Jennifer Bosshard, welchen Begriff haben Sie aus dem Nähkästchen gezogen?

Jennifer Bosshard: So gut. Auf meinem Zettelchen steht «Karla Kolumna».

Durch die fiktive Journalistin aus den deutschen Hörspielen um die Hexe Bibi Blocksberg kamen Sie einst erstmals mit dem Journalismus in Kontakt.

Sie ist wahrscheinlich sogar der Grund, weshalb ich schon sehr früh Journalistin werden wollte. Die rasende Reporterin, stets mit dem Mofa unterwegs, trat resolut auf und hatte eine starke Persönlichkeit. Das faszinierte mich sehr und war für mich lange bezeichnend für eine Journalistin.

Inwiefern deckt sich dieses Bild mit den Erfahrungen, die Sie bisher gesammelt haben?

Es ist völlig anders. Zuerst einmal habe kein Töffli, sondern benutze die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Arbeit als Reporterin ist zudem meistens nicht so brisant, wie sie in den Hörspielen dargestellt wurde. Es gibt solche Situationen, aber in der Regel bin ich Büro und recherchiere über die verschiedensten Themen.

Sie sprechen es an. Sie sind nicht nur als Moderatorin, sondern auch als Redaktorin tätig. Wie sieht die Arbeit hinter den Kulissen aus?

Ich realisiere häufig eigene Beiträge, wie vor einigen Wochen ein grösseres Porträt über Alberto Giacometti. Das macht mir enorm Spass. Am meisten interessieren mich historische Themen, die auch Platz haben in unserer Sendung. Da kommt mir sicher mein Geschichtsstudium entgegen. Viele lassen sich blenden von der Glamour-Welt, über die wir berichten. Sie verkennen aber, dass wir auch viele ernstere Themen behandeln und dabei auch in die Tiefe gehen. Das nervt mich.

Als Moderatorin einer Lifestyle-Sendung müssen Sie sicher häufig gegen Vorurteile ankämpfen?

Ich bin ständig konfrontiert mit Vorurteilen. Manche lassen mich unterschwellig spüren, dass sie meine Arbeit nicht schätzen und nicht ernst nehmen. Das mag ich nicht. Viel lieber ist es mir, wenn mir jemand sagt, weshalb ihm unser Format nicht gefällt. Dann können wir gemeinsam darüber diskutieren. Viele Menschen schauen sich die Sendung gar nicht an, sondern lassen sich davon leiten, was sie irgendwo einmal gehört haben. Es ist ein endloser Kampf.

Anfang Mai dieses Jahres moderierten Sie als Nachfolgerin von Annina Frey Ihre erste Folge von «Glanz und Gloria». Weshalb haben Sie sich für die Stelle vor der Kamera beworben?

Ich habe mich gar nicht beworben. Nach einem Praktikum bei der Sendung wurde ich im Frühjahr als Redaktorin angestellt. Gerade zu dieser Zeit entschied sich Annina Frey, nach elf Jahren als Moderatorin aufzuhören. Meine Chefin ermunterte mich daraufhin, vor die Kamera zu treten. Zuerst wollte ich nicht, da ich früher in der Schule bei Vorträgen immer Stressflecken gekriegt habe. Als die Castings näher kamen, stieg jedoch meine Motivation. Ich legte mich ins Zeug und fühlte mich vor der Kamera wohl. Wenn ich irgendwo mitmache, will ich auch gewinnen. Dass ich weiterhin als Redaktorin arbeiten kann, war Voraussetzung dafür, dass ich den Moderationsjob angenommen habe.

Seit Ihrem ersten Auftritt sind mittlerweile gut drei Monate vergangen. Wie hat sich Ihr Privatleben verändert, seit Sie jeden Abend im Fernsehen zu sehen sind?

Dadurch, dass ich in der Öffentlichkeit stehe, nehmen natürlich auch die Medienanfragen zu. Das ist Teil des Berufs. Angesprochen auf der Strasse und im öffentlichen Verkehr wurde ich bisher sehr selten. Die Schweizerinnen und Schweizer sind da sehr zurückhaltend.

Werden Sie in Ihrer Heimat, der Oberbaselbieter Gemeinde Maisprach, häufiger auf Ihren Job angesprochen?

Dort schon. In Maisprach kennen mich auch viele, da ich dort aufgewachsen bin. Von den Einwohnern erhalte ich fast ausschliesslich positive Rückmeldungen. Mit meinen ehemaligen Nachbarn und der Familie, deren Kinder ich einst gehütet habe, stehe ich immer noch in Kontakt. Sie schreiben mir häufig, dass sie mich im Fernsehen gesehen haben und es cool finden, was ich mache.

Sie sind regelmässig in Maisprach bei Ihren Eltern zu Besuch. Die beschauliche 900-Einwohner-Gemeinde ist doch sehr anders als das hektische Zürich.

Ja, ich schätze das aber sehr. Man lässt sich schnell einmal stressen von den Anfragen, die der Job mit sich bringt. In Maisprach kann ich abschalten. Die Langsamkeit ist für mich befreiend. Die Zeit im Baselbiet tut mir gut.

Sie sind 25 Jahre alt und haben Ihr Ziel, als Journalistin zu arbeiten, erreicht. Wo soll es Sie in Ihrem Beruf eines Tages noch hinziehen?

Momentan will ich mich nicht damit beschäftigen, was ich in Zukunft noch erreichen möchte. Für viele Leute ist es ihr Lebensziel, eines Tages beim Schweizer Fernsehen arbeiten zu können. Das ist mir gelungen. In den nächsten Jahren werde ich darum sicher nicht weiterziehen. Für mich gilt es jetzt, ein wenig innezuhalten und meinen Traumjob zu geniessen.