Mittwochmittag im Liestaler Stedtli: Bea Ulrich stellt zwei junge Männer, die soeben das Lokal Glatscharia am Zeughausplatz 27 verlassen haben. Sie reisst die Jacke des einen auf, entreisst ihm ihr Service-Portemonnaie und rät ihm mit Nachdruck, zu verschwinden. Die beiden Männer ziehen wortlos ab.

Der Diebstahl von vorgestern beschäftigt die 56-jährige Service-Mitarbeiterin der Glatscharia – oder viel mehr das, was danach geschah. «Um 13 Uhr hatten zwei junge Männer die Glatscharia betreten», sagt Ulrich. Während sich einer der beiden wortlos an die Bar gesetzt habe, habe der Zweite bei den beiden Service-Mitarbeiterinnen mit einem «Bettelbrief» um Geld oder Essensgutscheine gebeten. «Das Ganze dauerte nicht lange, die waren nur ein paar Minuten in der Glatscharia», sagt Ulrich.

«Als sie gegangen waren, stellte ich schnell fest, dass mein Service-Portemonnaie verschwunden war.» Normalerweise trage sie dieses sogar bei sich, wenn sie zur Toilette gehe. Am Mittwoch aber habe sie es kurz hinter der Theke deponiert – bedeckt von einem Küchentuch.

Reagiert ohne gross nachzudenken

Schnell sei ihr klar gewesen, dass wohl einer der Männer das Service-Portemonnaie geklaut haben müsse. So sei sie den beiden gefolgt und hätte sich das Portemonnaie mit den Tageseinnahmen zurückgeholt. «Ich habe mir nichts dabei gedacht, für mich war einfach klar, der hat mein Portemonnaie und das muss ich wiederhaben», sagt Ulrich.

Während sich Ulrich das Service-Portemonnaie zurückholte, hat ihre Arbeitskollegin Sabine Pereira telefonisch den Notruf verständigt. «Ich habe dem Herrn am Telefon den Vorfall geschildert und ihm sowohl das Aussehen als auch das geschätzte Alter der beiden Männer mitgeteilt», sagt die 33-Jährige.

Man habe ihr am Telefon gesagt, dass von der Polizei niemand sofort zur Glatscharia kommen könne, im Lauf des Nachmittags aber eine Patrouille beim Lokal vorbeikommen würde. «Hätten Sie die doch festgehalten», habe man ihr beim Notfalltelefon noch mitgeteilt. «Das wäre wohl kaum möglich gewesen», sagt Pereira und fügt an: «Wie hätten wir beiden Frauen denn bitte zwei Männer festhalten sollen?»

Von der Polizei hat man bei der Glatscharia seither nichts mehr gehört. «Für uns ist der Fall jetzt erledigt, wir haben das Portemonnaie wieder und wissen es jetzt», sagt Pereira. Trotzdem ist das Glatscharia-Team über die Tatenlosigkeit der Polizei verärgert: «Dass von der Polizei keine Reaktion mehr kam, macht mich schon etwas wütend», sagt Ulrich.

Missverständnis mit der Polizei

Nico Buschauer, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, bestätigt die eingegangene Meldung zum von Ulrich und Pereira geschilderten Vorfall. «Um die beiden Männer zu kontrollieren, haben wir eine Patrouille ins Quartier geschickt und zusätzlich auch zivile Fahnder eingesetzt.» Die Fahndung blieb erfolglos. Offenbar sei es zudem zu einem Missverständnis zwischen der Anruferin und dem Notruf-Polizisten gekommen: «Gemäss Protokoll hat er Frau Pereira gesagt, dass eine Patrouille im Lokal vorbeikommen würde, wenn die Polizei noch weitere Fragen gehabt hätte.»

Buschauer lobt das Verhalten Ulrichs und Pereiras: «Wir empfehlen in solchen Situationen, telefonisch bei der Polizei Meldung zu machen.» Wer es sich zutraue, dürfe auch eingreifen. Wichtig sei aber, dass man sich selber dabei nicht in Gefahr bringe.