Martin Dürrenmatt ist «auf dem total richtigen Weg». Der zweifache Weltmeister trainiert täglich. Und das in einer Disziplin, die gleichzeitig Beruf, Leidenschaft und Hobby ist. Der 21-jährige Muttenzer ist Coiffeur und Make-up-Artist. Von der Hairdressing-Weltmeisterschaft in Mailand kehrt er mit zwei Goldmedaillen nach Hause: Der Nachwuchsprofi gewinnt die Einzelweltmeisterschaft in der Kategorie «Trend Cut» und belegt mit dem Nationalteam Platz eins in der Kategorie «Evening Fashion und Trend Cut kombiniert».

Anspruch auf Perfektion

«Dürrenmatt ist ein grosses Talent», lobt «Coiffure Suisse» den ehrgeizigen jungen Mann. Es sei wahnsinnig, wenn jemand an den Weltmeisterschaften gewinne. Dürrenmatt investiert viel, um auf Spitzenniveau mitzuschneiden. «Zur Vorbereitung für die Weltmeisterschaften habe ich zwischen 50 und 60 Puppenköpfe geschnitten», erzählt er. Es sei vor allem wichtig, die vorgegebene Frisur immer schneller, aber dennoch perfekt zu schneiden. «Für die Hochsteckfrisur in der Kategorie ‹Evening Fashion› hat man 20 Minuten zur Verfügung. Der ‹Trend Cut› muss nach 40 Minuten fertig sein.»

Seit März sind Dürrenmatt die Frisuren für die Weltmeisterschaft bekannt. Heute hat er sie intus: «Ich weiss von jeder Locke, wohin sie gehört.» Martin Dürrenmatt weiss auch, wohin er selbst gehört: Mit 12 Jahren wurde ihm plötzlich klar, dass Coiffeur das Richtige für ihn sei. Mit Vorurteilen wie «das ist ein Frauenberuf» muss Dürrenmatt leben können. Das fällt ihm überhaupt nicht schwer. Selbstbewusst und von seiner Arbeit erfüllt wagt er einen Blick in die Zukunft. Auch diese scheint dem Muttenzer keine grossen Sorgen zu bereiten. «Ich möchte mehr im Film- und Showbusiness tätig sein.»

Kunst und exaktes Handwerk

Erfahrungen hat Dürrenmatt bereits am Zürcher Filmfestival gesammelt. Solche Jobs seien extrem wichtig. Denn dafür könne sich niemand bewerben. Ein «No Name» ist Dürrenmatt nicht mehr. «Durch die Wettbewerbe habe ich immer wieder wertvolle Kontakte schliessen können.»

Das ist aber nicht der einzige Grund für die Teilnahme an Wettbewerben. «Für mich bietet das Training einen guten Ausgleich zum Alltag im Salon», sagt der Haarkünstler. Wettbewerbsfrisuren seien nicht alltagstauglich, dafür aber eine Art Kunst, die ein exaktes Handwerk verlangt. Dass er dieses beherrscht, wird ihm allenfalls am 28. Oktober bestätigt. Für den «Swiss Hairdressing Award» ist Dürrenmatt in den Kategorien Damen, Herren, Presse und Avantgarde nominiert.

Bis dahin bleibt etwas Zeit, Vernachlässigtem wieder mehr Beachtung zu schenken: Zum Beispiel seinem Pferd. Als er mit diesem noch an Concours ritt, hatte es natürlich immer eine schön geflochtene Mähne.