«Zurzeit schlingert das Boot ‹Bildung› scheinbar ohne Kapitän durch eine stürmische See», stellte BDB-Landrätin Marie-Therese Müller an der Medienkonferenz des überparteilichen Komitees «Bildungs-Chaos? Zweimal Nein» fest. Die Führung hätten jene übernommen, die mit unrealistischen Forderungen das Boot zum Kentern bringen. «Leidtragende sind unsere Kinder.» Worum geht es? Am 5. Juni kommen zwei durch parlamentarische Initiativen ausgelöste Änderungen des Bildungsgesetzes zur Abstimmung: «Einführung Lehrplan 21» und «Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer». Ein Ja werde zu einem Chaos im Bildungswesen führen, erklärten gestern die Mitglieder des Nein-Komitees, das sich aus SP, Grüne, CVP, Juso, Junges grünes Bündnis, Junge CVP und der Handelskammer beider Basel zusammensetzt.

Ein Ja käme teuer


Mit der ersten Vorlage stimme man nicht über den Lehrplan 21 ab, sondern darüber, dass der Landrat darüber befinden solle, erläuterte Regula Meschberger (SP). «In keinem Kanton entscheidet das Parlament über Lehrpläne und Stundentafeln», ergänzte die grüne Bildungsrätin Bea Büschlen. «Die Bildungslaufbahn der Schüler dauert elf Jahre, da darf nicht alle vier Jahre alles wieder von neugewählten Parlamentariern infrage gestellt werden.»
Sollte der Landrat den Lehrplan 21 ablehnen, müsste man die früheren Lehrpläne wieder in Kraft setzen, was aber Fragen aufwirft: «Was bedeutet dies für die Primarstufe, die von fünf auf sechs Jahre verlängert wurde und seit 2015 mit dem Lehrplan Volksschulen arbeitet?» Auch der Lehrpläne Kindergarten, Sekundarschule und Sprachen müssten neu erarbeitet werden. «Der finanzielle und personelle Mehraufwand ist nicht bezifferbar.»

Handelskammer engagiert sich


Hinzu kommt, dass die gemeinsam mit Basel-Stadt erarbeiteten Stundentafeln nicht mehr gelten würden. Dies ruft die Wirtschaft auf den Plan: Die Handelskammer beider Basel (HKBB) trägt das Nein-Komitee mit. HKBB-Direktor Franz Saladin nehme persönlich Einsitz, erklärte Meschberger. Und an der Medienkonferenz erklärte Deborah Strub, bei der HKBB für Forschung und Bildung zuständig: «Die beiden Vorlagen gefährden akut die Ergebnisse sehr grosser Anstrengungen der beiden Basler Kantone, in diesem kleinen Bildungsraum die Bildungssystem zu harmonisieren.» Die Harmonisierung sei nicht nur ein Vorteil für die Eltern und Kinder, wenn sie den Kanton wechseln, sondern auch für die Betriebe bei der Rekrutierung der Lehrlinge, wenn die beiden System transparent und vergleichbar sind.
Zudem sei die Harmonisierung 2006 vom Baselbieter Volk mit 91 Prozent der Stimmen angenommen worden, betont das Komitee. Gegen eine Baselbieter Alleingang wenden sich auch die Jungparteien: «Darunter leidet die Bildung der nächsten Generation», erklärt Julia Baumgartner (Juso).

Flexibel bleiben


«Das Bildungsgesetz ist der falsche Ort, um zu regeln, welche Fächer im Fachverbund unterrichtet werden», erklärte Christine Gorrencourt (CVP). Selbst das bereits heute mit Erfolg unterrichtete Fach Biochemie müsste dann wieder in Biologie und Chemie aufgetrennt werden. «In unserer Region, in der naturwissenschaftliche Kompetenzen von grosser Relevanz sind, ist das durch die Sammelfächer geförderte vernetzte Denken essenziell», betonte sie. Zudem erforder der Alleingang auch hier hohe Ausgaben, um eigene Lehrmittel zu erarbeiten.