Das Urteil wird den Streit um die Legalität der diversen lokalen Motorradclubs namens Hells Angels wohl erneut befeuern: Das Baselbieter Strafgericht in Muttenz verurteilte am Donnerstag einen 30-jährigen Mann zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten, weil er bei einem Firmeninhaber im Oberbaselbiet erfolglos versucht hatte, 250 000 Franken Schulden einzutreiben.

Der Mann hatte sich einen Tag zuvor unter einem Vorwand einen Termin geben lassen und tauchte im Dezember 2015 beim Firmeninhaber mit einem unbekannten Begleiter auf, machte aber gleich klar, dass man wegen angeblicher Schulden hier sei: Es ging um das Inkasso von 250 000 Franken. Der Firmeninhaber sagte, er wisse von nichts, worauf ihn die beiden Männer auf eine «Rundfahrt» in ihrem Auto einluden, um seinem Erinnerungsvermögen nachzuhelfen.
Der angebliche Schuldner lehnte das ab, es folgten deutlichere Drohungen, und als er schliesslich einwilligte, das Geld bis zum Wochenende zu beschaffen, unterstrich der 30-Jährige seine Forderung noch einmal, indem er seine Jacke öffnete und eine im Holster steckende Schusswaffe zeigte. Die zwei Männer fuhren daraufhin wieder weg.

Angeklagter schwieg

Der Firmeninhaber ging schnurstracks zur Polizei, die ihm zuerst allerdings nicht so recht glauben wollte. Glücklicherweise hatte er sich die Kontrollschilder notiert: Tatsächlich gehörte das Auto der Mutter eines Mannes, der wegen derselben Geldeintreiber-Masche bereits in Luzern verurteilt worden war. Damals gab er zu, Anwärter auf eine Mitgliedschaft bei den Hells Angels zu sein. Nach einigen Tagen der Fahndung stellte sich der 30-jährige selber der Polizei und sass daraufhin einen Monat in Untersuchungshaft.

Am Donnerstag im Baselbieter Strafgericht wollte der Beschuldigte keine Angaben machen und schwieg zu den Vorwürfen. Er ist hoch verschuldet und wegen Strassenverkehrsdelikten sowie Prügeleien mehrfach vorbestraft. «Offenbar waren Sie damals Aspirant, sind Sie denn jetzt Mitglied bei den Hells Angels geworden?», fragte Gerichtspräsident Adrian Jent den Mann. Auch dazu gab es keine Antwort.

Keine zwei Monate nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft rasselte der Mann in eine Polizeikontrolle, weil das Auto förmlich auf den Felgen unterwegs war und Öl aus dem Motorraum tropfte. Der Beifahrer und Autobesitzer stammte ebenfalls aus dem Umfeld des berüchtigten Motorradclubs, und die Ladung bestand aus säuberlich vakuumierten 895 Gramm Marihuana.

Staatsanwältin Evelyn Kern meinte dazu, der Mann habe für die Aufnahme bei den Hells Angels wohl Drogen transportieren müssen. Sie forderte für alle Delikte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Die drei Richter beliessen es am Donnerstag bei einer Strafe von 18 Monaten. Gerichtspräsident Adrian Jent betonte in seiner Urteilsbegründung, es sei klar, dass der Mann im Auftrag von unbekannten Drittpersonen das Geld eintreiben wollte. Zu den Hells Angels äusserte sich der Gerichtspräsident nur indirekt, zumal die Bundesanwaltschaft bislang nicht nachweisen konnte, dass es sich dabei um eine kriminelle Organisation handle. «Sie bewegen sich in einem hochproblematischen Milieu, um es ganz vorsichtig zu sagen», meinte Jent.

Verteidiger wollte Freispruch

Dazu muss der 30-jährige 466 Franken für eine Hotelübernachtung des Baselbieter Firmeninhabers übernehmen, die Polizei hatte damals aus Sicherheitsgründen dazu geraten. Dazu kommt eine Genugtuung von 2000 Franken. Verteidiger Viktor Peter bemängelte vergeblich, die Aussagen des Firmeninhabers seien widersprüchlich und unglaubwürdig, daher sei sein Mandant freizusprechen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, und bereits läuft ein weiteres Verfahren gegen einen Mann, der offenbar von unbekannten Hintermännern nach der Verhaftung des 30-jährigen mit der Geldeintreibung beauftragt wurde. Auch hier weisen die Spuren in das gleiche Milieu.