Jetzt ist sie definitiv angekommen, die warme Jahreshälfte. So richtig darüber freuen mögen sich aber nicht alle, etwa Caroline Wenger* aus Pratteln: Sobald es nämlich etwas wärmer geworden sei, erzählt sie der «Schweiz am Wochenende», würde gleich neben ihrem Haus die Openair-Grillsaison beginnen – mit unangenehmen Begleiterscheinungen für sie, ihren Mann und andere Quartierbewohner: Abfall, Rauch und Dauerbeschallung, häufig bis in die Nacht, wenn es hoch kommt auch eine zuparkierte Garageneinfahrt, davon zeugen Beweisfotos.

In diesem Jahr seien die ersten Gäste besonders früh aufgekreuzt: Kurz nach der Fasnacht.
Wenger hat Grillierer auch schon persönlich auf ihr störendes Verhalten aufmerksam gemacht. Doch die Bitten seien meist ignoriert worden. «Nicht selten wurde ich auch beschimpft», erzählt sie. «Letzten Sommer hat mir ein Mann ins Gesicht gespuckt. Uns wurden auch schon die Reifen unseres Autos zerstochen. So bin ich vorsichtiger geworden.» Die Anfeindungen seien auch der Grund, weshalb sie nicht mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung erscheinen wolle.

Bekannter Littering-Hotspot

Die Wengers wohnen im Käppelimattquartier am Rand des Geisswalds. In diesem befindet sich auch die gleichnamige Hütte der Bürgergemeinde mit zwei fixen öffentlich zugänglichen Feuerstellen. Den Geisswald haben Grillfreunde aus der ganzen Nordwestschweiz und aus dem grenznahen Ausland als Ausflugsziel entdeckt. «An einem Samstag zählte ich 20 Grillstellen rund um die Hütte», erzählt Wenger.

Einige Besucher würden die Motoren ihrer Autos laufen lassen, damit die Klimaanlage weiterläuft, oder um mit dem Autoradio die Lichtung zu beschallen. Dabei dürften die Autos gar nicht dort abgestellt sein: Die Zufahrt ist nur Anwohnern und Hüttenmietern erlaubt, ansonsten herrscht Fahrverbot.

Die Gemeinde weiss von den Zuständen bei der Hütte. Auf der Webseite wird der Geisswald als einer von mehreren Littering-Hotspots in Pratteln aufgeführt. Es handle sich also um einen Ort «mit hoher Besucherfrequenz und hoher Anonymität». Seit 2007 ist Wenger bei diversen Behörden vorstellig geworden, davon zeugt ein hoher Stapel Briefe, der sich bei ihr zu Hause angesammelt hat. Die Gemeinde ist in all den Jahren auch nicht untätig geblieben. Seit Herbst versperrt eine Barriere die letzten Meter zur Hütte. Und erst kürzlich wurde ein Fahrverbots-Schild durch ein grösseres ersetzt.

Das nütze alles wenig, sagt Wenger. Oft wüssten sich die Anwohner nicht mehr anders zu helfen, als die Gemeindepolizei anzurufen, um Ruhestörer oder falsch geparkte Autos zu melden.

Überwachung nicht möglich

Die Gemeinde will sich nicht zur Häufigkeit von Kontrollen äussern. Solche gebe es aber regelmässig, schreibt Gemeindeverwalter Beat Thommen auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende». Dabei würden auch Fehlbare und Falschparkierer gebüsst. Eine «Rundumabdeckung mit 24-Stunden-Patrouillen» sei aber nicht möglich, man verfüge lediglich über vier Polizisten.

«Zur Ergänzung besteht daher ein Vertrag mit einem privaten Unternehmen, welches die Gemeindepolizei bei Kontrollgängen unterstützt.»
Man stehe in der Regel innerhalb von 30 Minuten vor Ort zur Verfügung. Benützt werden dürften die Grillplätze, betont Thommen, grundsätzlich während der gesamten Woche, die Ruhezeit gelte nach 22 Uhr.

Es scheint sich aber etwas zu bewegen. Nach der Anfrage dieser Zeitung fand ein Treffen zwischen Wenger, weiteren Anwohnern sowie Gemeinderat Urs Hess und Christian Schneider von der Gemeindepolizei statt. «Es ging darum», schreibt Verwalter Thommen, «die Angelegenheit mündlich zu erörtern, zusammen auch mit anderen Anwohnern. Offenbar sehen die anderen Anwohner keine Probleme.»

Wenger widerspricht abermals: «Am Treffen haben sich auch andere Leute beschwert. Ausserdem wenden sich viele Betroffene direkt an uns, weil sie wissen, dass wir schon lange an der Sache dran sind.» So hätten bereits 2007 etliche Quartierbewohner einen von ihr verfassten Protestbrief mitunterzeichnet. Ein Familienvater, der ebenfalls beim Geisswald wohnt, sagt auf Anfrage, man sei froh, dass die Wengers so hartnäckig seien. Es habe sich auch etwas gebessert – früher seien die Zustände noch schlimmer gewesen.

Die Wengers haben als jüngste Massnahme ihren Zier-Wasserfall im Vorgarten trockengelegt. Der Filter sei immer wieder verstopft gewesen, erzählt Wenger. Sie weiss auch, wieso: «Grillierer haben am Wasserfall ihre dreckigen Pfannen gewaschen.»

*Name von der Redaktion geändert.