Kaum war das Baby geboren, musste es abspecken. Das Baby war das vor zwei Jahren vorgestellte Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs für eine neue Liestaler Post. Die Abspeck-Order kam in leicht verklausulierter Form von Jury-Präsident Luca Selva, der an der damaligen Präsentation der Wettbewerbsresultate sagte: «Das Gebäude muss eventuell etwas schrumpfen.» Nun, Architekt Christoph Gantenbein von Christ & Gantenbein und Vater des Babys befolgte die präsidiale Empfehlung und präsentierte am Donnerstag zusammen mit Liestaler Behörden- sowie Post-Vertretern eine abgespeckte Variante.

Das Resultat: Aus dem ursprünglich fünfeckigen, klobigen Monolith wird ein sechseckiges, eleganteres Gebäude mit aufgelockerter Fassade. Dabei wird das Volumen um ein Drittel auf 12'000 Quadratmeter reduziert und der geplante Innenhof gestrichen. Auch rutscht das neue Gebäude Richtung Bahngleise. Dies wurde nötig, weil das Gebäude in dem «McDonald’s» eingemietet ist, entgegen der Hoffnungen aller Planungsbeteiligten nicht zum Verkauf steht und nicht abgerissen werden kann.

Orisbach als zentrales Element

Aber auch das redimensionierte Postgebäude bleibt mächtig und vom Volumen her zum Beispiel grösser als der Uno-Bau auf der andern Seite des Bahnhofplatzes. Die Höhe aus Sicht Bahnhofplatz mit knapp 25 Metern respektive sieben Stockwerken entspricht dem Vorgängerprojekt. Zum Vergleich: Das benachbarte Palazzo-Gebäude ist 20 Meter hoch. Gantenbein sagte dazu: «Das ‹Palazzo› setzte im 19. Jahrhundert auch einen neuen Massstab.»

Genutzt werden soll die neue Post im Erdgeschoss mit der eigentlichen Postfiliale, einem Café mit Terrasse zur Altstadt-Seite hin und Läden, in den oberen Geschossen mit Büros und Wohnungen . Wobei die Büros auf die Bahnseite, die Wohnungen Richtung Allee und Altstadt ausgerichtet sind. Dieser Blick in die Allee fesselte die Behörden so sehr, dass sie den ursprünglichen Quartierplan Post in Quartierplan Am Orisbach umtauften; der Perimeter mit Post und Allee bleibt der gleiche.

Der Orisbach spielt in der neuen, heute noch mit Parkplätzen entwerteten Allee denn auch eine zentrale Rolle. Er soll dort, wo ihn Ausläufer des heutigen Postgebäudes überdecken, offen gelegt und auf einem längeren Abschnitt renaturiert, vertieft und markant verbreitert werden.

Die Allee soll als Ganzes zu einer baumbestandenen Parkanlage mit hoher Aufenthaltsqualität und möglichst ohne Parkplätze werden. Stadtrat Franz Kaufmann sagte: «Mit dem in den 1970er- Jahren hemmungslos gebauten Postgebäude wurde die Allee durchschnitten. Wir wollen jetzt eine Reparatur vornehmen und den Grünraum neu denken und organisieren, wie wir das mit der Rathausstrasse gemacht haben.»

Stadtbaumeister Thomas Noack stellte den Quartierplan Am Orisbach in eine Reihe von Erneuerungen von der Kantonsbibliothek bis zum Bücheli-Center, die Liestal stark aufgewertet haben. Nach dem plötzlichen Tod des Elefantenbrügglis im Ortsparlament soll nun ein neues Wegnetz das gewachsene, urbane Bahnhofquartier mit dem mittelalterlichen Stedtli verbinden.

Dazu gehören eine breite Treppe, die entlang der neuen Post in die Allee hinunterführen soll, sowie eine Aufwertung der Böschung mit der heutigen Fussgängerverbindung vom Bahnhofplatz in die Allee und weiter ins Stedtli. Als Ersatz für die wegfallenden Parkplätze in der Allee soll das derzeit im Bau befindliche Parkhaus im «Rebgarten» dienen. Sollte das nicht reichen, sei die Beibehaltung von 25 Parkplätzen in der Allee denkbar, sagte Kaufmann. Die Behörden hoffen, dass der Quartierplan Am Orisbach bis Anfang 2020 genehmigt wird.

Nächste Woche wird die Bevölkerung an zwei öffentlichen Anlässen informiert.
Zufrieden mit dem abgespeckten Baby neue Post ist Jurypräsident Luca Selva. Er hielt kürzlich fest: «Das Projekt schreibt sich dank der neuen Höhengliederung und des reduzierten Fussabdruckes bei gleicher Gebäudehöhe deutlich entspannter in den städtischen Kontext ein.»