Herr Buser, was lastet derzeit am stärksten auf den Schultern des Sissacher Gemeindepräsidenten?

Peter Buser: Ganz klar das marode Dach der Kunsteisbahn. Damit schlage ich mich herum, seit ich das Amt als Gemeindepräsident im Juli 2012 angetreten habe. Das ist eine unerfreuliche Angelegenheit und wird uns noch länger beschäftigen.

Gegen aussen hat man den Eindruck, es herrsche Stillstand. Wie ist die aktuelle Situation?

Von Stillstand kann keine Rede sein. Es wird an allen Fronten gearbeitet. Erstens sind Massnahmen umzusetzen, damit wir nächste Saison Eis haben. Zweitens steht eine Gesamtsanierung an, die den Betrieb der Kunsteisbahn für die nächsten 20 bis 30 Jahre gewährleisten soll. Drittens ist das gerichtliche Verfahren immer noch am Laufen. Darauf haben wir jedoch keinen direkten Einfluss. Wie weit man bei diesem Prozedere gehen will, ist noch nicht entschieden. Der nächste Schritt ist, dass das Gericht die Beweisaufnahme abschliesst. Danach kann das Dach freigegeben werden, damit wir die Massnahmen umsetzen können.

Zwei Sissacher Stimmbürger haben im Februar zuhanden der Gemeindeversammlung einen Antrag eingereicht, dass die Sissacher Geschäftsprüfungskommission (GPK) die Fragen zur Kunsteisbahn klären soll. Was sagen Sie dazu?

Die Antragsteller rennen mit ihrem Begehren offene Türen ein. Die Geschäftsprüfungskommission hat schon zuvor kommuniziert, dass sie die Angelegenheit aufrollen und untersuchen werde, sobald diese abgeschlossen sei. Die GPK darf nur durch den Gemeinderat abgeschlossene Geschäfte unter die Lupe nehmen und nicht in laufende eingreifen. Die Antragsteller formulieren detaillierte Fragen, die das laufende Verfahren betreffen und welche die GPK teils gar nicht beantworten könnte, sondern Sache des Gerichts sind. Ich wäre froh, die GPK könnte diese Fragen beantworten. Auch das Gericht wird sehr wahrscheinlich nicht alles klären können. Es ist ein höchst komplexer Fall mit vielen Involvierten.

Gibt es im kommenden Winter 2014/15 wieder Eis?

Wir sind guten Mutes, dass das Dach bis Mitte oder Ende April freigeben werden kann. Dann können wir loslegen, um den Betrieb sicherzustellen. Wir haben nun ein Projekt, das man mit der Überdachung umsetzen kann. Wir sind noch bestens im Zeitplan, sodass es im kommenden Winter Eis gibt.

Sissach zählt momentan gut 6300 Einwohnerinnen und Einwohner. Soll der Bezirkshauptort weiter wachsen?

Sissach kann sicher noch wachsen und wird es auch, aber nicht mehr so schnell. Denn in den vergangenen 10 bis 15 Jahren verzeichneten wir ein enormes Wachstum, mehr als zehn Prozent. Wir haben noch gewisse Baulandreserven. Bis jetzt hatten wir das Glück, dass wir im Gleichschritt mit dem Wachstum die Infrastruktur zur Verfügung stellen konnten. Wir sind gut aufgestellt, auch wenn es an diversen Orten noch ein bisschen mehr ertragen würde. Ich rechne damit, dass Sissach in 20 bis 30 Jahren 7500 bis 8000 Einwohnerinnen und Einwohner zählen wird.

Das ist eine respektable Zunahme.

Ja. Bei einer Einwohnerzahl von 8000 sehe ich momentan den Plafond. Mehr sollen es nicht werden. Sissach soll Sissach bleiben.

Wie sieht die Wohnraumentwicklung aus?

Das verdichtete Bauen wird umgesetzt. Das zeigt sich an den Quartierplänen, die der Souverän in den letzten Jahren bewilligt hat. Auch werden in bestehenden Einfamilienhaus-Quartieren 80-, 90-jährige Häuser abgerissen, die für neue Gebäude mit drei Parteien Platz machen. Ein Stück weit ist das eine Verstädterung, die nach meiner Meinung teilweise zulasten der Wohnqualität geht. Der Grünraum wird kleiner. Unser Zonenreglement beinhaltet keine Grünziffer. So werden wir auch vermehrt zu einem «Schlafdorf».

Gegen die weitere Wohnraum- und Bevölkerungsentwicklung dürfte Widerstand aus der Bevölkerung kommen. Der Quartierplan Gerbegässlein zum Beispiel war eine Zangengeburt.

Das ist so. Es existieren verschiedene Meinungen. Es gibt viele, die sagen: Es ist nicht mehr unser Dorf. Aber die Weichen sind früher einmal gestellt worden mit dem Zonenreglement. Dieses bietet Bauwilligen sehr viele Möglichkeiten. Das verdichtete Bauen hat man nach meinem Empfinden schon sehr weit aufgenommen. In Sissach werden Eigentumswohnungen in einem sehr hohen Preissegment erstellt mit gutem Ausbaustandard und riesigem Flächenbedarf für die einzelnen Leute. Eine Familie, die in Sissach etwas Neues bauen oder erwerben will, hat es schwierig. Das ist die Kehrseite.

Weshalb die extremen Preise?

Die Zuzüger kennen ihre tolle Wohnlage mit der schönen Aussicht. Sie schätzen die gute Infrastruktur: öffentlicher Verkehr mit Bahn und privater mit Autobahnanschluss. Ein weiterer grosser Vorteil von Sissach ist, dass man sofort im Grünen ist, in einem Naherholungsgebiet mit vielen Spazierwegen. Die meisten Leute, die nach Sissach ziehen, haben gute Einkommen. Dies sieht man in der Rechnung, denn die Steuererträge pro Kopf sind in den letzten Jahren gestiegen. Und nicht zu vergessen: Sissach ist ein starker Wirtschaftsstandort. Die hiesigen Arbeitgeber bieten mehr Arbeitsplätze, als erwerbsfähige Personen im Dorf wohnen. Neuzuzüger arbeiten allerdings grösstenteils auswärts. Alles ist in Bewegung.