Die Gewerkschaft Syndicom hat vergangene Woche mit einer nationalen Gefährdungskarte für Aufsehen gesorgt, welche Poststellen zeigt, die von einer Schliessung betroffen sein könnten. Im Baselbiet sind 24 Gemeinden (siehe Karte unten) angegeben, die möglicherweise künftig ohne Poststelle auskommen müssen.

Christian Capacoel, Mediensprecher der Syndicom erklärt, dass die Karte basierend auf den eigenen Kriterien der Post und heutigen gesetzlichen Vorgaben erstellt wurde. «Es geht uns nicht um Angstmacherei. Wir wollen der Bevölkerung die Augen öffnen und das Gesamtbild der Auswirkungen zeigen», hält Capacoel fest. Dennoch ist die Karte mit Vorsicht zu geniessen, da noch keine offiziellen Entscheidungen der Post vorliegen.

Schliessung von 600 Poststellen

Hintergrund für das Erstellen der Gefährdungskarte ist eine Mitteilung der Post vom vergangenen Oktober. Damals gab sie bekannt, dass die jetzige Zahl von 1400 traditionellen Poststellen in der Schweiz bis ins Jahr 2020 auf 800 bis 900 reduziert werden soll. Die Post sei jedoch bemüht, mit allen Betroffenen akzeptable Lösungen zu suchen, wie Mediensprecher Oliver Flüeler beteuert. «Wir werden für jede geschlossene Poststelle mit den Kantonen und den jeweiligen Gemeinden Alternativlösungen suchen, sei es eine Agenturlösung, ein Hausservice oder eine Postagentur im Verwaltungsgebäude.» Auch Entlassungen von Mitarbeitenden sollen durch Umschulungen und Versetzungen vermieden werden.

Mit den Kantonen würde insbesondere die Ausdehnung des Netzes besprochen. Aus diesem Grund habe die Post auch noch keine eigene Liste mit gefährdeten Poststellen herausgegeben. «Die Gespräche mit den 26 Kantonen sind im Gang und werden bis zum Frühling andauern. Erst dann wird es möglich sein, als Ergebnis eine Liste der definierten Poststellen zu präsentieren, welche bis 2020 keine Veränderung erfahren», erklärt Flüeler. Er bezeichnet das Vorgehen der Syndicom als «spekulativ» und ergänzt: «Wir befürchten, dass damit bei Mitarbeitenden und Bevölkerung vor allem Unsicherheit und Angst geschürt werden soll.»

Abbau von Dienstleistungen

Capacoel hält dem entgegen: «Gemeinden, Politik und Bevölkerung müssen jetzt aktiv werden. Sie müssen sich zusammentun und sich gemeinsam wehren. Denn wenn eine einzelne Gemeinde ihre Stelle retten kann, geht das zulasten einer anderen.» Er sieht die Propagierung von Agenturlösungen kritisch, da nicht alle Dienstleistungen einer klassischen Poststelle von Agenturen durchgeführt werden können. So kann man beispielsweise Bareinzahlungen nur bis zu einem Betrag von 500 Franken tätigen. Auch eingeschriebene Briefe dürfen aus Diskretionsgründen nicht abgeholt werden. «Das führt zu einer Ungleichbehandlung der Bevölkerung, was dem Service public widerspricht», argumentiert Capacoel.

In den betroffenen Gemeinden scheint sich die Aufregung bisher in Grenzen zu halten. Christian Ott, Gemeindeverwalter von Gelterkinden sagt: «Wir haben im November bei der Post nachgefragt, und uns wurde bestätigt, dass in den nächsten vier bis sechs Jahren keine Schliessung unserer Poststelle vorgesehen ist. Längerfristig muss man dann neu diskutieren.»

Entspannte Gemeinden

Ähnlich klingt es aus Bubendorf. Gemeindepräsident Erwin Müller-Wahl hält es für «unwahrscheinlich», dass die Filiale geschlossen wird. «Die Poststelle Bubendorf ist gut frequentiert und permanent überfüllt. Das liegt auch daran, dass viele Leute aus umliegenden Gemeinden ohne eigene Poststelle hier herkommen müssen.» Er äussert Verständnis dafür, dass die Post neue Wege gehen muss, da sich die Nachfrage nach bestimmten Dienstleistungen verschiebt. «Aber man muss fragen: Ist es eine Weiterentwicklung oder eine Reduktion?» Sollte die Filiale geschlossen werden, würde sich die Gemeinde zur Wehr setzen, aber davon geht Müller-Wahl zurzeit nicht aus.

Ebenso zuversichtlich zeigt sich der Münchensteiner Gemeindeverwalter Stefan Friedli: «Dass die bestbesuchte Poststelle in Münchenstein beim Einkaufszentrum Gartenstadt geschlossen werden soll, kann ich mir nicht vorstellen.» Er erlebe den Dialog mit der Post als sehr positiv. «Die Post analysiert laufend den Kundenkontakt und informiert über ihre Pläne weit im Voraus.» Friedli erinnert sich an die Schliessung der Münchensteiner Poststelle Zollweiden, die mit einer Agentur kompensiert wurde: «Auch dort wurde gut kommuniziert. Selbst wenn Schliessungen bedauerlich sind, gibt es bis heute keine negativen Rückmeldungen bezüglich der Agentur.»

Die Agenturen scheinen im Allgemeinen als Bereicherung wahrgenommen zu werden. In Frenkendorf gibt es seit 2013 keine Poststelle mehr. Gemeindeverwalter Thomas Schaub erklärt: «Unsere nächste Poststelle ist in Füllinsdorf, nur etwa 400 Meter vom früheren Standort in Frenkendorf entfernt. Die Umstellung verlief daher reibungslos.» Die neue Agentur im Volg-Laden werde von der Bevölkerung aufgrund der langen Öffnungszeiten als Verbesserung angesehen. Kritisch werde es erst, wenn auch die Filiale in Füllinsdorf geschlossen werden müsse.

«Veränderungen bringen immer Unruhe. Aber unsere Kundenumfragen zeigen, dass sich nach einer kurzen Übergangsphase wieder die gleichen Zufriedenheitswerte einstellen wie vor dem Wechsel», hält Post-Sprecher Oliver Flüeler fest.