Die am Mittwoch in der bz publik gemachten Entlassungen auf der Gemeinde Allschwil warfen hohe Wellen. Auf der Redaktion, vor allem aber auch bei der ehemaligen Angestellten Myriam Hofer, gingen diverse Reaktionen ein. «Sie dankten mir für meinen Mut und dafür, dass die Vorgänge auf der Gemeinde endlich publik werden», erzählt sie. 

Die Vorgänge gehen über das durch die Entlassungen mitverursachte Klima der Angst und Verunsicherung hinaus, welches in der Ausgabe vom Mittwoch thematisiert wurde. Hinter vorgehaltener Hand wird von einer Abschussliste gesprochen. Wer es wage, Gemeindeverwalter Dieter Pfister zu widersprechen, stehe auf der Liste und kriege das zu spüren. Das erzählen Verwaltungsmitarbeiter und Politiker verschiedener Couleur. Diverse Verwaltungsangestellte ständen mit Anwälten im Kontakt oder hätten extra Rechtsschutzversicherungen abgeschlossen.

Pfister wollte gegenüber der bz gestern erneut keine Stellung nehmen. Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli soll dem Gemeindeverwalter volle Rückendeckung geben und Mitarbeiter könnten angeblich nicht auf ihre Hilfe zählen. Sie vertraue Pfister blindlings, was weit zurückreiche. Sie konnte am Mittwoch aufgrund eines sehr vollen Terminplans nicht detailliert zu den neuen Vorwürfen Stellung nehmen. Sie hielt jedoch fest, dass sie diese alle bestreite und dass es sich dabei um Unterstellungen und einen gezielten Angriff gegen ihre Person handle.

Informationen zurückbehalten

«Es ist richtig spürbar, dass hier in der Führung einiges schief läuft», sagt auch ein Gemeinderatsmitglied. Die Angestellten hätten Angst. «Und das offenbar nicht zu Unrecht. Es wird nur Gehorsam verlangt und kritischen Geistern das Leben schwer gemacht.»

Einigen Gemeinderäten ist es selbst nicht mehr wohl. «Spätestens seit der Geschichte um die Tagesheime habe ich das Gefühl, hier werden Informationen zurückbehalten», erzählt ein Mitglied mit Bezug auf die angeblich falsch abgerechnete Kinderbetreuung durch die Stiftung Tagesheime, die Ende 2015 Schlagzeilen machte. Mehrere befragte Personen äussern den Verdacht, dass Pfister in dieser Angelegenheit extra Post zurückbehalten hat. Die Stiftung warf Ende 2015 einen Brief zuhanden des Einwohnerratsbüros ein, mit dem sie Einfluss auf die Budgetdebatte nehmen wollte. Der Brief erreichte trotz angeblich rechtzeitigem Einwurf das Einwohnerratsbüro allerdings zu spät. Die eingeworfene Post gehe über Pfisters Pult und dieser kämpfe an vorderster Front für Einsparungen bei den Tagesheimen und bei den Debatten rund um die Leistungsvereinbarung.

Auch im Fall Hofer sowie bei einem weiteren Verfahren sollen Informationen zurückbehalten worden sein. «Ich habe auch das Gefühl, dass die Traktanden der Gemeinderatssitzungen zum Teil strategisch festgelegt werden – je nachdem, ob ein Gemeinderat bei der Sitzung fehlt», erzählt ein Exekutivmitglied.

Abgrenzung fehle

«Es ist sinnvoll, dass die Gemeindepräsidentin und der Gemeindeverwalter gemeinsam Vieles besprechen und beschliessen, ohne alles in den Gemeinderat zu tragen», findet ein Mitglied der Exekutive. Heikel werde es dann, wenn daraus eine Symbiose würde. Das Gemeinderatsmitglied spricht von einem Abhängigkeitsverhältnis. Nüssli sei einige Male darauf hingewiesen worden, dass ihr Arbeitsverhältnis zu Pfister zu eng sei, dass sie sich als dessen Vorgesetzte abgrenzen müsse. Dies geschehe allerdings nicht.

Seit Pfister zurück sei, passieren Nüssli immer wieder Fehler, die sie vorher nicht gemacht hätte, heisst es. Ein Beispiel seien die beschriebenen Entlassungen, die sie als Juristin nicht hätte unterzeichnen dürfen. Aber etwa auch das Chaos rund um die familienexterne Betreuung hätte früher keine solchen Ausmasse angenommen. Nüssli sei mit dem Präsidialamt ins kalte Wasser geworfen worden und damit teilweise überfordert gewesen, mutmassen mehrere befragte Personen. Deshalb habe sie sich ihren ehemaligen Mitarbeiter zurückgeholt und ihm blind vertraut. Dabei sei sie blind geworden für seine Verfehlungen und müsse diese nun mitverantworten.