Die Abstimmung über den «Bahnhofcorso» hätte nicht besser herauskommen können: mit einem klaren Resultat. Schlecht wäre ein knapper Ausgang gewesen, ob er nun auf die Ja- oder die Nein-Seite gekippt wäre. Denn das hätte Interpretationskünstlern und damit Endlos-Diskussionen über das weitere Vorgehen Tür und Tor geöffnet. So aber ist allen klar: Die Liestaler Bevölkerung will den neuen Bahnhof samt Hochhaus und damit den Aufbruch in ein neues bauliches Zeitalter. Das Resultat ist gleichzeitig ein grosser Vertrauensvorschuss an die SBB. Ihr wird zugebilligt, die städtebauliche Verantwortung beim Erstellen des Hochhauses, dessen Architekturwettbewerb noch aussteht, wahrnehmen zu können.

Das Resultat steht aber auch für den beachtenswerten Lernprozess, den die Liestalerinnen und Liestaler in den letzten Jahren durchlaufen haben. Statt des früheren Zögerns und Zauderns, das Vorhaben oft an der Urne abstürzen liess, macht sich bei der Stimmbevölkerung, gerade bei grossen Planungskisten, eine erfrischende Radikalität breit. Diese zeigte sich erstmals vor fünf Jahren, als das Ziegelhof-Projekt mit 67-prozentiger Zustimmung an der Urne bestätigt wurde. Und jetzt legten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger beim Bahnhof noch einen Zacken zu. Das widerlegt auch die Unkenrufe, dass zwischen den politischen Parteien, die alle hinter dem Bahnhofcorso stehen, und dem Volk eine Kluft bestehe.

Dieser Lernprozess kommt nicht aus dem Nichts. Der Stadtrat hat mit seinem Aneinanderreihen von städtebaulichen Dominosteinen eine Vorwärtsentwicklung eingeläutet, die offensichtlich überzeugt. Erinnert sei etwa an die völlig neu gestaltete Spange vom Bahnhof über den Wasserturmplatz bis zum Bücheli mit der neuen Manor. Und jetzt die neue Rathausstrasse, an der selbst die ewigen Nörgler, von denen es auch in Liestal nach wie vor manche gibt, nichts auszusetzen haben. Diese Rathausstrasse war nun der Trumpf, der die Angstkarte der Bahnhof-Gegner, Bahnhofcorso grabe dem Stedtli das Wasser ab, ausstach. All das trägt auch die Handschrift des begnadeten Strategen Lukas Ott. Dem Richtung Basel scheidenden Stadtpräsidenten hätte das Volk keine schönere Anerkennung sprechen können als das gestrige, klare Ja.

 andreas.hirsbrunner@azmedien.ch