Die Prattler wollen keine Gemeindeverwaltung im Stockwerkeigentum: Mit 1720 Nein- zu 636 Ja-Stimmen lehnten sie den Planungskredit in der Höhe von 300 000 Franken deutlich ab. Das Projekt sah vor, dass die Gemeindeverwaltung in ein noch zu bauendes Hochhaus an der Bahnhofstrasse ziehen sollte. Noch 2013 hatten die Prattler dem Projekt knapp zugestimmt. Mit einer Beschwerde vor Kantonsgericht erzwangen die Gegner eine Wiederholung der Abstimmung und siegten jetzt.

Gemeindepräsident Beat Stingelin (SP) setzt das Resultat in Zusammenhang mit der früheren Abstimmung über die Ausweitung des Stellenetats, die abgelehnt wurde: «Wenn es nicht mehr Personal geben soll, soll es offenbar auch nicht mehr Platz für die Verwaltung geben», folgert er.

Neue Planung aufgleisen

Dass eine neue Gemeindeverwaltung nötig sei, werde aber von keiner Seite bestritten. Deshalb müsse man jetzt am alten Standort eine neue Planung aufgleisen. «Eine so klare Mehrheit bei einer Abstimmung ist ein Auftrag an den Gemeinderat.»

Erfreut zeigt sich Einwohnerrat Patrick Weisskopf (Grüne-Unabhängige), der das Projekt an der Bahnhofstrasse bekämpft hat: «Ich bin froh, dass das Resultat so deutlich ausgefallen ist.» Nun könne der neue Gemeinderat die Planung am bisherigen Standort an die Hand nehmen und entweder das jetzige Gebäude aufstocken oder es auf dem vorhandenen Areal ausdehnen.

Ladenzone fürs Gewerbe

«Nun kann man die Bahnhofstrasse als attraktive Einkaufsmeile für Anwohner mit entsprechenden Angeboten für den Langsamverkehr aufwerten», meint Weisskopf. Es gehöre zum «urbanen Wohnen», das die Gemeinde Pratteln mit ihrer Hochhaus-Politik verfolge, dass man sich in der Nähe mit dem täglichen Bedarf eindecken könne. Zudem sei es für das Gewerbe wichtig, dass es genug Laufkundschaft gebe. «Dafür ist eine schöne Achse vom Bahnhof zum Dorf hinauf nötig.»

Die vier anderen Vorlagen wurden deutlich vom Prattler Stimmvolk klar angenommen, darunter 7,9 Millionen Franken für die Sanierung und den Umbau zweier Schulhäuser.