Tobias Grieder ortet zwei Gründe für seine deutliche Wahl: «Ich bin im Dorf relativ bekannt. Und entscheidend war auch die Geschichte um den Hausbau von Oliver Jacobi und Ehefrau Vanessa Duss Jacobi, obwohl sie als für den Tiefbau und öffentlichen Verkehr zuständige Gemeinderätin nicht direkt involviert war.» Das habe hohe Wellen geschlagen, auch in den Medien, konstatiert der bald 50-jährige Grieder, der zwar parteilos ist, sich aber als liberal einstuft. «Die Leute im Dorf sind nicht zufrieden und wünschen sich neue Köpfe im Gemeinderat», meint der Projektleiter einer Grossbank. Auch seien für ihn als regelmässigen Besucher von Gemeindeversammlungen Geschäfte nicht immer so gelaufen, wie er sich das vorgestellt habe. «Nun möchte ich mich im Gemeinderat direkt einbringen», sagt Grieder.

Mit einer Wiederwahl habe sie nicht gerechnet, sagt Vanessa Duss Jacobi. «Aber die Deutlichkeit überrascht mich und macht mich auch traurig.» Allerdings sei in Seltisberg üblich, dass neu Kandidierende gut gewählt würden. Das sei auch bei ihr vor vier Jahren der Fall gewesen, so die 40-jährige Juristin. «Ich muss davon ausgehen, dass der Wirbel um unser Eigenheim den Ausschlag gegeben hat», meint Duss. Ob deren Flugblatt, in dem vier bisherige Gemeinderäte und die Verwaltung Duss’ Wiederwahl unterstützt haben, im Vorfeld des zweiten Wahlgangs kontraproduktiv gewesen sei, könne sie nicht beurteilen.

«Für die Gemeinde habe ich gern gearbeitet und viel geleistet, denn die Tätigkeit im Gemeinderat ist spannend. Ich bedauere, dass ich die angefangenen Projekte nicht zu Ende betreuen kann», betont Duss. Sie verhehlt aber nicht, dass ihre Abwahl für sie auch ein Zeit- und Qualitätsgewinn sei.