Die Diskussion war schnell beendet. Als während der jüngsten bz-Leserwanderung nach Oberwil die Sprache auf die SP-Strategie im anstehenden Regierungswahlkampf kam, äusserte niemand auch nur den geringsten Zweifel an der Richtigkeit der Solo-Kandidatur der mitwandernden Kathrin Schweizer. «Das zeigt doch nur, dass wir lernfähig sind», rief Schweizers Begleiterin, SP-Fraktionschefin Mirjam Locher aus, alle bösen Erinnerungen an 2015 wegwischend.

Mag diese Zuversicht vor einer Kampagne typisch sein, die Lernfähigkeit innerhalb der SP ist es gewiss nicht. Blickt man auf ein Jahrhundert SP-Regierungswahlkämpfe im Baselbiet zurück, zeichnet sich das Bild einer langen Kette an Niederlagen. Statt Rosen setzte es meist Prügel.

Obschon die Sozialdemokraten bereits 1925 erstmals als stärkste Partei aus einer Wahl hervorgingen, waren sie nur zwischen 1931 und 1950, zwischen 1959 und 1963 sowie zwischen 1989 und 1999 mit mehr als einer Person im Regierungsrat vertreten. Um die Herrlichkeit ihrer bisher einzigen Regierungsmehrheit brachten sie sich innert weniger als zwölf Monaten selbst, als der streitbare dritte SP-Regierungsrat Otto Kopp 1948 aus der Partei austrat und als Parteiloser weiterregierte.

Davor und danach scheiterten alle Angriffe, mal mehr, mal weniger kläglich: jene auf einen zweiten Sitz und jene auf die Mehrheit sowieso. 2015 fiel die SP sogar in die Steinzeit vor 1925 zurück und musste, von der Regierungsbeteiligung ausgeschlossen, in die Opposition.

In jüngster Zeit wirklich mit sich zufrieden sein konnte die SP eigentlich nur in der ein Jahrzehnt währenden Ära der beiden populären Regierungsräte Edi Belser und Peter Schmid.

Immer diese Selbstüberschätzung

Das Baselbiet stimmt links ab, wählt aber rechts. Dieses geflügelte Wort scheint ausgerechnet die SP öfters mal zu vergessen. Anstatt präzise, selbstkritische Zustandsanalysen durchzuführen, erliegen die Sozialdemokraten immer wieder der Selbstüberschätzung. Verkauft wird dies dann jeweils als «Kampfgeist».

Masslosigkeit und ein fauler Kompromiss in der Frauenfrage standen am Ursprung der Dreierkandidatur, mit der die SP 2007 die Regierungsmehrheit holen wollte. Gewählt wurde aber einzig der Bisherige, Bildungsdirektor Urs Wüthrich. Regula Meschberger und der damals schon als Landratspräsident ziemlich populäre Eric Nussbaumer nahmen sich gegenseitig die Stimmen weg. Die Bürgerlichen lachten sich ins Fäustchen.

Gar in schallendes Gelächter durfte die Gegenseite 2015 ausbrechen, angesichts der von Anfang an verpfuschten SP-Kampagne. Von einer am Nominationsparteitag im Ebenrain seltsamen Aufbruchsstimmung beflügelt, sprach sich die euphorisierte Parteibasis für die Doppelkandidatur von Regula Nebiker und Daniel Münger aus – alle Warnungen von Besonnenen in den Wind schlagend.

Die konfuse Kampagne des lustlosen Kandidatenduos war anschliessend das eine. Schlimmer jedoch wog, dass selbst dann noch intern keinerlei Zweifel an der Verteidigung des SP-Regierungssitzes aufkamen, als die öffentlich restlos diskreditierte Bildungspolitik von Urs Wüthrich der Partei bereits den Boden unter den Füssen weggezogen hatte.

Zumindest den Vorwurf der Selbstüberschätzung will sich die SP diesmal nicht mehr machen lassen. Von Anfang an wurde von der neuen Parteileitung klar deklariert, dass es in der nächstjährigen Kampagne nur um ein einziges Ziel geht: in die Regierungsverantwortung zurückzukehren und so die Blamage von 2015 zu tilgen.

Die Parteibasis scheint dies geschluckt zu haben. Interne Kritik an der sicheren Karte der Einer-Kandidatur ist bisher kaum laut geworden, nicht einmal im ungezwungenen Rahmen einer Leserwanderung.

Für Kantonalpräsident Adil Koller ist der wichtigste Unterschied zu 2015, dass die Sozialdemokraten diesmal mit einer eindeutigen Botschaft in den Wahlkampf ziehen: «Wir transportieren unsere Inhalte klarer als früher. Die Basis steht hinter dem Grundsatz: Die SP ist die Alternative zur rechten Abbaupolitik beim Service public. Unsere Haltung ist auch unsere Wahlkampfstrategie.»

Ob dazu mit der Muttenzer Land- und Gemeinderätin Kathrin Schweizer die richtige Kandidatin nominiert worden ist, muss sich in den Wahlkampfgewittern erst noch weisen. Eric Nussbaumer zeigt sich überzeugt davon: «Die Einerkandidatur von Kathrin Schweizer, einer Politikerin mit Exekutiv- und Legislativerfahrung, ist sehr gut.»