Zu den Gründen der Massenkündigung im Kindergarten «Haus für Kinder» dürften sie «aus rechtlichen Gründen» nichts sagen, schrieben die sechs Frauen in einem Brief an die Eltern. Bei diesen führte die Massenkündigung zu «Gerüchten und Vermutungen», wie eine Mutter zur bz sagt. «Man weiss nicht, was richtig und was falsch ist.» Denn auch Schulleitung und Schulrat sorgten in ihren Briefen nicht für Klarheit. Sie teilten den Eltern nur mit, man sei «überrascht». An einem Elternabend Mitte Dezember gab es nicht mehr Informationen. Auch gegenüber der bz wollte eine der Kindergärtnerinnen nichts sagen.

Dabei hat die Massenkündigung eine lange Vorgeschichte. Das sagt Michael Weiss, Geschäftsführer des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB). «Die Frauen haben ein eigenes pädagogisches Konzept umgesetzt», sagt er. Die Schulleitung habe es nach aussen als gute Sache begrüsst, gegen innen aber «immer eine ambivalente Haltung bewahrt».

Geplant war zum Beispiel, das Konzept des «Haus für Kinder» von der pädagogischen Fachhochschule evaluieren zu lassen. Das, so Weiss, habe die Schulleitung grundlos abgesagt und stattdessen eine Elternbefragung lanciert – ohne Absprache mit den Lehrpersonen, die auch nichts von den Ergebnissen erfahren hätten. «Danach spürten die Kindergärtnerinnen, dass nur noch gegenseitiges Misstrauen da war.»

Zur Klärung hätten sie vor den Sommerferien eine Mediation durch Externe vorgeschlagen, sagt Weiss. Das habe die Schulleitung abgelehnt, «in einer dreizeiligen Antwort, ohne Begründung». Auch ein zur Klärung einberufenes Gespräch habe nichts gebracht. «Es wurde nur von oben diktiert, was sein muss.»

Beschwerde gegen Schulrat hängig

Laut einer der Kindergärtnerinnen ging das umstrittene Konzept vom Lernwillen und der Entwicklungsbereitschaft jedes Kindes aus. Die Kinder sollten selber zeigen, wie man sie in ihrer Weiterentwicklung begleiten könne. Um mit der Vielfalt der Kinder umzugehen, sollten in Grossklassen alle von allen lernen.

Eine Mutter sagt im Nachhinein zur bz, die Eltern hätten ihre Kinder immer gerne ins «Haus für Kinder» geschickt. Das Team sei immer sehr offen für Fragen gewesen. «Nicht bereit für Neues» sei hingegen die Schulleitung. Diese verlangte laut Weiss von den Lehrpersonen einen «ortsüblichen Unterricht».

Vor ihrer Kündigung hätten sich die Kindergärtnerinnen an den Birsfelder Schulrat gewandt, seien aber auf taube Ohren gestossen, sagt Weiss. Das ist für Kerstin Wenk unverständlich. Sie ist Sekretärin des Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Region Basel. «Der Schulrat hat gar nicht erst versucht zu verstehen, worum es bei diesem Konflikt ging», sagt sie.

Mitte Januar wird ein neues Team das «Haus für Kinder» nahtlos übernehmen. Doch damit ist die Angelegenheit nicht abgeschlossen. Denn die abtrünnigen Kindergärtnerinnen haben bei der Baselbieter Regierung eine Beschwerde gegen die Aufsichtspflicht des Schulrats eingereicht, mit Unterstützung von VPOD und LVB.

Wegen dem noch laufenden Verfahren will sich Schulratspräsidentin Barbara Ortega nur zurückhaltend zu diesem «Konflikt zwischen Vorgesetzten und Angestellten auf der Führungsebene» äussern. Sie mache den Kindergärtnerinnen «keine pädagogischen Vorwürfe», betont sie, und es habe im «Haus für Kinder» keine Missstände gegeben. Die Konflikte hätten sich über lange Zeit angestaut, «und manchmal ist es besser, wenn man sich trennt.»