Nach einer Stunde Diskussion platzte Hanspeter Meier der Kragen: «Wir wollen von Ihnen endlich eine klare Antwort, wie die geriatrische Versorgung nach der Spitalfusion aussieht», sagte der Co-Präsident der Grauen Panther Nordwestschweiz mit ernstem Blick in Richtung der Regierungsräte Thomas Weber (BL) und Lukas Engelberger (BS). Und weiter: «Im ganzen Staatsvertrag kommt das Wort ‹Geriatrie› nur drei Mal vor. Die Altersmedizin hat in Ihren Plänen also keinerlei Stellenwert.» Meier war mit seinem Frust nicht allein, erntete am gestrigen Podium der Grauen Panther in der Grün 80 viel Applaus und zustimmende Voten von den rund 60 Seniorinnen und Senioren. «Wo werden die betagten Baselbieter Patienten künftig behandelt?», fragte auch alt SP-Nationalrätin Angeline Fankhauser sichtlich enerviert.

Bruderholz ohne Akutgeriatrie?

Die Schärfe der Voten und die spürbare Verunsicherung im Saal erstaunte die beiden Gesundheitsdirektoren, hatte der zweite Co-Präsident der Grauen Panther, Remo Gysin, eingangs die Haltung gegenüber der Spitalgruppe vom Basler Universitätsspital (USB) und vom Kantonsspital Baselland (KSBL) doch als «grundsätzlich unterstützenswert» gepriesen. «Es gibt keine Versorgungslücke, niemand wird auf der Strasse stehen», versuchte Weber zu beruhigen. Und Engelberger wies darauf hin, dass betagte Menschen längst nicht nur die geriatrische Abteilung eines Spitals benötigen: «Das ist eine falsche Vorstellung. Spitäler sind heute schwerwiegend auf alte Patienten ausgerichtet.»

Doch tatsächlich schafften es die beiden, mittlerweile in unzähligen Spitalfusions-Debatten kampferprobten Regierungsräte, eine klare Antwort schuldig zu bleiben. Das liegt auch daran, dass das genaue geriatriemedizinische Angebot des neuen Universitätsspitals Nordwest von den Spitalleitungen von USB und KSBL bis heute noch nicht öffentlich gemacht wurde. Vor allem das Angebot am Standort Bruderholz ist noch unklar. Denn während es dort heute noch eine Akutgeriatrie gibt, fokussieren die neuen Pläne in erster Linie auf ein Zentrum für ambulante Eingriffe und ein Orthopädie-Zentrum mit Rehabilitation.

Podiums-Teilnehmerin und alt SP-Landrätin Regula Meschberger gab an, bezüglich Geriatrie selbst schon beim KSBL nachgefragt doch noch keine klare Zusage erhalten zu haben. Sie fordert: «Die Spitäler müssen unbedingt vor der Volksabstimmung über die Spitalgruppe vom Februar 2019 Klarheit schaffen.»

Kommt Fusion mit Felix Platter?

Was am Montag auch deutlich wurde, ist der hohe Stellenwert, den das Felix Platter Spital (FPS) für die Grauen Panther einnimmt. «Wieso wird das Spital Laufen in die Gruppe eingebunden, das Felix Platter aber nicht? Das macht keinen Sinn», sagte Gysin. Schliesslich sei das FPS auch ein öffentliches Spital und zudem eng mit dem Unispital verbunden. Engelbergers Antwort war wieder ausweichend. Er anerkannte zwar, dass das Felix Platter das wichtigste Zentrum für Altersmedizin in der Region ist und sagte, dass es «auch mit dem Unispital Nordwest eng zusammenarbeiten wird».

Doch der Grund für die Nicht-Integration in die Spitalgruppe überzeugte nicht: Das Felix Platter müsse sich erst auf seinen eigenen Neubau konzentrieren, der im Frühling 2019 eröffnet werden soll. «Dann auch noch Teil der Fusion zu sein, wäre für das Spital zu viel», so Engelberger. Immerhin fügte er an, dass dies wohl nicht das letzte Wort und ein späteres Zusammengehen nicht ausgeschlossen sei.

So bleibt es aber vorerst dabei, dass für akutgeriatrische Behandlungen in Basel mit dem FPS, dem Adullam oder dem Bethesda-Spital eine gute Versorgung bestehen bleibt, während die Zukunft auf dem Bruderholz unklar ist. Da schon heute im Baselbiet ältere Patienten auch in einem Pflegeheim platziert werden, während das FPS sich explizit um die Wiederherstellung der Eigenständigkeit bemüht, könnte sich aber auch schon eine Informationsoffensive zur freien Spitalwahl lohnen, dürfen seit 2014 doch auch Baselbieter ohne eigene Mehrkosten ins Felix Platter.

Dass auf dem Bruderholz ein ambulantes Zentrum geplant ist, sorgte bei den Zuhörern auch für einige Skepsis: «Gerade für ältere Menschen kann es schwierig sein, wenn sie direkt wieder nach Hause müssen», sagte etwa Fankhauser. Immerhin hier konnte Engelberger mit seiner Antwort bei den Grauen Panthern punkten: «In den Staatsverträgen sind Ausnahmen vorgesehen, wann man einen eigentlich ambulanten Eingriff trotzdem stationär durchführen kann. Altersbeschwerden gehören zu den akzeptierten Gründen.»