Für die hochfliegenden Pläne, im Baselbiet substanziell Strom aus der Windkraft zu produzieren, ist das ein herber Dämpfer: Die Elektra Birseck (EBM) legt ihr Projekt für einen Windpark im hinteren Laufental auf Eis, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Auf dem Hügelzug Aebin im Westen von Liesberg-Dorf plante der Energieversorger mit Sitz in Münchenstein einen Windpark mit drei bis fünf Turbinen. Bis zu 4500 Haushalte hätten so mit erneuerbarer Energie aus regionaler Produktion versorgt werden sollen.

Daraus wird nun vorerst nichts: «Der Wind bläst zu wenig», sagt EBM-Sprecher Joachim Krebs auf Anfrage. Die Werte der Windmessungen, welche die EBM dort in den vergangenen zwei Jahren aufzeichnete, lagen unter den Erwartungen. Gemessen wurden durchschnittliche Geschwindigkeiten von rund 4,5 Meter pro Sekunde. Dies gilt gemäss der Windenergiestudie des Kantons als unterster Grenzwert. Ausgegangen war man bei der EBM von mindestens fünf Meter pro Sekunde. Damit wäre der Windpark zumindest mit Beiträgen aus der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV), dem Förderinstrument des Bundes für erneuerbare Energien, einigermassen rentabel gewesen. Allerdings: Bei der EBM schätzt man die Chance, unter den aktuellen Voraussetzungen in den Genuss der Fördermittel zu kommen, als gering ein. Dies auch deswegen, weil die meisten KEV-Gelder bereits zugewiesen und die Wartelisten lang seien, wie Krebs anfügt.

Neustart mit besseren Rotoren?

Ganz abblasen will die EBM ihr Windpark-Projekt im Laufental gleichwohl nicht. Bis in spätestens drei Jahren wird der Energieversorger die Situation nochmals beurteilen; bis 2021 ist das Land im Eigentum der Burgerkorporation Liesberg für die EBM reserviert. «Die Windstärke wird sich bis dann nicht verändern. Was sich aber ändern kann, sind die politischen Rahmenbedingungen oder – noch besser – die Technologien», sagt Krebs. So könnten bis in wenigen Jahren Rotoren auf dem Markt sein, die insgesamt kostengünstiger sind und auch bei geringen Windgeschwindigkeiten genügend Leistung bringen.

Die Ernüchterung ist dennoch gross bei den regionalen Promotoren der Windenergie. Der Entscheid der EBM, auf den Windpark im Laufental vorerst zu verzichten, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bloss den Auftakt bilden für weitere Absagen. Der zweite grosse Energieversorger im Kanton, die Elektra Baselland (EBL), entscheidet bis Mitte Juni über das Projekt Schleifenberg ob Liestal, sagt Geschäftsleitungsmitglied Beat Andrist auf Anfrage.

Der abtretende EBL-Chef Urs Steiner hat bereits durchblicken lassen, dass die Messresultate nicht eben ermutigend seien. «Windanlagen soll man dort bauen, wo der Wind bläst, Photovoltaik dort, wo die Sonne scheint und Wasserkraftwerke dort, wo es viel Wasser hat und das Gefälle gross ist», sagte Steiner kürzlich. Und das ausgerechnet auf einer Reise mit Journalisten in den Nordosten Deutschlands, wo der Liestaler Energieversorger am Aufbau eines Windpark-Portfolios über eine halbe Milliarde Euro beteiligt ist. Bei der EBM ist die Situation ähnlich: Sie will ihre Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien in ihrer Beteiligung bei der Aventron AG konzentrieren. Der Schweizer Grünstromproduzent betreibt Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke in mehreren europäischen Ländern.

«Schweiz ist kein Windland»

Der Verband «Freie Landschaft Schweiz» reagierte erfreut: «Der Entscheid der EBM dürfte auch andere Investoren anregen, ihre bisherigen Bemühungen hierzulande zu überdenken. «Die Schweiz ist kein Windland», schreibt der Verband, der sich für den Landschaftsschutz einsetzt. Zumindest diese Schlussfolgerung kommt etwas voreilig. So hält die EBM an der Planung für ein Windrad in Muttenz/Schweizerhalle in Nähe der Autobahn A 2 fest; Machbarkeitsstudie und Wirtschaftlichkeitsberechnungen seien noch in Arbeit, sagt Joachim Krebs. Vorantreiben will die EBM zudem die Planung für einen grösseren Windpark in Meltingen im Schwarzbubenland. Allerdings ist man dort nicht sehr weit: Der Antrag für den Eintrag im Richtplan des Kantons Solothurn ist seit längerem pendent.

Dasselbe gilt für das Projekt Challhöchi. Der von den Industriellen Werken Basel (IWB) geplante Windpark mit fünf Turbinen befindet sich an der Kantonsgrenze von Baselland und Solothurn auf dem Territorium der Gemeinden Burg, Röschenz (beide BL) und Kleinlützel (SO). Die IWB warten derzeit auf die Aufnahme des Gebiets in den Solothurner Richtplan. Erst anschliessend kann das Genehmigungsverfahren in Angriff genommen werden – und das kann gut und gerne noch zwei bis drei Jahre dauern.

Die IWB wollen sich auf Anfrage nicht zu Windstärke und Wirtschaftlichkeit äussern. Die Tatsache, dass das Projekt unvermindert vorangetrieben wird, lässt immerhin den Schluss zu, dass die bisherigen Windmessungen das Projekt nicht grundsätzlich infrage stellen. Allerdings ist ausgerechnet dort, wo das Potenzial gross ist – die Rede ist von Strom für 10 000 Haushalte – auch der politische Gegenwind am heftigsten. Es scheint, als käme die Windkraft zumindest im Baselbiet nicht auf einen grünen Zweig.