Warum will die Gemeinde die Möbel nicht selber bezahlen? Gemeindepräsident Reto Wolf lacht. Er antwortet: «Es ist keine Frage des Nicht-Zahlen-Wollens. Wir erhielten Anfragen aus der Bevölkerung zur Unterstützung.» Die Gemeinde habe bereits positive Erfahrungen mit Spenden gemacht. So hat sie bereits eine Wohnung mit gespendetem Inventar ausgestattet. «Die Leute sind froh, dass sie ihre Möbel los sind, und wir, dass wir diese nutzen können.» Er stellt klar: «Es geht nicht a priori darum, Geld zu sparen, sondern vorbildlich mit Ressourcen umzugehen.»

Warum wird denn bei Asylsuchenden gespart und nicht generell bei Einrichtungen – beispielsweise in Schulhäusern? Therwil mache das auch in anderen Bereichen, sagt Wolf. «Wir haben Ähnliches auch schon bei Sozialhilfebezügern gemacht. Man arbeitet aktiv mit Brockenhäusern zusammen, wenn etwas fehlt.»

Essen Flüchtlinge am Boden?

Darauf angesprochen, ob Flüchtlinge bei nichtgespendeten Esstischen und Stühlen am Boden essen müssen, antwortet Wolf schmunzelnd: «Selbstverständlich nicht. Bevor wir investieren, probieren wir das mal aus. Was nicht zusammenkommt, kaufen wir.» Doch wie wird ein gewisser Qualitätsstandard gesichert? «Man darf das nicht so eng sehen», sagt der Gemeindepräsident. «Wir sind keine Gratisentsorgungsstelle. Wenn etwas wackelt, nehmen wir es nicht. Wir schauen, ob es für die nächsten zwei Jahre gebrauchstauglich ist.»

Gemeindeverwalter Theo Kim erklärt, wozu die Möbel benötigt werden. «Die Liegenschaft «Löwen» wird im Zuge einer Quartierplanung verkauft. Bis dies erfolgt ist, können als Zwischenlösung vier leerstehende Wohnungen zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden.» Ein Bezugstermin stehe noch nicht fest. Ein Plan B im Falle eines Liegenschaftsverkaufs liege noch nicht vor.

Zweckmässig untergebracht

Gemäss Sozialhilfegesetz (SHG) weist der Kanton den Gemeinden die Asylsuchenden anteilsmässig zu. Die Gemeinden müssen die Betreuung und Unterstützung umsetzen. Gemäss Sebastian Helmy, Leiter des kantonalen Sozialamts, müssen Unterkünfte «zweckmässig» sein. Doch was heisst das genau? Neben einem Bett und einem Esstisch muss es beispielsweise auch eine Duschmöglichkeit geben. Helmy: «Wichtig ist, ihnen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen.»

Das Asylwesen der Gemeinde Therwil koordiniert seit 2008 die ORS Service AG (ORS). ORS betreut die Asylsuchenden und ist im Wesentlichen für deren vorübergehende Unterbringung, deren Lebensunterhalt und medizinische Versorgung zuständig. ORS hat der Gemeinde Therwil einen Kostenvoranschlag für die Wohnheim-Einrichtung gemacht.

Kim: «Die geschätzten Kosten für die gesamte Einrichtung belaufen sich auf etwa 35 000 bis 38 000 Franken.» Sie würden nun schauen, was bei der Sammlung zusammenkomme. Den Rest werfe die Gemeinde auf. Betten und Matratzen würden auf jeden Fall gekauft und liefen nicht über die Möbelsammlung. Da diese Anschaffungen nicht im Budget 2016 enthalten sind, müssen diese Kosten vom Gemeinderat bewilligt werden, so der Gemeindeverwalter.

Auf Nachfrage nach Sammelende erzählte Kim gestern, es seien ein Ess- und Clubtisch, diverse Stühle sowie zwei Sofas zusammengekommen. Vermutlich sei die Ausschreibung einen Tag zuvor wohl etwas kurzfristig gewesen. Nach diesen noch etwas dürftigen Sammelergebnissen führt die Gemeine einen zusätzlichen Sammeltag durch. Es bleibt abzuwarten, wie viel sie recyceln, respektive sparen kann.

Sammlung Donnerstag, 18.02. von 13 bis 16 Uhr und zusätzlich Samstag, 27.02. von 9 bis 11 Uhr, Werkhof, Werkhofstrasse 6, Therwil.