Gugger Gugge aus „Ettigä“ ist Gast im 99er-Dorf. Oder anders gesagt: Was sich dauernd neckt, empfindet wohl auch eine Art „versteckte Liebe“…

Keine Plakette in Ettingen

In Ettingen, wo 22 Formationen am sonntäglichen Strassenumzug mitmachten, ist man stolz, dass man – neben Allschwil – die einzige Ortschaft ist, wo man noch Spreuer hat. Ein weiteres Merkmal ist, dass man im Guggerdorf nicht mit einer Plakette, sondern mit einem Abzeichen an die Fasnacht geht. Ein Blickfang sind auch die wunderbaren Laternen, während Pfeiffercliquen tabu sind. Umso willkommener sind Trommler.

Kurzum: Die Fasnacht im Leimental hat ihren eigenen Charakter. Und trotz der Stadtnähe sind die Umzüge anders als in jenen Gemeinden, die zum Speckgürtel von Basel gehören.