Im Stadtkanton wird die Luft für Verkehrsrowdys dünner: Seit kurzem ist auf Basels Strassen ein unauffälliges, graues Zivilfahrzeug der Basler Polizei unterwegs, das manche Verkehrssünder in Angst und Schrecken versetzen dürfte. Aufgemotzt ist der Mercedes – nebst der üblichen Polizeiausrüstung wie Funk, Ortungssystem und Notfallmaterial – mit Videokameras. Diese erfassen den Verkehr vor und hinter einem Fahrzeug. Die Software erlaubt laut Mitteilung des Justiz- und Sicherheitsdepartements Basel-Stadt (JSD) eine zentimetergenaue Abstand- und Distanzmessung.

Die Videoaufnahmen dienen zur Dokumentation grober Verkehrsregelverletzungen wie etwa zu nahes Auffahren, Rechtsüberholen und anderer gefährlicher Manöver, bei denen Dritte gefährdet werden. «Bis jetzt konnten wir Drängler und Rechtsüberholer nicht aus dem Verkehr ziehen, da wir die Verkehrsregelverletzung schwer beweisen konnten», sagt JSD-Sprecher Klaus Mannhart. Tappt ein Autofahrer in die Falle, wird ihm die entsprechende Videoaufzeichnung sofort vorgeführt. Die Aussicht auf eine erfolgreiche Einsprache sei minimal.

System scannt Kontrollschilder

Das neue Zivilfahrzeug hat aber noch mehr zu bieten: Das System scannt die von den Kameras erfassten Kontrollschilder laufend und gleicht sie mit den Datenbanken ab. Ausgeschriebene Fahrzeuge werden sofort angezeigt – inklusive Angabe des Grundes, weshalb das Auto gesucht wird.

Das High-Tech-Polizeiauto kostet insgesamt 200000 Franken. Derzeit läuft der Testbetrieb – bis Ende Dezember werden die Verkehrspolizisten mit dem neuen Fahrzeug vertraut gemacht. Das Zivilauto der Polizei wird künftig täglich und auf dem gesamten Basler Strassennetz nach Verkehrssündern suchen. «Es wird im Cityring, auf der Autobahn, aber auch in den Tempo-30-Zonen eingesetzt. Grobe Verkehrsverletzungen geschehen schliesslich überall», meint Mannhart. Der Polizeisprecher geht davon aus, dass das neue Fahrzeug zu Mehreinnahmen bei den Bussen führen wird. Dies sei aber nicht der Grund, weshalb es eingesetzt werde. «Es wirkt schon präventiv, wenn die Leute wissen, dass ein solches Fahrzeug existiert», ist Mannhart überzeugt.

Ein Lenker auf dem Morgartenring weiss jetzt auch vom neuen Auto der Polizei. Dieser rückte bis auf 3,17 Meter auf das Zivilfahrzeug der Polizei auf und hielt diesen Abstand über zwei Kilometer mit nur 3 bis 5 Zentimeter Unterschied konstant ein. Als die Polizisten ihm anschliessend die Leviten lasen, gab er seinen Fehler erst bei der Videovorführung zu. Fazit: Seinen Führerausweis ist er los.