Dass das Baselbiet schon bald über sechs neue Regionen verfügt, ist ungewisser denn je. Zu sehr droht das entsprechende Gemeinderegionengesetz der Regierung in der vorberatenden Kommission und später im Landrat verändert zu werden. Unter anderem steht zur Debatte, die Region Oberes Baselbiet mit seinen 31 Gemeinden in zwei Subregionen aufzuteilen. Davon rät der selbstständige Regionalentwickler Gerry Thönen ab, der die Region als externer Fachmann unterstützt.

Herr Thönen, was halten Sie vom Plan, die 31 Gemeinden der Region Oberes Baselbiet auf zwei Subregionen aufzuteilen?

Gerry Thönen: Das müssen letztlich die Gemeinden und der Kanton entscheiden, persönlich rate ich aber davon ab. In unserer Arbeitsgruppe haben wir ja bereits Statuten und eine Geschäftsordnung für die 31 Gemeinden erarbeitet. Ich würde es begrüssen, wenn wir so fortfahren könnten. Auch unter dem Dach einer Regionalkonferenz mit 31 Gemeinden kann man fallweise gut in Teilregionen zusammenarbeiten. An den Sitzungen der Vorbereitungsgruppe war eine Aufsplittung aber nie ein Thema.

Aber keine andere der sechs geplanten Regionalkonferenzen umfasst so viele Gemeinden.

Diese Grösse ist eher Vor- denn Nachteil, gewinnt die Region dadurch doch an Gewicht. Wenn über ein Drittel aller 86 Baselbieter Gemeinden etwas gemeinsam machen, hat das eine ganz andere Wirkung. Ganz abgesehen davon, dass eine kleine Region garantiert teurer wäre, da es unter anderem jeweils eine Geschäftsstelle bräuchte. Ausserdem ist meine Erfahrung, dass Kleinräumigkeit auch ganz schnell zu Kleinkariertheit führen kann. Regionale Zusammenarbeit ist mehr als überkommunale Zusammenarbeit.

Sind die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinden nicht zu verschieden?

Im Gegenteil: Diese Gemeinden sehen sich eben gerade als gemeinsame Region «Oberbaselbiet». Wir würden auch diese Bezeichnung der abstrakten des «Oberen Baselbiets» bevorzugen. 31 Orte halte ich übrigens für eine überschaubare Grösse, da habe ich schon viel grössere Regionen betreut. Interessanterweise umfasste auch die Regionalplanung des Oberen Fricktals, bei der ich in den Beruf einstieg, genau 31 Gemeinden. Später fusionierten wir dann noch mit den zehn Gemeinden des Unteren Fricktals. Es hat mit 31 und mit 41 Gemeinden prima funktioniert.

Wie gut kann man denn die Regionenbildung im Baselbiet mit jener im Aargau vergleichen?

In Baselland ist es deutlich schwieriger. Im Aargau hat die regionale Zusammenarbeit seit den 1950er-Jahren Tradition und ihr Nutzen wird gar nicht infrage gestellt. Das ist hier anders.

Wo sehen Sie die grössten Probleme?

Im Baselland fehlt ein überdepartementales Konzept. Regierungsrat Anton Lauber und seine Finanzdirektion folgen beim Gemeinderegionengesetz edlen Motiven, doch sie sind allein. Die Bau- und Umweltschutzdirektion oder die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion müssten sich mehr einbringen, dann hätte das ganze Projekt bessere Chancen.

Was entgegnen Sie jenen Gemeinden, die zwar zusammenarbeiten wollen, aber ohne fixe Strukturen?

Letzten Endes führt kein Weg an einer verstärkten regionalen Zusammenarbeit vorbei. Das gilt erst recht für Baselland, wo es bisher an einer regionalen Planungsebene fehlt. Die Gemeinden, die sich wehren, werden merken, dass sie es sich bald gar nicht mehr leisten können, gewisse Aufgaben alleine zu stemmen.

Und wie erleben Sie diesbezüglich die Oberbaselbieter?

Von der Arbeitsgruppe zur Regionalkonferenz bin ich begeistert. Vor allem, dass wirklich alle mitmachen, auch wenn sie kritisch eingestellt sind. Das beeindruckt mich.

Und was sagen Sie jenen Gemeinden, die Autonomie als höchstes Gut ansehen?

Diese sollten erkennen, dass eine starke Region die Autonomie der einzelnen Gemeinden sogar stärkt. Schliesslich werden sie von Aufgaben entlastet, von denen sie überfordert würden. Dadurch gewinnt man neue Freiräume. Ausserdem: Wenn eine Gemeinde beim Finanzausgleich die hohle Hand macht, sollte sie beim Einfordern von Autonomie vorsichtig sein.