Die Anklageschrift könnte dem Drehbuch einer Gerichtsshow im Fernsehen entsprungen sein. Einem heute 38-Jährigen wird zur Last gelegt, in Zwingen eine Nachbarsfamilie drangsaliert zu haben. Der Grenzwächter soll für zahlreiche primitive Aktionen verantwortlich sein, die sich zwischen Mai 2012 und Juli 2013 ereignet haben sollen.

Das Klägerehepaar wirft dem Beschuldigten Sachentziehung, Sachbeschädigung, Drohung, Nötigung, Urkundenfälschung und versuchte Tierquälerei vor. Der im selben Stockwerk wohnhafte Mann habe ihre Fliegengitter zerstört, den Ölmessstab ihres Rasenmähers entwendet, an ihre Kellertüre gespuckt, rohe Eier an ihr Auto geworfen und das Vorderrad ihres Kinderwagens abmontiert.

Zudem wird er bezichtigt, im Namen der Klägerin ein Paar Pumps, einen Mantel und andere Kleidungsstücke bestellt zu haben. Bei seiner Einkaufstour im Internet soll gar ein Vibrator geordert worden sein. Er habe überdies in einem anonymen Schreiben ihre Tochter bedroht und damit die Familie «in Angst und Schrecken» versetzt, wie es im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft heisst.

Gedroht, auf Matte zu pinkeln

Bei der Verhandlung vor dem Baselbieter Strafgericht zeigte sich am Freitag zuerst einmal, dass die Mühlen der Justiz äusserst langsam mahlen. Beinahe die Hälfte der Anklagepunkte sei bereits verjährt, stellte Gerichtspräsidentin Jacqueline Kiss gleich zu Beginn fest. Der beschuldigte Mann hatte Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben, was zu einer Verlängerung des Verfahrens führte. Er war gemeinsam mit seiner Verteidigerin zum Prozess erschienen, während die Klägerschaft samt Anwältin dem Strafjustizzentrum in Muttenz fernblieb.

Das Gericht könne strenger oder milder urteilen, als dies der Strafbefehl vorsieht, sagte Kiss dem Angeklagten. Darin fordert die Staatsanwaltschaft für den Grenzwächter eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie eine Busse von 2000 Franken.

Während der Einvernahme durch die Gerichtspräsidentin gab der Beschuldigte an, keine der ihm vorgeworfenen Straftaten begangen zu haben. Auch könne er sich nicht wirklich erklären, weshalb die Eheleute auf einmal solche Vorwürfe gegen ihn erheben. Er habe zuvor mit seiner Frau und den beiden Kindern schon einmal in einer anderen Überbauung mit den Klägern zusammengelebt. «Damals hat es keine Probleme gegeben», erinnerte er sich.

Das habe sich schlagartig geändert, als die beiden Parteien in eine neue Überbauung zogen. «Seit Baubeginn haben sie sich mit allen angelegt, und ich war immer Schuld an ihrer Misere», wirft er dem Ehepaar seinerseits vor.

Mitverantwortlich für die Spannungen ist der junge Hund der Kläger. «Nachdem ihr Hund auf unsere Fussmatte gepinkelt hatte, ging ich zu den Nachbarn und bat sie, die Matte zu reinigen», sagte der Angeklagte. Dabei sei er laut geworden und habe angedeutet, im Gegenzug auf ihre Fussmatte zu urinieren. «Das ist doch eine idiotische Drohung», redete ihm die Gerichtspräsidentin Kiss ins Gewissen.

Eine Nötigung, wie dieses Verhalten des 38-Jährigen vom Ehepaar ausgelegt wurde, könne sie aber nicht erkennen, sagte sie bei der Urteilsverkündung. In allen anderen Anklagepunkten wurde der Mann ebenfalls freigesprochen. In keinem einzigen Fall existieren Beweise, die eine Täterschaft nachweisen könnten. Die Verfahrenskosten gehen deshalb zulasten der Staatskasse.

Das Verhältnis zur Nachbarsfamilie sei noch immer belastend, gab der Freigesprochene zu Protokoll. «Wir schauen immer durch den Türspion, um sicher zu gehen, dass sie nicht im Treppenhaus sind.» Das wird sich aber ändern: Die Kläger ziehen Ende Jahr aus.