Neigen Lehrer dazu, Spesen nicht richtig abzurechnen? Diese Frage stellt sich mit dem Fall des Allschwiler Hauswirtschaftslehrers, der auf Kosten der Schule einkaufte. Am 9. Mai findet die Verhandlung vor dem Kantonsgericht statt. 

Herr Weiss, ist der Allschwiler Schulspesen-Skandal ein Einzelfall oder kommen derartige Vorfälle im Baselbiet häufiger vor?

Michael Weiss: Mir ist kein Fall bekannt, den ich mit diesem vergleichen könnte.

Es scheint, als seien die Lehrer und Lehrerinnen im Baselbiet bestens darüber informiert, was im Hinblick auf Spesen erlaubt ist und was nicht. Wo liegt diese Trennlinie?

Wichtig zu verstehen ist, dass Schulen eine Teilautonomie haben. Aus diesem Grund können kaum allgemeine Richtlinien festgemacht werden, die für alle Baselbieter Lehrer und Lehrerinnen gültig sind. Die Trennlinie von dem, was erlaubt ist und was nicht, muss schulintern gezogen werden. Schulleitungen und Lehrpersonen müssen sich über diese klar verständigen. Sonst kommt es soweit, dass man überzeugt ist, man handle korrekt, die Schulleitung aber anderer Meinung ist – wie dies beim Allschwiler Schulspesen-Fall geschehen ist. Sicherlich wird man auf diese Weise nicht alles verhindern können. Dass so etwas kaum vorkommt, zeigt aber, dass es im Grunde funktioniert.

Können Sie noch weitere Tipps geben, wie sich Lehrer generell verhalten sollen, damit sie nicht in ähnliche Situationen geraten? 

Wie gesagt, sollen sich Lehrpersonen mit der jeweiligen Schulleitung absprechen, was zugelassen ist und was nicht. Ich plädiere dabei für eine gewisse Grosszügigkeit. Die Lehrpersonen zahlen vieles aus dem eigenen Sack, wie beispielsweise ihr privates Arbeitszimmer samt Computer, Drucker und Kopierer sowie die dafür benötigten Verbrauchsmaterialien. So sammeln sich rechte Beträge an. Darüber beschwert sich auch niemand. Natürlich soll dies nicht heissen, dass man sich als Lehrperson auf eigene Faust Regeln herausnehmen darf, aber auch die Schulleitungen sollten ihrerseits nicht jede Erbse zählen.

Der Hauswirtschaftslehrer aus Allschwil war sich sicher, dass er richtig handle. Dies führte schiesslich zur fristlosen Kündigung. Ist diese Ihrer Meinung nach angemessen?

Bei diesem Fall ist die fristlose Kündigung übertrieben, auch wenn es an anderen Orten aus ähnlichen Gründen zur fristlosen Kündigung kommt. Ich bin der Meinung, dass man jeweils die Verhältnismässigkeit prüfen muss. 

Begründet wurde die Kündigung mit dem Argument, dass das Vertrauensverhältnis zwischen der Schule und dem Lehrer nachhaltig gestört sei. Was halten Sie davon?

Die Argumentation wurde ins Spiel gebracht, damit es einen Grund für die Kündigung gibt. Die falsche Spesenabrechnung von 147 Franken hätte wohl für eine Entlassung gar nicht gereicht. Die Verantwortlichen hatten damit wohl das Gefühl, sich so besser gegen einen Rekurs absichern zu können.