Erneut ist ein Mann wegen dubiosen Methoden zur Krediteintreibung im Baselbiet verurteilt worden. Die drei Richter glaubten dem Geldeintreiber kein Wort und fällten einen Schuldspruch wegen versuchter Erpressung und versuchter Nötigung. Der 38-Jährige erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Gerichtspräsident Daniel Schmid begründete den Schuldspruch unter anderem damit, dass sich der Mann schon an der ersten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft in Widersprüche über den angeblich geschuldeten Geldbetrag verheddert hatte. Er war von einem Schuldner aus Münchenstein nach mehreren massiven Drohungen gegen dessen Familie angezeigt worden. Die Geschichte des Geldeintreibers ging schlichtweg nicht auf: Man könne kaum glauben, dass er als Geldeintreiber den genauen Betrag nicht kannte und deshalb den Schuldner angeblich freundlich danach fragte.

In McDonalds festgenommen

Wenn ein Schuldner den Betrag dann angeblich auch noch nenne, obwohl er ihn nicht bezahlen will, dann sei die Geschichte definitiv nicht mehr glaubhaft. Schmid führte auch aus, es sei nicht ersichtlich, warum der unbekannte Geldgeber das Inkasso nicht selber vornehme, wenn es um eine «freundliche Eintreibung» gegangen sei. Der 38-Jährige aus dem Kanton Solothurn war im April 2016 beim McDonalds-Restaurant in Sissach bei einem Treffen mit dem Schuldner festgenommen worden. Sein Verteidiger hatte argumentiert, dort sei es nicht um eine Drohung gegangen, immerhin sei sein Mandant ohne Unterstützung und ohne Waffe aufgekreuzt. Der Gerichtspräsident meinte dazu, tatsächlich habe lediglich seine Freundin den 38-Jährigen begleiten wollen, sei dann aber angewiesen worden, draussen zu warten. «Offenbar wollte er nicht, dass sie etwas mitkriegt», so Schmid.

Opfer trieb auch krumme Dinge

Auch einige Wochen zuvor in einem Restaurant in Basel sah das Gericht klare Anzeichen für eine unerlaubte Geldeintreibung unter Zwang. So sagte der 38-Jährige in der Untersuchung aus, er wollte zusammen mit dem Schuldner damals nach draussen gehen, um die anderen Gäste nicht zu «erschrecken». Er erklärte dazu, man habe eben über Geld reden wollen.
«Als ob ein Essen in einem Restaurant etwas Stummes wäre», kommentierte Schmid kopfschüttelnd. Der Schuldner aus Münchenstein war ein IV-Rentner, der wohl selber in krumme Geschäfte verwickelt war.

Der Geldeintreiber hatte damit gerechnet, dass sein Opfer wegen der Umstände keine Anzeige erstatten werde. Hintergrund war ein Kredit von mindestens 100 000 Franken. Beim 38-Jährigen fand man auch ein Foto eines Baselbieter Kleingewerblers, der zuvor erfolglos von einem anderen Mann mit Hells-Angels-Verbindungen wegen Schulden bedroht worden war. Schmid meinte aber, beim 38-Jährigen sei die Verbindung zum Motorradclub nicht nachgewiesen. Das Verfahren kann er noch weiterziehen, auch der Schuldner hat inzwischen ein Verfahren wegen Drogenhandels am Hals.