Von seinem Wohnort Muttenz bricht Fritz nun auf, zwei Jahre lang Polizeiposten, Gemeinden und Velohändler in der ganzen Schweiz abzuklappern, mit dem Ziel, möglichst viele Schilder vor der Vernichtung zu retten. Mittlerweile besitzt er die grösste Sammlung der Welt. «Ich fand es schade, dass diese typisch schweizerischen Schildchen verschwinden sollen», betont Fritz, der eigentlich kein typischer Sammler ist - Kaffeerahmdeckelchen oder Briefmarken waren nie sein Ding.

Über 10 000 Schildchen nennt Fritz sein Eigen. Seine Sammlung übertrifft damit bei Weitem das Archiv des Verkehrshauses in Luzern. Nicht nur das: Er hat dem Verkehrshaus sogar 300 Doubletten gespendet, und vervollständigte so dessen Sammlung.

6000 Doubletten zu verkaufen

Für den 53-jährigen Familienvater sind die Velonummern ein Symbol des schweizerischen Kantönligeistes. Vor allem die erste Generation von Velonummern von 1892 bis 1956 waren Objekte kantonaler Kreativität. Während die welschen Kantone die Schildchen stanzten, emaillierten die Deutschschweizer ihre Nummern. Daraus resultieren Velonummern in unterschiedlichsten Grössen, Farben und Gewicht. Ab 1956 wurden die Velonummern vereinheitlich: rechteckig, Initialen des Kantons und der Jahrgang in unterschiedlichen Farben auf rotem Grund.

Nur der Kanton Tessin bewahrte eine gewisse Eigenständigkeit und versuchte, weiterhin auf dem kleinen roten Schildchen die Kantonszugehörigkeit und den Jahrgang möglichst kreativ zu prägen: Statt zwei strammen Buchstaben wurden das T und das I schon mal schräg, wie ein Dreieck angeordnet. «Ich mag die Tessiner Nummern, aber auch die alten Schwyzer Nummern, rot emailliert mit kleinem weissen Kreuz, finde ich toll», gesteht Fritz.

Seit einem Monat stellt er seine Sammlung Online aus: «Meine Seite ist eine Art Staatsarchiv und Online-Shop in einem», wie er sagt. Rund 6000 Doubletten bietet er zum Verkauf an. Geliefert werden die Schilder in einer dreiteiligen Präsentations-Box im Format einer DVD-Hülle.

Beliebt sind vor allem die Nummern der 70er- und 80er-Jahre. «So eine Velonummer mit Geburtsort und Jahrgang ist ein gutes Geburtstagsgeschenk», ist Fritz überzeugt. Erstaunlicherweise verkaufen sich die älteren Schilder, mit den Jahrgängen just jener Generation, welche die Velonummernschilder noch selber kannte, nicht so gut.

Mit dem bisherigen Verkauf ist er mehr als zufrieden. Wie viel er und sein Geschäftspartner bis jetzt abgesetzt haben, will er nicht verraten. Aber: «Am bisher besten Tag hatten wir zwölf Bestellungen», sagt er. Fritz hofft nun, dass es auch in den nächsten Monaten so weitergeht.

Vom Ertrag könnte man bisweilen sogar leben: Die günstigsten Nummern kosten 100 Franken. Dazu Fritz: «Das sind primär jüngere Schilder aus den 80er-Jahren und aus den Kantonen Zürich, St. Gallen oder Baselland. Von diesen haben wir am Meisten.» Je seltener und älter die Velonummern sind, umso höher ist der Preis. Vor allem Nummern aus dem Tessin, Wallis oder Appenzell seien selten und kosten schon mal über 200 Franken.

Montagespuren und Kratzer

Die ältesten zu erwerbenden Schilder sind aus dem Kanton Waadt (1912) und ein ziemlich ramponiertes aus dem Kanton St. Gallen ( 1906). «Wir restaurieren die Velonummern nicht. Wer ein Schild kauft, erwirbt eine echte, gebrauchte Nummer, die Montagespuren sowie Kratzer haben kann», erklärt Fritz. Dekorativ seien die Schildchen allemal, auch wenn er seine Originale meistens in Kisten im Keller aufbewahrt: «Meine Frau hat mir verboten, damit das Wohnzimmer zu tapezieren», scherzt Fritz.

Trotz seiner Leidenschaft bleibt er seinem bisherigen Job treu: Seit 15 Jahren betreibt er sein eigenes Unternehmen für Wirtschaftsmediation und Kaderschulungen.