Vor zwei Wochen sorgte ein anonymes Schreiben für Aufruhr, das sich gegen das Kantonsspital Baselland (KSBL) richtete. Das E-Mail, das an mehrere regionale Medien ging, war eine seltsame Mischung aus abstrusen, nachweislich falschen Anschuldigungen.

Etwas allerdings enthüllte das Schreiben, das stimmte: Dass das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic am 14. September eine kurzfristig anberaumte Kontrolle am KSBL durchgeführt und dabei Dinge beanstandet hatte. Während das anonyme Schreiben bereits von einer Strafanzeige und «empfindlichen Busse» gegen das KSBL schrieb, verwies Swissmedic auf Anfrage darauf, dass davon noch keine Rede sein könne, da noch nicht einmal der Inspektionsbericht vorliege.

Jetzt liegt er vor. Und dieses Mal ist es das KSBL, das proaktiv informiert. Sprecherin Anita Kuoni legt der bz eine zweiseitige Zusammenfassung vor, die allerdings aus der Feder des KSBL selbst stammt.

Schwerwiegende Abweichungen

Das Fazit: Tatsächlich kritisierte Swissmedic insgesamt zwölf Punkte. Drei davon stufte es gar als «schwerwiegende Abweichung im Zusammenhang mit der Nichterfüllung gesetzlicher Bestimmungen» ein, der höchsten von drei Kritikstufen. Was das KSBL aber erneut festhält: «Die Beanstandungen beziehen sich auf formale Prozesse. Patientinnen waren nie gefährdet.» Von der bz mit dem KSBL-Papier konfrontiert, hält Swissmedic allerdings fest: «Die Zusammenfassung gibt nicht alle Punkte unseres Inspektionsberichts wieder und enthält zudem Interpretationen des Spitals.»

Fest steht: Die gröbsten Mängel betreffen die Materiovigilanz. Das heisst die gesetzlich vorgeschriebene Pflicht für Spitäler, Vorkommnisse mit Medinzinprodukten an Swissmedic zu melden. Die gleiche Pflicht haben auch die Hersteller der Produkte. Dank dieser Doppelpflicht erfährt Swissmedic auch von Vorfällen, obwohl sie das Spital nicht gemeldet hat.

Was genau am KSBL vorgefallen ist, bleibt unklar. Swissmedic gibt mit Verweis auf das laufende Verfahren keine weitere Auskunft und das KSBL beteuert, von der Behörde nicht über einen konkreten Produktdefekt informiert worden zu sein. Auch im vollständigen 16-seitigen Inspektionsbericht stehe nichts dazu, versichert Kuoni.

Reinigungsmittel mangelhaft angeschrieben

Das einzig Konkrete: Ein Reinigungsmittel sei in einem mangelhaft angeschriebenen Behälter aufbewahrt worden. Die anderen beiden «schwerwiegenden Abweichungen» seien Mängel im Melde-Prozess und der Schulung der Mitarbeiter.

Vielleicht hilft ein Vergleich mit früheren Melde-Verstössen anderer Spitäler: Im Sommer 2017 büsste Swissmedic das Universitätsspital Basel, weil es mangelhafte Produkte wie rostige oder verbogene Kanülen gekauft und die Mängel nicht gemeldet hatte. Und die Zürcher Universitätsklinik Balgrist meldete Swissmedic nicht, dass ein 2012 eingesetztes künstliches Kniegelenk wegen einer Materialschwäche 2017 gebrochen war und ausgewechselt werden musste.

Die Patientin habe durch den Bruch starke Schmerzen erlitten, schreibt Swissmedic in ihrem Bericht vom Mai, der der bz vorliegt. In all diesen Fällen verhängte Swissmedic die Maximalbusse für Unternehmen von 5000 Franken.

Die meisten Mängel sollen bis Ende Jahr behoben sein

Gegen das KSBL wurden noch keine Sanktionen verfügt. Swissmedic hat das Spital aufgefordert, bis zum 5. November Korrekturmassnahmen und einen Massnahmenplan einzureichen.

Kuoni kündigt an, die meisten Mängel bis Ende Jahr zu beheben: «Wir hoffen, dass wir Swissmedic damit zufriedenstellen können.»