«Rettet die Rütihard!» Aus einem simplen Aufruf des Muttenzer Landwirts Ruedi Brunner und seiner Familie ist eine Bewegung geworden. Über 1500 Personen sind Teil der entsprechenden Facebook-Gruppe, gegen 150 Personen strömten am Samstagnachmittag auf die Rütihard, als Ruedi Brunner über die geplanten Sondierbohrungen der Schweizer Salinen AG informierte.

Brunner ist Kopf und Gesicht der fünf Bauern und zwei Imker, die auf der Rütihard Land pachten, das grösstenteils der Bürgergemeinde Muttenz gehört. Brunner und seine Kollegen verteilten allen Interessieren die Bohrpläne der Schweizer Salinen, die einerseits die Stellen der geplanten Sondierbohrungen, aber auch schon die Stellen der definitiven  Förderstellen zeigen. «Der Bohrplan ist nicht irgendeine Idee, sondern beschlossene Sache», rief Brunner in Richtung Publikum.

Leitungen schlimmer als Bohrlöcher

Die Baubewilligung für die beiden Sondierbohrungen an der Grenze zu Münchenstein läuft im September ab. «Deshalb muss jetzt alles sehr schnell gehen», warnte Brunner. Die Schweizer Salinen wollen damit prüfen, wie weit die Salzverkommen, von denen man auf der Rütihard seit Jahrzehnten weiss, nach Münchenstein reichen. Bei den restlichen Bohrlöchern, die Brunner während der Woche selber mit rotweiss gestreiften Holzlatten markiert hatte, soll in wenigen Jahren definitiv Salz gefördert werden.

Mehrfach betonte Brunner, dass das Verhalten der Schweizer Salinen «absolut rechtens» sei. «Das Gebiet liegt im Konzessionsgebiet, daran gibt es nichts zu rütteln.» Auch gehe es ihm nicht ums Geld. «Ich würde für die Ertragsausfälle durch die Bohrungen auf meinen Feldern von den Schweizer Salinen genügend entschädigt. Mir geht es um die wertvolle Landschaft auf der Rütihard, die darunter massiv leiden würde.» Schlimmer als die Bohrlöcher selber werden die Zu- und Ableitung für die aus dem Boden gewonnene Salzsohle. Alle Förderstellen wären miteinander verbunden. Und am Ende braucht es eine Hauptleitung über die Rütihard zur Pumpstation bei der Gärtnerei Dobler.

«Die Landschaft wird ruiniert»

Die dafür nötigen Bauarbeiten würden die Rütihard verschandeln, schimpften mehrere Redner am Mikrofon. «Die entscheidende Frage ist doch: Wie können wir dies verhindern?», fragte ein Mann gleich als erstes. Eine wirkliche Antwort konnte ihm Ruedi Brunner nicht geben. «Die Rütihard ist einer wunderbarer Platz, eine Perle sondergleichen», klagte ein anderer. Die Folgen von Salzbohrungen könne man seit Jahren unterhalb des  Egglisgrabens gegenüber sehen, sagte ein Hobbyjogger. «Der Lärm und Gestank der Bohrmaschinen ist dort mehrere hundert Meter weit zu hören und riechen. Die ganze Landschaft wird für längere Zeit ruiniert.» Architekt Fabio Felippi wundert sich, dass so nahe und sogar innerhalb des Naturschutzgebiets Rothallenweiher gebohrt werden dürfe. «Eigentlich haben sich die Schweizer Salinen dazu verpflichtet, dort nicht zu bohren. Schon nur eine Mountainbikestrecke sorgt in Naturschutzgebieten für Ärger.»

Bürgerrat schweigt

Andreas Schlumpf, Partner der ältesten Tochter der Familie Brunner, rief alle Versammlungsteilnehmer dazu auf, Mitglied der Facebook-Gruppe zu werden oder sich in die ausgelegten Listen einzutragen, damit sie immer mit den neusten Informationen versorgt werden können. Und dies taten die Leute in grosser Zahl. «Wir werden die Rütihard nicht kampflos den Rheinsalinen überlassen», kündete Schlumpf an. «Das war jetzt erst der Anfang und wir werden dranbleiben!» Mehrere Redner forderten den Bürgerrat als Landbesitzer auf, sich zur Sachlage zu äussern.

Doch die anwesenden Bürgerräte schwiegen. «Wir werden am Freitag informieren», sagte deren Präsident Hans-Ulrich Studer lediglich. Bei aller Kritik gab es vereinzelt auch Verständnis für die Salzbohrungen. Alt Gemeinderat Benjamin Meyer sieht die Landesversorgung mit Salz als übergeordnetes Ziel. «Salz ist der einzige Bodenschatz, den wir in der Schweiz haben. Weshalb sollen wir den im Boden lassen?» Muttenz habe mit seinen Salzvorkommen eine Verantwortung gegenüber der Schweiz, findet Meyer.

Nicht gegen Salz, sondern für die Natur

Der für den Bereich Umwelt zuständige Gemeinderat Roger Boerlin (SP) kann diese Argumentation teilweise nachvollziehen, findet aber auch, dass Muttenz schon sehr viel für die Salzversorgung der Schweiz beigetragen habe. «Man muss sich einfach bewusst sein, dass die Leute hier nicht gegen die Schweizer Salinen oder das Salz sind. Sie sind für das Naherholungsgebiet Rütihard.» So vieles sei in den vergangenen Jahren zugebaut worden.

«Die Leute sind besorgt, dass mit der Rütihard eine der letzten Freiflächen in Muttenz verloren gehen könnte.» Zwar stehe der Gemeinderat aktuell aussen vor, «doch wenn sich daraus ein breiter Widerstand ergibt, ist dieser Entwicklung Rechnung zu tragen». Boerlins Gemeinderatskollege Joachim Hausammann (Grüne) erkannte mit Zufriedenheit, dass sich die Muttenzer Bevölkerung um ihre Gemeinde sorgt. «Ganz unabhängig davon, wie man diese Bohrung sieht, ist es wichtig, dass sich die Menschen Gedanken um ihre Gemeinde machen.»