Als Jörg Josef Zimmermann im Oktober 2014 in der TV-Sendung «Aeschbacher» auftrat, sagte er, einige seiner Freunde würden ihn als «Edelmessie» bezeichnen. Man hatte das Gefühl, dass Kurt Aeschbacher, der die Sammlung Zimmermanns nicht einmal besucht hatte, sich über deren Bedeutung nicht im Klaren war. Alles sah nach einem eher exotischen Steckenpferd aus, das der öffentlichen Relevanz entbehrt.

Unüberblickbarer Fundus

Wer das Museum besucht hat, das sich in einer unterirdischen Halle im Industriequartier in Arlesheim befindet, wird eines Besseren belehrt. Der 69-jährige Zimmermann empfängt Besucher mit dem Enthusiasmus eines Visionärs. Der gelernte Grafiker, Dekorateur und Messegestalter, der seit 1985 Gegenstände aus Bakelit sammelt, führt seine Museumsgäste am Wochenende von Vitrine zu Vitrine. Praktisch zu jedem der über 7500 Gegenstände aus dem legendären Duroplast weiss er eine Geschichte zu erzählen.

Da gibt es – streng nach Kategorien eingeteilt – Küchengeräte, Rasierapparate, Radios, Fernseher, Föhne, Staubsauger, Fotoapparate, Geschirr, Werbeartikel, Spielzeug, Dekorationsgegenstände und vieles mehr. «Bakelit ist das Material der 1000 Möglichkeiten», erklärt Jörg Zimmermann und greift nach einem tragbaren englischen G.E.C. Batterien-Radio um 1940, dessen Design verblüffend modern wirkt. «Schönheit ist mein Motto», sagt Zimmermann, der sich als Ästhet vor allem für die Design-Strömungen des 20. Jahrhunderts interessiert. Er zeigt Objekte in den Stilrichtungen Art déco, Bauhaus, Streamlining und der 1960er-Jahre. Raymond Loewy, der Industriedesigner des Streamlining, ist in Zimmermanns Sammlung ebenso vertreten wie Edouard Fornell mit Art déco-Dosen.

Bedeutung noch nicht erkannt

Jörg Josef Zimmermann war als «Jäger und Sammler» mit seiner Frau rund um die Welt tätig. «Wir kennen fast jeden Flohmarkt in Europa», sagt er schmunzelnd, «und die besten Funde machten wir immer dann, wenn wir mit der Bahn unterwegs waren und alles schleppen mussten.» Aber auch Flohmärkte in Amerika und Australien haben die beiden abgeklappert. Dass der Bakelit-Jäger fast täglich auf Ebay ist, versteht sich von selbst.

Zimmermann, so scheint es, ist durch den täglichen Kontakt zu seinen Schätzen fast zu nahe an den Objekten, als dass er ihre kulturhistorische Bedeutung ganz ermessen könnte. Deshalb ist es wichtig, dass sich kompetente Aussenstehende zu Zimmermanns Museum äussern.

Hans Büttiker, ehemaliger CEO der Elektra Birseck Münchenstein und Solothurner Kantonsrat, zeigte sich nach einem Besuch beeindruckt. «Die Sammlung müsste eigentlich unter den Schutz einer Stiftung gestellt werden», schreibt Büttiker in einem Statement, «jetzt fristet das Museum noch ein Kellerdasein, doch es gehört definitiv ans Tageslicht und ins öffentliche Bewusstsein.»

Für Hans Büttiker ist Bakelit als Isolationsstoff natürlich ein Begriff, und er weiss als Präsident der Gesellschaft des Museums für Musikautomaten Seewen auch, was die Inventarisierung einer solchen Sammlung bedeutet. «Zimmermann müsste den Grossteil der Arbeit leisten. Das bedeutet, dass sein Bakelit-Museum so bald als möglich auf eine professionelle Basis gestellt und in eine Stiftung überführt werden sollte.»

Stifter und Sponsoren gesucht

Dieser Meinung ist auch die Kunsthistorikerin und freischaffende Kuratorin Barbara van der Meulen. Sie sagt: «Die Bakelit-Sammlung von Zimmermann ist weit mehr als ein privates Kuriositätenkabinett. Sie verdient eine grössere Öffentlichkeit. Dank der Grösse des Bestands und ihres internationalen Charakters gilt es sie im Sinne eines gesellschaftlichen Auftrags zu bewahren, zu schützen, zu erforschen und zu katalogisieren.» Die Gastdozentin am Institut Ästhetische Praxis und Theorie hofft, dass sich ihr Institut an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW für die Erforschung dieser phänomenalen Sammlung einsetzt.

Heide Rezepa-Zabel, Expertin für designhistorische Objekte, schreibt in einem Aufsatz: «Zweifelsfrei sind die ‹künstlichen Schönheiten› aus Bakelit (...) heute materialgeschichtlich unwiederbringliche Dokumente und stellen eine die Moderne weit übergreifende Anthropologie des Geschmacks und der Sozialgeschichte der Produktkultur zur Verfügung.» Wenn sich Sponsoren aus den Bereichen Stromversorgung, Chemie und Design zusammenfänden, wäre der Erhalt dieser einmaligen Sammlung wohl gesichert. Die Region sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen.