«Ganz sicher werde ich Berufung einlegen!», kündete die 41-jährige Frau aus Bottmingen am Donnerstagabend im Gerichtssaal in Muttenz laut und selbstbewusst an. Zuvor hatte Gerichtspräsident Andreas Schröder rund eine Stunde lang das Urteil begründet: Das Dreiergericht hatte die Frau wegen Veruntreuung, qualifizierter ungetreuer
Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschungen und betrügerischen Konkurses zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verdonnert.

Schwindelfirma für Immobilien

Die Frau hatte faktisch eine Schwindelgesellschaft für Immobilienprojekte in Reinach und Dornach gegründet, die Einzahlungsbestätigung für ihren Teil des Investments gefälscht und danach auch noch Gelder von Dritten veruntreut. Einzelne Delikte hatte sie eingeräumt, die gesamte Anklage aber immer wieder pauschal als «Schwachsinn» bezeichnet. Staatsanwalt János Fábián ging von einer Deliktsumme von über 900 000 Franken aus und hatte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 2½ Jahren verlangt.

Damit hätte die gesundheitlich stark angeschlagene Frau sechs Monate absitzen müssen. Das Dreiergericht drückte das Strafmass deshalb auf 24 Monate bedingt. In einzelnen Punkten gab es keine Schuldsprüche, das Gericht ging von einer Deliktsumme von insgesamt 640 000 Franken aus.

«Wir haben lange diskutiert, ob es gerechtfertigt ist, hier eine Strafe von lediglich zwei Jahren auszusprechen», kommentierte Gerichtspräsident Andreas Schröder. Mildernd wirkte sich nebst der Gesundheit auch aus, dass die Vorwürfe teilweise fast zehn Jahre alt und zwei Drittel der Verjährungsdauer bereits überschritten sind. Die Frau ist in den letzten Jahren auch nicht mehr deliktisch tätig geworden.

Zu ihren Gunsten rechnete das Gericht auch die Tatsache an, dass sie kurz vor der Hauptverhandlung zwei Geschädigten das Geld zurückbezahlte, immerhin rund 145 000 Franken. Woher sie den Betrag genommen hat, blieb unklar, sie ist eigentlich hoch verschuldet. Wegen diverser Differenzen wechselte sie mehrmals ihren Pflichtverteidiger, auch liess sie sich am Prozess zusätzlich von einem Wahlverteidiger vertreten. Im Verlauf des Verfahrens hat sie insgesamt 22 Beschwerden und Strafanzeigen gegen diverse Personen eingereicht, die irgendwie mit dem Fall zu tun hatten.

Ehemann erlitt Kollaps

Nebst hohen Zivilforderungen von über einer halben Million Franken muss sie nun auch die Verfahrenskosten in der Höhe von knapp 100 000 Franken übernehmen. 41 000 Franken für den amtlichen Verteidiger übernahm die Gerichtskasse. Was die Frau zusätzlich für ihren Wahlverteidiger bezahlen muss, wurde nicht bekannt.

Wegen ihrer Opiatabhängigkeit kritisierte sie in Blogs auch angebliche Aufsichtspflichtverletzungen und Behandlungsfehler von Politikern und Ärzten, die Vorwürfe wegen übler Nachrede sind inzwischen allerdings verjährt. Bestraft wurde sie dennoch, weil sie ein Telefongespräch mit einer Psychiaterin heimlich mitgeschnitten hatte.

Eigentlich hätte diese Woche auch der Ehemann der 41-Jährigen vor Gericht sitzen sollen, er war als Verwaltungsrat der Immobilienfirma ebenfalls in die Geschäfte involviert. Der 63-jährige Mann erlitt allerdings kurz vor dem Prozess einen Kreislaufkollaps, daher trennte man die Verfahren ab. Er wird sich irgendwann im Jahr 2019 vor dem Gericht verantworten müssen.